Gladigau l Für Bernd Zimmermann eröffnet sich damit eine völlig neue Erfahrungswelt. Der frühere Käsemeister aus Bismark hatte schon länger die Berichterstattung über das kleine Theater, das regelmäßig Stücke in plattdeutscher Mundart aufführt, mit Interesse verfolgt. Das geschah nicht ohne Grund, denn er spricht auch plattdeutsch. Und dadurch kam es dazu, das er nun sogar selbst mitspielt.

Als Zimmermann nämlich vor etlichen Monaten an einer Supermarktkasse plattdeutsch redete, weckte er sofort die Aufmerksamkeit von Simone Wiesner. Sie, die seit Jahren zu den Dorftheater-Akteuren gehört, stand in der Schlange hinter ihm. Sofort erkannte sie die Chance und sprach den Mann an, fragte, ob er nicht Lust habe, bei den Theater-Leuten mitzumachen.

Nach kurzer Bedenkzeit entschloss sich Bernd Zimmermann dieses Angebot anzunehmen. Er nahm Kontakt zu den Gladigauern auf und fing schnell Feuer. Schon bald wurde er Vereinsmitglied.

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Als dann für das diesjährige Stück passende Darsteller gesucht wurden, erklärte er sich gleich bereit, mitzuwirken.

Eine gute Auswahl, die Regisseur Norbert Lazay da getroffen hat, denn die Rolle als Richter Josef Grosch, die Bernd Zimmermann nun spielt, scheint ihm „auf den Leib geschneidert“ zu sein. Der stattliche Mann hat Bühnenpräsenz und verfügt außerdem über eine kräftige Stimme. Beides zusammen unterstreicht die Bedeutung der Figur, die er verkörpern soll – was der Bismarker schon bei den ersten Proben unter Beweis stellte. Bernd Zimmermann hat nämlich augenscheinlich Freude daran, in eine „andere Haut zu schlüpfen“.

Bisher habe er seine Entscheidung, den Weg auf die Bretter, die die Welt bedeuten, zu wagen, noch nicht bereut, erklärt er und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Auch wenn es eine Rolle mit viel Text ist, den ich erst mal drauf haben muss, überwiegt doch der Spaß. Und ich lerne ständig etwas dazu, wenn wir uns zu den Proben-Abenden treffen. Die Leute vom Dorftheater sind eine tolle Truppe, sie haben mich mit offenen Armen aufgenommen und ich fühle mich wohl in ihrer Mitte. Dafür bin ich sogar bereit, jeden Tag brav Text zu lernen.“

André, der zweite Neue auf der Theaterbühne, gehört schon seit 2007 zur Dorf-Theater-Crew. In den vergangenen Jahren hat der 42-Jährige, der beruflich als Lager-Mitarbeiter in Brunau tätig ist, beim Bühnen-Aufbau und in der Technik gearbeitet.

Dass er jetzt einmal selbst ins Rampenlicht tritt, war im besten Sinne des Wortes eine „Schnapsidee“, denn während des Dorffestes zum 777-jährigen Bestehen Gladigaus überredete ihn Josi, die Tochter von Regisseur Norbert Lazay, dazu, vom Platz hinter der Bühne auf einen Platz auf der Bühne zu wechseln.

Dazu erklärte sich André aus einer Laune heraus bereit. „Zu dem Zeitpunkt hatte ich keine Ahnung, wie anstrengend das Text-Lernen sein kann. Ich verstehe zwar plattdeutsch, spreche es aber nicht. Das ist ein enormer Unterschied, das habe ich jetzt begriffen. Manchmal möchte ich das Rollenbuch einfach in die Ecke werfen. Doch meistens überwiegt der Spaß an der Sache. Und die anderen Darsteller, vor allem die, die schon länger dabei sind, wie Torsten oder meine Schwägerin Simone geben mir gute Tipps.“

Im Stück „Raphael vör Gericht“, das - wie der Titel schon vermuten lässt – in einem Gerichtssaal spielt, in dem sich die Witwe Nora Sturm (Christine Neumann) dafür verantworten muss, dass ihr Papagei „unzüchtige Lieder“ singt, verkörpert André den Staatsanwalt Wenzel Silberberg.

Über diese Figur sagt er: „Das ist eine anspruchsvolle Rolle mit viel Text, den ich erst mal sicher im Kopf haben muss. Das hinzukriegen ist wirklich zeitintensiv. Aber ich sehe darin auch eine Herausforderung. Schließlich will ich ja die Erwartungen der anderen nicht enttäuschen.“

Zu den „anderen“ gehören nicht nur seine Mitstreiter vom Dorftheater, sondern auch Freunde und Familie, vor allem Ehefrau Britta. Als sie erfuhrt, dass ihr Mann beim aktuellen Stück auf der Bühne stehen wird, meinte sie nur: „Hast du dir das auch gut überlegt?“ Und dieser Satz ist wohl die beste Motivation.