Bretsch l In Bretsch gibt es eine rührige Truppe Heimatfreunde, die sogar ein gut sortiertes Museum betreiben, in dem bewahrt wird, wie die Altvorderen auf der „Altmärkischen Höhe“ in den beiden vergangenen Jahrhunderten lebten und arbeiteten. Die Kopfsteinpflasterstraße, die mit Gustav Oeder in den 1920er Jahren der letzte private Besitzer des Rittergutes Priemern vor der Enteignung nach dem Zweiten Weltkrieg bauen ließ, gehört indes nicht dazu. Kein Wunder: Der Verein könnte nicht stemmen, was ganz offensichtlich sogar das Land überfordert.

Das schmale Stück der Landesstraße L 12 ist in einem erbärmlichen Zustand und verlangt seinen Nutzern inzwischen vor allem Geduld ab. Denn der Begegnungsverkehr, der auf den sogenannten Sommerweg ausweichen muss, kommt kaum mehr umhin anzuhalten. Wer den mit Mineralstoff befestigten Streifen im wahrsten Sinn des Wortes doch noch als Fahrbahn nutzt, läuft in Gefahr, eine Radaufhängung beziehungsweise gleich eine ganze Achse zu verlieren, sich die Ölwanne aufzureißen oder riskiert ein Schleudertrauma.

Es trifft Große und Kleine

Pkw sind genauso betroffen wie Busse, Lkw oder Landmaschinen. Das vom Niederschlag ausgewaschene und von bremsenden Kraftfahrzeugen geschaffene Netz an Löchern neben der Fahrbahn ist engmaschig. Die Mulden sind kurz und tief. Sie strafen den unachtsamen Autofahrer vor allem bei Dunkelheit oder im Gegenlicht mit harten Schlägen und mit voller Wucht ab, bestätigen Anlieger wie Ulrich Liepe oder Rosemarie Müller, die nach der individuellen Anfahrt mit der Geräuschkulisse quasi gleich doppelt von der miserablen Piste betroffen sind, die den „Rest“ durch die monatelangen Schwertransporte für den Bau des Windparks Gagel im vergangenen Jahr bekommen hat.

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Das Dilemma betrifft nicht nur die 500 Meter neben der alten Kopfsteinpflasterstraße, die durch Dellen, Auswaschungen und zerbröselnde Borde für sich alleine schon ein Thema ist, sondern den kompletten Sommerweg auf rund drei Kilometern Länge von der Kreuzung Drüsedau/Losse/Dequede am Hünengrab vorbei bis zum Ortseingang von Bretsch an der Abfahrt nach Priemern.

Der Zustand dauert den Anliegern und dem Durchgangsverkehr schon viel zu lange. Weil die Kommune nicht zuständig ist und das Land als Baulastträger bislang kaum befriedigend reagierte, gehen die Bretscher jetzt im doppelten Sinn des Wortes auf die Straße – Pendler wie Steffen Jüstel, aber auch Landwirte wie Jost Richter oder Manfred Jüstel, für die notgedrungen kein Weg an der Straße vorbeiführt.

Brief der Bürgermeister

Das Flickwerk der vergangenen Jahre zusammengerechnet, hätte es längst für eine neue Straße gereicht, sind die verärgerten Anwohner überzeugt, die zudem kritisieren, dass auch die Unterhaltungsarbeiten oft nur halbherzig ausgeführt würden, so dass zum Beispiel das Wasser nicht von der Straße fließen könne. Sei es, weil der Abraum nach dem Abfräsen der Bankette nicht abgefahren wird oder weil das Niveau des Sommerweges mitunter höher ist als das der eigentlichen Straße.

Außerdem monieren die Bürger, dass die B 189 bei den kleinsten Mängeln tiefgründig saniert wird und für das Land kein Geld da ist.

Rückendeckung bekommen die Bretscher und ihre Leidensgenossen von Höhe-Bürgermeister Bernd Prange und Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth, die den „katastrophalen Zustand“ der Straße in einem Brief bemängeln und zudem betonen, dass ein Verfüllen der Löcher je nach Witterungslage nur für kurze Abhilfe sorge und in diesem Winter ganz ausgeblieben sei. „Statt mit großem Personalaufwand mehr oder weniger regelmäßig auszubessern“, fordern sie zumindest eine „solide Befestigung des Randstreifens“ und verweisen in dem Zusammenhang ausdrücklich auch auf die Gefahren, die von der löchrigen Piste ausgehen.

Neubau nicht in Sicht

Dem Leiter der nördlichen Abteilung der Landesstraßenbaubehörde, Manfred Krüger, ist das Problem bekannt. Hoffnungen auf grundlegende Änderungen kann er aber nicht schüren. Ein Neubau komme derzeit nicht in Frage, weil die Prioritätenliste andere Straßen mit wesentlich höherer Verkehrsdichte anführen. Eine Befestigung des Randstreifens sei ebenfalls problematisch, weil man bei einer Versiegelung des Bodens wieder für Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen sorgen müsse. Außerdem würde man bei einer Verbreiterung der befestigten Fahrbahn in Konflikt mit einigen Straßenbäumen kommen.

Dass etwas unternommen werden muss, ist allerdings auch klar. Was, will Krüger noch in dieser Woche wissen lassen, wenn er sich mit den Straßenmeistern beraten hat.