Osterburg l Vom ausschließlich auf das Verleihen von Medien beschränkten Dienstalltag hat sich die Osterburger Bibliothek schon vor einer gefühlten Ewigkeit verabschiedet. Dass sich das urige Fachwerkhaus am Großen Markt aber als „kulturelles Wohnzimmer“ verstehen möchte, ist dann doch ein neuer Begriff, den Bibliotheksmitarbeiterin Danuta Ahrends formuliert. Freizeitangebote für Kinder, Bildervorträge oder eine Weihnachtslesung mit gemeinsamen Singen brachten 2018 Menschen in der Bibliothek zusammen.

Alltags lernen oder chillen immer mal wieder Schülergruppen aus dem benachbarten Gymnasium in den Räumen oder surfen im separaten Bereich der „Jugendbibliothek“ im Internet. „Und viele dieser Besucher sind nicht als aktive Leser bei uns eingetragen“, erzählt Anette Bütow. Dass ihre Medienstätte Lust auf längeren Verweilen macht, haben die Osterburger im Übrigen nicht exklusiv, weiß die Leiterin. „Das ist ein allgemeiner Trend: Bibliotheken entwickeln sich immer mehr zu einem sogenannten dritten Ort. Neben Arbeit oder Schule sowie dem Zuhause können sie zu einer Stätte werden, an der Menschen viel Zeit verbringen.“

Dafür sollen auch attraktive Angebote sorgen. So hat die Bibliothek für die kommenden Wochen das Programm „Liebeslieder“ des Kopinsky-Duos (Freitag, 1. März, ab 19.30 Uhr) sowie einen Vortrag zum Thema Wolf in Sachsen-Anhalt (Dienstag, 2. April, ab 19 Uhr) auf dem Zettel. Im Herbst warten schließlich die vielen Veranstaltungen der Osterburger Literaturtage. Zudem könnte eine technische Neuerung den Anlaufpunkt noch attraktiver machen. „Wir haben vor, frei zugängliches W-Lan im Bibliotheksgebäude und seinem Umfeld einzurichten“, sagte Anette Bütow.

Zum „kulturellen Wohnzimmer“ gehören gut und mit spannender Lesekost gefüllte Bücherregale unbedingt dazu. Dafür frischt die Stadtbibliothek regelmäßig ihren Bestand auf. Auch dank 50-prozentiger Förderung durch das Land Sachsen-Anhalt konnten im vergangenen Jahr 2025 neue Medien, darunter 721 Bücher, erworben werden. Und das gedruckte Wort zieht. Fast 18 000-mal gingen Schmöker, Sachbücher und Zeitschriften im vergangenen Jahr über den Tresen. Besonders Krimis der deutschen Autoren Eva Almstädt und Sebastian Fizek standen in der Gunst der erwachsenen Leser weit oben. Kinder griffen häufig zu Mangas oder Minecraft-Büchern. Mädchen lasen besonders gern Teile der Reihe „Lotta-Leben“ von Alice Pantemüller, die Älteren unter ihnen schmökerten sich durch Kathryn Littlewoods „Glücksbäckerei“. Jungen nahmen besonders häufig Sachbücher mit nach Hause.