Beuster l Rund 1700 Gäste hinterließen kürzlich ihre Visitenkarte im Blaulichtmuseum Beuster. Ein Wortspiel, das man in Corona-Zeiten und angesichts strenger Hygienekonzepte bei öffentlichen Veranstaltungen wörtlich nehmen kann. Die Besucherzahl lässt die Mitglieder des Trägervereins wieder etwas optimistischer in die Zukunft blicken. Schließlich brauchen die Technikfreunde das Geld, um ihre Schätze für spätere Generationen zu erhalten.

Weil wegen der verkürzten Anlaufzeit nur Museumstage und keine Museumswoche organisiert werden und einige gewohnte Höhepunkte nicht über die Bühne gehen konnten, war mehr denn je Eigeninitiative bei den Blaulichtfreunden gefragt. Ein Publikumsmagnet ließ auf der Festwiese am Burggraben aufblicken und aufhorchen. Dort gab Christian von Hagen einem SIL 135 mit dem Gaspedal sozusagen die Sporen.

Permanenter Allradantrieb

Den Vierachser mit permanentem Allradantrieb und einer Mittelstreckenraketen-Attrappe im Huckepack ist bei einer Länge von fast 9.30 Meter kaum zu übersehen und mit der Kraft seiner 360 PS auch nicht zu überhören, wenn er brüllend den gut drei Meter großen Hindernisberg nimmt und auf dem höchsten Punkt auf seinen beiden starren Mittelachsen wie eine Wippe schaukelt.

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Viele Passagiere kann Ralf von Hagen bei einer Fahrt in dem Ungetüm (Baujahr: 1969) nicht mitnehmen. Denn neben dem Steuermann gibt es nur Platz für zwei Besatzungsmitglieder, und die sollten angesichts des Raumangebotes nicht zu groß, dafür um so gelenkiger sein. Der SIL 135 ist ein Militärfahrzeug und kein luxuriöser Fernreisebus. Dafür ist er extrem geländegängig und mit einem Wendekreisdurchmesser von 25 Metern trotz seiner Länge sehr beweglich, was die lenkende Vorder- und Hinterachse ermöglichen.

Der SIL 135, der bei den Museums­tagen in Aktion zu sehen war, ist mittlerweile der zweite des Typs, der mit allen strengen Regeln, die der Gesetzgeber für die Entmilitarisierung derartiger Fahrzeuge vorsieht, bei den Blaulichtfreunden ein neues Zuhause gefunden hat. Das habe aber nichts mit einer Vorliebe für Kriegsgerät, sondern vielmehr mit Technikbegeisterung zu tun, versichert der studierte Betriebswirtschaftler, der berufsbegleitend (öffentliche Verwaltung) derzeit den Studiengang „Master of Disaster Management and Risk Governance“ belegt. Unter Katastrophenvorsorge und Katastrophenmanagement kann sich der Normalbürger wahrscheinlich mehr vorstellen. Und wenn man weiß, dass von Hagen die örtliche Feuerwehr leitet, schließt sich der Kreis.

Und was ist zum Beispiel das Besonder an dem SIL 135? Unter anderem, dass die beiden Motoren nicht gemeinsam ein Getriebe in Bewegung setzen oder ihre Kraft wenigsten achsweise verteilen.

Ein Motor für jede Seite

Die Sieben-Liter-Maschinen sind völlig untypisch jeweils für die vier Räder einer Fahrzeugseite zuständig. Die große Kunst ist, die Drehzahl der Motoren und die Funktion zweier Getriebe so zu synchronisieren, dass die Zugmaschine tut, was sie soll. Das sind Herausforderungen, die von Hagen reizen. Und natürlich auch mal eine Runde mit den PS-Giganten zu drehen. Allerdings nicht zu häufig, weil der SIL 135 pro Kilometer selbst unter optimalen Bedingungen mindestens einen Liter Super „frisst“. Was wohl auch der Grund ist, warum es das schwere Gerät trotz Leistung und Robustheit nicht wirklich in den zivilen Einsatz geschafft hat. Zu besichtigen sind die beiden Raketenträger ebenso wie die anderen Technik des Blaulichtmuseums das ganze Jahr über. In Aktion dürften sie eher in der Museums­woche zu sehen sein.

 

Mehr im Internet unter der Adresse: www. blaulichtmuseum-beuster.de.