Großeinsatz für Feuerwehr Seehausen

Brandanschlag auf das Basislager der Losser Waldbesetzer - Feuerwehr rettet Bahnhof von Seehausen

In der Nacht zu Montag musste die Seehäuser Feuerwehr ausrücken, um das Abbrennen des Bahnhofes zu verhindern, der den Losser Waldbesetzern schon seit einigen Wochen als Basislager dient. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.

Von Ralf Franke
Mit vier Einsatzfahrzeugen waren die Seehäuser Brandbekämpfer am Bahnhof. Auch die Drehleiter rollte mit an - zum Ausleuchten des Einsatzortes und im Fall der Fälle zur Personenrettung.
Mit vier Einsatzfahrzeugen waren die Seehäuser Brandbekämpfer am Bahnhof. Auch die Drehleiter rollte mit an - zum Ausleuchten des Einsatzortes und im Fall der Fälle zur Personenrettung. Foto: Feuerwehr

Seehausen - Die Geschichte der Besetzung eines Waldstückes bei Losse, um den Bau der Autobahnverlängerung durch den Seehäuser Stadtforst zu verhindern, hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Nicht im eigentlichen Camp, über dessen Räumung Ordnungsbehörden, Politiker, Anwohner, Gegner und Befürworter der A 14 mittlerweile seit über drei Wochen orakeln, sondern im beziehungsweis am Seehäuser Bahnhof, wo die Umweltaktivisten quasi ihr Basislager aufgeschlagen haben und freitags zu einer Mahnwache auf dem Vorplatz einladen.

In der Nacht zu Montag gab es offenbar einen Brandanschlag auf das alte Gebäude, das die Deutsche Bahn AG 2016 erfolgreich versteigern, dessen Leerstand und Verfall damit aber nicht aufhalten konnte. Kurz vor 3.30 Uhr war für die Einsatzkräfte der hansestädtischen Feuerwehr die Nacht zu Ende, weil sie auf der Bahnsteigseite der Immobilie ein brennendes Sofa löschen, aber vor allem auch Kollateralschäden verhindern mussten.

Das im wahrsten Sinn des Wortes Brenzligste an der Sache: Die Flammen sprangen vom Sitzmöbel schnell auf eines der großen Holzfenster über, brachten dessen Scheibe zum Bersten und waren auf dem besten Weg, sich nicht nur auf das Vordach, sondern auch ins Innere des Bahnhofs vorzuarbeiten, beschrieb Stadtwehrleiter Enrico Schmidt die Situation, die sich ihm und seinen 16 Mitstreitern bot. Hätte ein aufmerksamer Anwohner das Feuer nicht rechtzeitig entdeckt und wären die Einsatzkräfte nur ein paar Minuten später vor Ort gewesen, wären die Flammen wohl auf die Zwischendecke und danach auf den Dachstuhl übergesprungen.

Weil das Haus verqualmt war und die Blauröcke nicht wussten, ob sich Personen darin aufhielten, machten sich zwei Trupps unter schwerem Atemschutz auf die Suche nach Insassen, stießen aber sozusagen nur auf ein leeres Nest. Dass eine Menschenrettung kein übertriebenes Horrorszenario war, bestätigte das Bild, das sich den Feuerwehrleuten sowie der Polizei bot und das darauf schließen lässt, dass der Bahnhof nicht nur „umwelt- und jugendpolitisches Zentrum“ der Umweltaktivisten, sondern zumindest auch temporärer Wohnort ist.

Weil der Eigentümer des Bahnhofes, der das Treiben bislang duldet, nicht aufzutreiben war, sorgten die Stadtarbeiter für eine provisorische Verschlusssicherheit des Gebäudes, zu dem sich die Feuerwehrleute in der Brandnacht gewaltsam Zutritt verschaffen mussten, um nach Personen und Glutnestern zu suchen und für Frischluft zu sorgen. Bis dahin übernahm die Polizei den Wachschutz vor Ort, während die Brandursachenermittler des Reviers Stendal ihre Arbeit aufnahmen.

An Brandstiftung, bestätigte auch die Pressestelle der Ordnungsbehörde auf Nachfrage der Osterburger Volksstimme, gibt es kaum Zweifel. Anzeige ist bereits erstattet. Wie das Vergehen für weitere juristische Schritte bewertet wird, hängt von den Ermittlungen ab, in denen der Schaden und die mögliche Gefährdung von Personen festzustellen ist.

Von dem Sofa war Montagfrüh nur noch ein Aschehaufen übrig. Die Flammen drohten über ein Fenster das Gebäude zu erfassen, um dessen Verschlusssicherheit sich die Stadt bemühte.
Von dem Sofa war Montagfrüh nur noch ein Aschehaufen übrig. Die Flammen drohten über ein Fenster das Gebäude zu erfassen, um dessen Verschlusssicherheit sich die Stadt bemühte.
Foto: Ralf Franke