Seehausen l Noch immer warten rund 170 000 Euro darauf, an der Aland-Böschung in Höhe der Seehäuser Beustertorbrücke verbaut zu werden. Das Geld stammt aus dem Förderprogramm, das das Land Sachsen-Anhalt zur Schadensbeseitigung nach dem Elbehochwasser 2013 aufgelegt hat und entspricht einer 100-prozentigen Förderung.

Böschungssanierung muss warten

Die Mitglieder des Stadtrates um Bürgermeister Detlef Neumann (parteilos) können sich derzeit indes ebenso wenig wie die Fachleute aus dem Bauamt dazu durchringen, eine Auftragsvergabe auf den Weg zu bringen, weil die Zukunft der Beustertorbrücke in den Sternen steht und das Geld dann vielleicht in den Sand beziehungsweise ins Wasser gesetzt wäre (wir berichteten).

Die Aland-Querung fiel vor gut einem Jahr wegen schwerer Schäden am Über- und Unterbau mit der Note „ungenügend“ durch das Brückengutachten, das alle sechs Jahre fällig ist. Die Fachleute empfahlen damals die sofortige Sperrung des Bauwerks, das ohnehin schon seit vielen Jahren nur noch für Fußgänger und Radfahrer freigegeben war. Während eine Mehrheit im Stadtrat mit der Entscheidung haderte, sorgte das Ordnungsamt Anfang Februar für vollendete Tatsachen und verfügt aus Sicherheitsgründen die Vollsperrung.

Drei Varianten erarbeitet

Das Bauamt der Verbandsgemeinde Seehausen hat mit Hilfe eines Planungsbüros, wie von der Stadt gewünscht, inzwischen drei Varianten erarbeitet, die quasi vom ersatzlosen Abriss der Konstruktion über eine Sanierung bis zum kompletten Neubau reichen. Dem entsprechend weit gefächert sind erste Kostenschätzungen, über die Bauamtsmitarbeiter André Flatun die Mitglieder des Seehäuser Bauausschusses am Mittwochabend auf Nachfrage mit aller Vorsicht informierte. Bislang sind demnach 300 000 bis 1,1 Millionen Euro im Gespräch.

Denkmalschützer reden mit

Was die Sache zusätzlich erschwert, ist, dass die Brücke das Ensemble mit dem letzen verbliebenen Stadttor und der Salzkirche an der Beusterstraße komplettiert und unter Denkmalschutz steht. Das sorgt für begrenzte Perspektiven, weil es das Verschwinden der Brücke wohl ebenso verhindern würde wie einen schlicht gehaltenen Ersatzneubau. Wobei eine Light-Version durchaus sinnvoll wäre. Denn für den Autoverkehr wird die Aland-Querung an der Stelle nicht mehr wirklich gebraucht. Die inzwischen ertüchtigte Steintorbrücke führt nur ein paar hundert Meter weiter über den Fluss. Praktisch nur einen Steinwurf entfernt, steht die Brücke an der Schönberger Straße dem motorisierten Verkehr zur Verfügung.

Flatun wies die Ausschussmitglieder außerdem darauf hin, dass eine Beustertorbrücke für Radfahrer und Fußgänger nicht automatisch nur halb so groß beziehungsweise halb so breit wie das Original sein müsste. Eine Brücke, die sich optisch und in den Abmessungen am Vorbild des Vorgängerbaus orientieren müsste, könnte bedeutend preiswerter errichtet werden, wenn sie nicht für schwere Lasten, sondern nur ein paar Menschen ausgelegt wäre.

Der Bauausschuss-Vorsitzende Willi Hamann regte mit Zustimmung seiner Mitstreiter jedenfalls an, dass das Bauamt wegen der Varianten bei der Denkmalschutzbehörde vorfühlen möge. Danach sei ein Vor-Ort-Treffen von Kommunalpolitik, Bauamt, Planungsbüro und Denkmalbehörde möglich. Möglicherweise ergibt sich bis dahin ja auch noch eine ganz neue Variante.