Arneburg l Der Arneburger Stadtrat hat den Metallbildhauer Eckhard Herrmann beauftragt, eine Heinrich-Figur als Bereicherung für den Arneburger Burgberg anzufertigen. Die Kommune lässt sich die Figur, die in der Elbestadt eine kontrovers geführte Diskussion auslöste, rund 30 000 Euro kosten. Für den Künstler aus Eberswalde, der seine Entwürfe während zwei einberufener Einwohnerversammlungen präsentierte, bedeutet diese Heinrich-Skulptur „die letzte größere Arbeit in meinem Berufsleben“.

Künstler hat andere Aufträge abgelehnt

Eckhard Herrmann freut sich auf die Anfertigung der Figur. Er habe sich lange mit Heinrich auseinandergesetzt, besuchte Ausstellungen, unter anderem in Quedlinburg. Seine künstlerische Freiheit könne er besonders bei den Gesichtszügen ausleben – schließlich existieren bis auf eine ikonografische Zeichnung, die rund 200 Jahre nach seinem Tod entstanden sei, keine Bilder von dem früheren Herzog von Sachsen und König des Ostfrankenreiches, der im 10. Jahrhundert lebte. Mit kleineren Arbeiten habe er bereits begonnen. Wann er mit der über zwei Meter großen Skulptur fertig wird, weiß er nicht. „Ich rechne etwa mit einem halben Jahr“, sagt der 71-Jährige.

Der Metallbildhauer, der von 1969 bis 1974 Metallgestaltung an der Burg Giebichenstein (Halle) studierte, habe bereits einen Karton zurechtgeschnitten. „Um die Proportionen einzuordnen“, betont er. Das sei immer die erste Arbeit. Der Karton mit der darauf versehenen Zeichnung ist also genauso groß wie die spätere Figur und sei die Voraussetzung für das spätere Kunstwerk. Anschließend werde Herrmann das Material kaufen, hauptsächlich Kupfer. „Ich bin total fixiert auf diese Aufgabe“, sagt der Eberswalder, der auf eine 47-jährige berufliche Erfahrung blicken kann. Seine künstlerische Handschrift hat er bereits an vielen Orten hinterlassen.

Eine bestimmte Frist für die Abgabe von „Heinrich“ habe der Künstler nicht erhalten. Insofern verspüre er keinen Druck. „Das ist sehr positiv.“ Als 71-Jähriger habe er einen anderen Arbeitsrhythmus als noch vor einigen Jahren, gibt er zu. „Früher habe ich manchmal zehn, zwölf Stunden täglich gearbeitet. Das ist jetzt nicht mehr so.“ Dennoch möchte Herrmann im nächsten Jahr die Figur im endfertigen Zustand präsentieren. Auf die Arbeit möchte er sich zu 100 Prozent konzentrieren, sie werde die kommenden Wochen sein künstlerisches Handeln bestimmen. „Andere Dinge habe ich abgelehnt“, sagt er zu anderen an ihn herangetragenen Aufträgen.

„Ich habe scheinbar vieles geschaffen, was die meisten Menschen gut fanden“, äußert er sich zu seinen künstlerischen Arbeiten, für die er größtenteils Zustimmung erhalten hätte. Fakt ist: Die Arneburger Heinrich-Statue wird ein Unikat. Der Künstler wird mit dem Kopf beginnen. Darauf freue er sich besonders. Die Darstellung eines Gesichts, das vorher nicht bekannt ist, sei herausfordernd. Was er bereits weiß: Sein „Heinrich“ erhält einen Bart. Auch andere Formen und Gegenstände der Figur sind bekannt, schließlich hat er mehrere Entwürfe vorbereitet und den Arneburgern vorgestellt. Der Rat entschied sich für ein stehendes Denkmal, sein Kopf nach Südosten ausgerichtet, in Richtung der Magyaren, die zur damaligen Zeit durch die Ungarneinfälle traurige Berühmtheit erlangten.

Beim Modell hält Heinrich der Vogler, wie er später genannt wurde, einen Plan in den Händen. Den Plan für die spätere Burg, erzählt Eckhard Herrmann. Was nicht fehlen darf: die Krone, das Schwert als Zeichen der Wehrhaftigkeit, eine Art Amtskette um den Hals und – ein Vogel auf der Schulter. Ob dieser allerdings weiterhin zu den Plänen gehört, wisse er noch nicht. „Diese Sache ist noch offen.“ Frühere Könige wären auch große Fans von Falken gewesen, hätten die Falknerei ausgeübt. Eventuell wird er diesen Vogel miteinarbeiten.

Bürgerbefragung vom Rat abgeschmettert

In Arneburg traf das Projekt auch auf Ablehnung. Eine Initiative gab im Mai in der Verwaltung einen Bürgerantrag ab – die rund 50 Unterzeichnenden hätten sich eine Bürgerbefragung zum Thema Heinrich-Statue gewünscht. Der Stadtrat ließ den Antrag zu, berief eine Einwohnerversammlung im August ein, an der auch Eckhard Herrmann anwesend war und seine Entwürfe abermals - zum ersten Mal im Januar - präsentierte. Aber eine Bürgerbefragung war für die Mehrheit des Gremiums nicht notwendig. Mit dem Thema hätte sich der Rat schon viele Jahre befasst. In der ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe „Burgberg“ hätten sich sämtliche Einwohner miteinbringen können, so der Tenor der Projekt-Unterstützer um Arneburgs Bürgermeister Lothar Riedinger (CDU).

Der Kultur- und Heimatverein aus Arneburg regte die Heinrich-Figur an. Der frühere König des Ostfrankenreiches ließ im 10. Jahrhundert mehrere Burgen an der Elbe bauen, darunter wahrscheinlich auch die Arneburg. Die Idee der Mitglieder des Heimatvereins, die für eine mögliche Realisierung stets das große Jubiläum im Jahr 2025 im Blick haben, wenn die Stadt 1100-jähriges Bestehen feiert, griff die Kommune auf. Die Einweihung wird aufgrund des bereits vergebenen Auftrags sicherlich früher vonstatten gehen - vielleicht schon im nächsten Jahr.