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Es ist Orgelsommer: Krevese öffnet Vorhang für Königin der Instrumente

Von Astrid Mathis
Miroslawa Cieslak an der Gansen-Orgel. Friedemann Lessing hatte sie nach Krevese eingeladen.
Miroslawa Cieslak an der Gansen-Orgel. Friedemann Lessing hatte sie nach Krevese eingeladen. Foto: Astrid Mathis

Krevese - 300 Jahre Gansen-Orgel – 40 Jahre Kreveser Orgelsommer: Zur ersten musikalischen Andacht 2021 zog es am Wochenende zahlreiche Altmärker auf den Gutshof.

Pfarrer Matthias Kruppke, Ralf Engelkamp vom Designbüro „Atelier offen“ und der Vorsitzende des Fördervereins Gansen-Orgel Jan Kleemeier begrüßten gut gelaunt die Gäste. Darunter fanden sich auch Superintendent Michael Kleemann, der Organisator des Meßdorfer Musiksommers, Uwe Lenz, und Maren von Bismarck aus Briest. Wie die Gastgeber verrieten, verbindet sie alle eine besondere Geschichte mit diesem Jubiläum.

So gestaltet Kruppke unter anderem seit zehn Jahren das Layout des Orgelsommer-Titelplakats und steuerte das Foto von der Orgel bei, das sich von dem roten Vorhang abhebt. Ralf Engelkamp vom „Atelier offen“ übernahm die Gestaltung und das Layout der Broschüre. Jan Kleemeier war als Vorsitzender des Fördervereins Gansen-Orgel in jeder Weise federführend. Als er vor 25 Jahren den Vorsitz übernahm, folgte er dem Aufruf des damaligen Pfarrers Tobias Krüger, einen Verein zum Erhalt von Kirche und Orgel zu gründen. Erst Kirche, dann Orgel, sagte sich Kleemeier und beantragte eifrig Fördergelder, so dass von 1993 bis 2004 die Außensanierung erfolgen konnte.

Jan Kleemeier gibt Vorsitz ab

Nach diesem Orgelsommer ist aus beruflichen und familiären Schluss mit dem Vorsitz. In seiner Erinnerung schaut er zufrieden auf viele Höhepunkte zurück: die Festwoche anlässlich der 275-Jahr-Feier der Orgel und die Restaurierung des Taufengels 2006 anlässlich der 1050-Jahr Feier der Kirchengemeinde zum Beispiel. 200 Organisten ließen die Barockorgel erklingen. Matthias Eisenberg, heute einer der bedeutendsten Organisten der Zeit, begann in Krevese als junger Mann 1977 seine Karriere. Unvergessen sind Kleemeier auch Mr. Perry aus den USA und viele osteuropäische Organistinnen. Dieses Mal erfreute Kreiskantorin Miroslawa Cieslak aus Querfurt das Publikum mit den Facetten des Orgelklangs von Bach bis Marian Sawa. „Ich habe sofort gespürt, das ist etwas Besonderes. Die Menschen sind mit der Kirche und der Orgelgeschichte verbunden und tragen die Orgel“, beschreibt sie begeistert. Und Kreiskantor Friedemann Lessing, der immer wieder gern Musiktalente nach Krevese einlädt, fügt in der Festschrift hinzu: „Möge eine baldige Instandsetzung und Rekonstruktion sie noch lange als klangvolles Instrument erhalten!“

Zur Geschichte: 1721 beauftragte Christoph Georg von Bismarck Anton Heinrich Gansen aus Salzwedel mit dem Bau jener Barockorgel. Aus Liebe und Trauer, denn sieben Jahre zuvor war seine geliebte Ehefrau Anna Elisabeth verstorben, der er die Orgel widmete. In eben diese Rolle des Landrates von Bismarck schlüpfte Kleemeier am Sonnabend - ebenfalls ein letztes Mal.

26 Mal hat der Verein den Orgelsommer organisiert. Die Tradition gibt es seit den 1970er Jahren. Dank zweier Musikliebhaber. Der inzwischen verstorbene Pfarrer Dietrich Wolff rief mit Organist Dietrich Kollmannsperger aus Tangermünde jene außergewöhnliche Konzertreihe ins Leben, die seine Frau Ingrid in den 1980ern erfolgreich weiterführte.

Jan Kleemeier, hier umringt von Kreveser Landfrauen, schlüpfte zum letzten Mal in die Rolle des Christoph Georg von Bismarck.
Jan Kleemeier, hier umringt von Kreveser Landfrauen, schlüpfte zum letzten Mal in die Rolle des Christoph Georg von Bismarck.
Foto: Astrid Mathis