Werben l Der Werbener Stadtgraben muss neu ertüchtigt werden. Das betrifft einen rund 200 Meter langen Bereich der Langen Straße und der Fischerstraße in Nachbarschaft des Elbtores. Aktuell läuft das Regenwasser in den dortigen Graben. Das Problem: Dafür gibt es kein Wasserrrecht. Die Untere Wasserbehörde bemängelt dies - und die Kommune muss tätig werden. Die Hansestadt Werben hat sich bereits mit einem entsprechenden Planungsbüro in Verbindung gesetzt, das zwei mögliche Varianten herausarbeitete.

Ob eine komplette Verrohrung des Grabens oder das offene Grabensystem bevorzugt wird, entscheidet der Stadtrat der Hansestadt. Die Kommunalpolitiker möchten das Meinungsbild der Anlieger bei ihrem Beschluss mit heranziehen, die sich schriftlich äußern. Bei der Arneburg-Goldbecker Verbandsgemeinde ist schon ein Großteil der Antworten eingegangen. „Mehr als die Hälfte“ der etwa 40 Anlieger in diesem Bereich bezogen Stellung und legten sich auf einen Favoriten fest. Die Mehrheit bevorzugt den offenen Graben, sagt Simone Kuhlmann, Leiterin des Fachgebietes Bürgerdienste und Gemeindeentwicklung.

Das Wasserrecht ist notwendig. „Das Regenwasser muss nach bestimmten Grundsätzen eingeleitet werden“, sagt Katja Schulz, Ingenieurin beim von der Kommune beauftragten Planungsbüro aus Stendal. Das Büro hält beide Varianten für diesen Bereich für gut umsetzbar. Was bisher fehlte: Der Graben hat keinen „Abfluss“. In diesem Fall könnte der Wehl, zwischen Elbtor und Elbwiesen gelegen, als Lösung dienen. „Es gab schon Gespräche mit der Unteren Wasserbehörde“, so Simone Kuhlmann. In dem Wehl würde später das Regenwasser entsorgt werden. Voraussetzung ist eine Verbindung zum Gewässer. Das sei jedoch technisch realisierbar.

Ein weiteres Problem soll mit dem Projekt ebenfalls gelöst werden. In einem Bereich gebe es ein Gefälle, so dass das Regenwasser „innerhalb des Grabens nicht weiter läuft“. Bei der dann erforderlichen Reprofilierung werde dem Graben eine neue Form gegeben, beispielsweise durch das Abtragen von Boden. Neben diesem offenen System ist auch die komplette Verrohrung eine mögliche Option. Diese Variante würde den Einbau von Schächten nach sich ziehen. An einigen Stellen, so unter einigen Gebäuden, sei bereits ein Kanal vorhanden, der unangetastet bleiben wird. Die Ingenieurin schätzt den Aufwand für beide Varianten als ähnlich hoch ein. „Wir sind völlig unvoreingenommen“, macht Katja Schulz deutlich. Die Hansestadt müsse den Weg vorgeben.

Beim offenen Graben sei die Bewirtschaftung und Pflege etwas aufwendiger. Die Verantwortlichen würden im Falle des Beschlusses pro offenes System auf die Anlieger setzen. Die Verwaltung schätze ein, dass die Pflege durch die Stadt den Ansprüchen der Anlieger nicht gerecht werde - also wären diese mehr gefordert.

Klaus Grube, Anwohner der Langen Straße, weiß, dass „die Bürger den Graben seit 1796 sauber halten“. Er spricht sich deutlich gegen eine Verrohrung aus. „Wenn wir alles pflege-leichter haben wollen, können wir alles zubetonieren“, äußert er mit etwas Sarkasmus. Im Übrigen hält er den Pflege-Aufwand bei einem Kanal für nicht weniger hoch. „Die Rohre müssen auch gereinigt und gespült werden“, betont Grube, der nach eigenen Angaben nur einen Grundstückseigentümer seiner Straße kenne, der sich pro Verrohrung ausspricht.

Die Anlieger der langen Straße und der Fischerstraße werden bei dem Vorhaben nicht zur Kasse gebeten. Ein Teil des Sanierungsfonds für das Altstadtgebiet solle genutzt werden.