Osterburg l Der Rossauer Ortsbürgermeister Bernd Drong (parteilos) freute sich gerade noch, fotografierte das Mähboot und dann hieß es „Abmarsch“. Der niedrige Pegel der Biese machte es dem Gefährt der beauftragten Firma unmöglich weiterzufahren, teilt Hans-Jörg Steingraf als Flussbereichsleiter beim Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) gegenüber Volksstimme mit. „Diese Abschnitte werden dann aber später gekrautet.“ Was Bernd Drong vor allem deswegen gerne hört, weil die Biese für den Freizeitbereich immer mehr an Bedeutung gewinnt. Die Paddler wollen durchs Wasser kommen, zu viel Kraut sei da naturgemäß im Weg.

Die Krautungen seien wegen des Wetters immer ein Stück weit ein Abenteuer, „aber im Moment ist es schon grenzwertig“, heißt es von Steingraf. Man müsse noch mehr als sonst abwägen. Der gestern morgen an der Biese in Dobbrun gemessene Durchfluss von 90 Litern pro Sekunde sei ja „fast nicht“. „Nur neun 10-Liter-Eimer Wasser auf diese Breite des Flusses.“ Indes sei der Betrieb mit den Böschungskrautungen „so ziemlich durch“.

Mähen kann Problem verschlimmern

Der Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes (UHV) Jeetze und unterstützend auch für den bis an Osterburg heranreichenden UHV Milde-Biese sagt, dass es „im Moment extrem schwierig ist, das Richtige zu tun“. Nicht so sehr bei ohnehin schon trockenen Gräben, aber bei Flüssen zweiter Ordnung über drei Meter Breite. „Die noch Wasser führen, aber sehr wenig, wo aber noch Fischbestand da ist.“ Flachwasser, viel Hitze, viel Krautaufwuchs, wenig Durchfluss sind eine tödliche Mischung für Fische, „aber Mäharbeiten können die Sauerstoffzehrung durch das Aufwirbeln sogar noch verstärken“, sagt Heinecke. Und das wenige Wasser durch das Krauten weglaufen lassen, wolle man ja auch nicht. „Wenn wir aus der Badewanne aufstehen, sinkt das Wasser auch“, zieht er einen Vergleich heran. Kurzum, es sei gerade nicht einfach. Es vergehe kein Tag, an dem sich nicht Bürger mit Sorgen an den Unterhaltungsverband wenden. Weil unbedingt sofort gekrautet werden müsse oder sie Fischsterben befürchten oder beobachtet haben. Der Niederschlag dieses Jahres habe die Dürrejahre längst nicht wett machen können, sagt Heinecke. Und das Wetter täusche vielleicht auch, wir hatten zwar im Februar nasse Tage, aber im März schon eine hohe Sonnenscheindauer – mit viel Verdunstung. „Selbst 100-prozentig gekrautete Gräben kommen an ihre Grenzen.“

Entwässerungsgräben länger trocken

Gräben wie von Heinecke geschildert, hat der UHV Seege-Aland kaum in seiner Verantwortung. „Das betrifft im Grunde nur den Zehrengraben und den krauten wir immer erst im Oktober“, sagt Geschäftsführer Klaus-Peter Meißner. Dann sollte es hoffentlich wieder ausreichend geregnet haben. Die Entwässerungsgräben an den Äckern sind schon länger trocken, „das ist ja nichts Neues“, wobei auch Meißner betont, dass Gewässerunterhaltung immer ein Balanceakt ist. Zu viel Nass könne ja bei der Bewirtschaftung auch zum Problem werden.