Berge l Es bahnte sich lange an, aber der Schritt ist doch ein Schritt, der aufhorchen lässt. Die Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck bereitet den Antrag beim Innenministerium auf offizielle Abwicklung der Freiwilligen Feuerwehr Berge vor. Seit September 2014 ist die Feuerwehr leiterlos. Bernd Schulze, mittlerweile Bürgermeister der Hansestadt Werben, trat als Protest gegen den damaligen Verbandsgemeindebürgermeister Eike Trumpf (CDU) zurück.

Im Zusammenhang mit der Schulschließung Werben warf er ihm „schlechte und rechtswidrige Amtsführung“ vor. Mit dem Rücktritt von seinem Ehrenamt als Berger Ortswehrleiter wollte er ein Zeichen setzen – die Feuerwehr liegt in Verantwortung der Verbandsgemeinde, letztlich des Verbandsgemeindebürgermeisters. Schulze habe für sich keinen anderen Weg gesehen, die Verbandsgemeinde sieht nun für Berge keinen anderen Weg mehr als die offizielle Schließung. Denn auch bei einer im vergangenen Jahr extra zu diesem Thema einberufenen Einwohnerversammlung sei die Resonanz mau gewesen.Dabei sind von den mit Stand 1. September 2018 insgesamt 127 in Berge gemeldeten Bürgern immerhin 48 angeschrieben worden. Im Alter zwischen 18 und 55 Jahren kamen sie für den aktiven Dienst in Frage, wenn freilich sicher nicht alle immer in Berge zugegen sind.

Hürden für Schließung einer Wehr hoch

Aber sei‘s drum. Das Interesse reicht nicht, auch nicht für die Gründung eines unselbstständigen Feuerwehrstandortes, angegliedert etwa an die Feuerwehr Behrendorf. Diese Lösung sieht das Innenministerium nämlich auch vor.

Wie Sprecher Stefan Brodtrück mitteilt, haben Gemeinden aus Sachsen-Anhalt seit 2012 etwa  80 „Anträge auf Zustimmung“ gestellt, 68 davon wurde stattgegeben, wobei es sich in den meisten Fällen um Fusionen von Ortsfeuerwehren handelte, „was dann bereits im Namen der neuen Ortsfeuerwehr zum Ausdruck kommt“.

Da der Brandschutz gewährleistet sein muss, ist das Prozedere bei allen Veränderungen hoch angebunden. „Einen Antrag auf Auflösung/Zusammenlegung von Ortsfeuerwehren oder auf Bildung eines unselbständigen Standortes muss die Gemeinde umfassend begründen.“ Eine Zustimmung könne nur erfolgen, „wenn die Gemeinde in ihrer Risikoanalyse und Brandschutzbedarfsplanung nachweist, dass sie Brandschutz und Hilfeleistung insbesondere die Eintreffzeit unter gewöhnlichen Bedingungen innerhalb von zwölf Minuten nach Alarmierung am Einsatzort auch künftig sicherstellt“. Wie VG-Bürgermeister René Schernikau informiert, bereitet VG-Wehrleiter Michael Nix gerade eine entsprechende Übung zum Nachweis vor. Und trotzdem: Es sind bei Bewilligung unter anderem die Behrendorfer, die in ihrer Freizeit die Häuser und das Leben der Berger Bürger löschen. Ziel sei laut Schernikau eigentlich, „dass der Erstangriff von den eigenen Leuten vor Ort wahrgenommen wird“. Diesbezüglich gibt es indes Hoffnung für Häsewig und Groß Ellingen. Dort signalisierten Bürger während Versammlung, dass sie sich vielleicht an eine andere Wehr anschließen wollen.

Wehr fehlt auch abseits des Brandschutzes

Auch Möllendorf werde sich tendenziell Goldbeck angliedern. Diese Variante sieht Schernikau positiv: Erstens sind die gesetzlichen Vorschriften für unselbstständige Standorte nicht so hoch, andererseits fänden Übungen und Dienstabende gemeinsam und so in höherer Qualität statt, „das macht auch mehr Spaß“.

Währenddessen bedauert Bernd Schulze das Aus für Berges Ortswehr auch wegen ihrer nun fehlenden gesellschaftlichen Funktion im Dorf. Schulze war fast 25 Jahre Ortswehrleiter. Niemand wollte das Ehrenamt nach ihm ausüben. Anlässlich des 125. Wehrgeburtstags fand im August 2016 nochmal ein Verbandsgemeindeausscheid auf Berger Rasen statt. Es war sicher der letzte runde Geburtstag der Wehr.