Wanzer l Nur eine kleine Runde mit Vertretern aus Kommunalpolitik, Bauverwaltung der Verbandsgemeinde Seehausen, Planern, ausführenden Firmen und des auftraggebenden Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) war bei der Bauabnahme des neuen Deiches bei Wanzer dabei, die ohne Überraschungen endete. So ganz sang- und klanglos soll das Ereignis aber doch nicht vorbeigehen. Für Ende November ist eine feierliche Einweihung vorgesehen, so der Osterburger LHW-Flussbereichsleiter Hans-Jörg Steingraf auf Anfrage der Volksstimme.

Immerhin fast vier Millionen Euro wurden an dieser Stelle verbaut, um Wanzer und das Umland vor künftigen Fluten zu schützen. Weil sich der Aland von dort aus nur noch ein paar Kilometer (Luftlinie sind es etwa fünf) durch die Garbe-Niederung schlängelt, um bei Schnackenburg in die Elbe zu münden, handelt es sich im Ernstfall um ein besonders sensibles Gebiet.

Das neue Stück Aland-Deich ist rund 1,4 Kilometer lang und wurde komplett neu gebaut, wofür nach dem Abtrag des Untergrundes über 150 000 Kubikmeter Sand, Ton und Erde in Form gebracht werden mussten. Die Investition war wichtig, weil Aufbau sowie Querschnitt des alten Deichs nicht mehr der gültigen Norm entsprachen. Außerdem rückte der Hochwasserschutzwall ins freie Land, um ihn besser zu unterhalten und im Fall einer Flut die Deichverteidigung zu erleichtern. Der historische Deich führt stellenweise durch das Dorf, ist zum Teil bebaut und trägt auf der Krone parallel zur L-2-Ortsdurchfahrt sogar die Dorfstraße. Das musste entzerrt werden. Höher ist der neue Deich übrigens nicht geworden. Dafür galt es zahlreiche Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen zu realisieren, weil der Neubau im Naturschutzgebiet steht.

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Auch wenn sich die Wanzeraner mit dem neuen Schutzwall vor Fluten besser geschützt sehen, sind sie noch nicht wunschlos glücklich. Denn vor allem die Anlieger des alten Deiches, der nun keiner mehr ist, warten auf den zugesagten Neubau der Dorfstraße, weil das Pflaster an vielen Bereichen schadhafte Stellen aufweist. Die sind vor allem dem Kampf gegen das Hochwasser von 2013 geschuldet, weshalb das Land den Neubau der rund einen Kilometer langen Piste zu 100 Prozent fördert. Dafür stehen rund 750 000 Euro zur Verfügung (wir berichteten).

Eigentlich sollte der erste von insgesamt drei Abschnitten mit 100 Metern Länge und drei Metern Breite am südöstlichen Ende des Dorfes schon im Bau sein. Weil die Personaldecke im Bauamt der Verbandsgemeinde Seehausen aber dünn ist und die Baubetriebe gut zu tun haben, wird das Vorhaben jetzt komplett auf das kommende Jahr verschoben. Die entsprechenden Ausschreibungen mit neuem Betonpflaster auf einer Länge von etwa einem Kilometer gehen in den kommenden Tagen raus, hieß es auf Nachfrage aus dem Seehäuser Rathaus. Dazu kommt, dass das Projekt jetzt ohne den Wasserverband Stendal-Osterburg (WVSO) geplant werden muss, der die betreffenden Höfe am Ortseingang ans Trinkwassernetz anschließen will. Der Anschluss werde auch kommen, bestätigte der WVSO. Nur eben nicht in Zusammenarbeit mit der Kommune.

Die Bauverzögerung bei der Dorfstraße, ließ das Bauamt wissen, sei so nicht gewollt gewesen, aber auch nicht allzu dramatisch, weil die Anlieger ja über eine feste Zuwegung verfügen. Und da der alte Deich abgetragen wurde, wo er neben der Straße verlief, sei auch das Niederschlagswasser keine Gefahr mehr für die betreffenden Häuser.