Osterburg l „Es brennt, es brennt, die Feuerwehr kommt angerennt“, diesen Spruch riefen die Kinder schon zu Urgroßväter Zeiten, wenn sie den roten Autos, die mit Martinshorn- und Klingelsignal zum Einsatzort fuhren, fast ehrfurchtsvoll hinterher starrten. Heutzutage sind in den Dörfern und Städten viele Kinder selbst schon kleine und junge Kameraden, sind Mitglieder einer Kinder- beziehungsweise Jugendfeuerwehr. Hier lernen sie unter Anleitung von Kinder- und Jugendwarten schon frühzeitig, was zu den Kenntnissen, dem „Handwerkszeug“ und dem Wissen, wie man Brände verhütet, gehört.

Sie treffen sich dazu regelmäßig zu Übungsstunden und nehmen an auf sie zugeschnittenen Wettkämpfen teil. Dabei bleibt ihre schmucke einheitliche „Dienstkleidung“ natürlich nicht sauber und muss in die Wäsche. In Osterburg sorgen Frauen des Fördervereins der hiesigen freiwilligen Feuerwehr für die Reinigung, und ganz speziell macht das Annedore Fabisch. Für ihr Engagement im Förderverein und in der Wehr dankt die Volksstimme heute der 73-Jährigen mit dem Blumenstrauß des Monats August.

Annedore Fabisch und ihr Mann Richard – er ist unlängst gestorben – gehörten gewissermaßen zu den Gründungsmitgliedern des Vereins. Als dieser von Sohn Ingo 2005 aus der Taufe gehoben wurde, hatte er seine Eltern gefragt, ob sie nicht mitmachen würden. „Wir haben gleich zugestimmt und seitdem in der Küche mitgearbeitet. Ingo ist immerhin nicht nur Vereinsvorsitzender, sondern auch in der Küche der Chef“, erzählt Annedore. „Er ordnet zum Beispiel an, was gekocht werden soll, und alle, die in diesem Bereich beschäftigt sind, packen mit zu. Beim Kochen hat jeder so seine Rezepte und macht Vorschläge. Letztendlich entscheidet Ingo: Jetzt schmeckt es und kann so bleiben. Das Sprichwort ,Viele Köche verderben den Brei‘ stimmt bei uns nicht.“

Die Erfahrung zeigt: Kinder essen gern Nudeln mit Tomatensoße. Den Erwachsenen mundet eher ein Schnitzel, ein herzhafter Eintopf oder ein deftiges Gulasch. Bei vielen Veranstaltungen jeglicher Art von Vereinen, Kindereinrichtungen, auch bei der Lebenshilfe, von der Stadt, an den Osterburger Literaturtagen und so weiter hatte der Förderverein die Versorgung übernommen. „Wir sind immer zur Stelle gewesen, wenn Ingo sagte, er brauche unsere Hilfe“, berichtet die Vereinsfrau.

Das hätte sich dann auch mit dem Waschen der Bekleidung so ergeben, zum Beispiel die T-Shirts der Kinder und Jugendlichen. „Die müssen pfleglich behandelt werden. Ich wasche sie immer von links, damit die Aufkleber und die Schrift geschont werden. Ich sammle die schmutzigen Sachen ein und gebe sie sauber und gebügelt wieder aus, so dass die Eltern sich damit nicht abgeben müssen“, erzählt sie weiter. „Ich kümmere mich auch um die weiße Tischwäsche in unserem Versammlungsraum, die ich dann ebenfalls unters Bügeleisen nehme.“

Wenn die Kameraden zu größeren Einsätzen gerufen werden, wie unlängst in Düsedau und Calberwisch oder wenn in der gegenwärtigen Hitzeperiode mehrere Einsätze aufeinanderfolgen, dann bringt der Versorgungszug Essen wie Bockwurst mit Brot und Getränke an die Ereignisorte, „denn die Kameraden kommen oft direkt von der Arbeit zum Einsatz und haben zuvor nicht mal etwas essen können; sie freuen sich, wenn jemand kommt und ihnen etwas bringt“. Und auch wenn jemand helfen will. „Als vor ein paar Wochen bei uns direkt vor der Haustür das Getreidefeld gebrannt hatte, barmte wohl mancher um Haus und Hof; viele griffen zu Schaufel und Spaten und halfen beim Löschen.“

Annedore Fabisch hat bis zur Wende als Krippenerzieherin gearbeitet, dann in einer Fleischerei, bis sie mit 63 in den Vorruhestand ging. Mit 65 Jahren wurde sie regulär Rentnerin. „Ich merkte bald, dass ich noch etwas tun wollte und arbeitete in einer Firma nur Nachtschicht, vier Jahre lang.“ Neben Ingo ist da noch Sohn Holger. Der lebt mit Familie in Bad Oldesloe. Von beiden hat sie fünf Enkelkinder. Für den Kleingarten in der Anlage „Sommerfreude“ an der Zedauer Chaussee ist sie, seit Richard nicht mehr ist, allein zuständig. „Und so lange ich noch dazu in der Lage bin, werde ich ihn auch behalten“, sagt sie. „Er war unser kleines Paradies.“

Wer hätte einen Blumenstrauß verdient? Vorschläge an: redaktion.osterburg@volksstimme.de