Arneburg l Dass Janice (4) mitmacht, war Janice‘ Mutti klar. „Wir sind ja Arneburger“, sagte sie nur. Vor der Programmaufführung mit der Kita habe Janice viel mehr Bammel gehabt als vor der Kürung selbst. Immerhin: Aus 15 allerliebst gekleideten Gänselieseln wählte die vierköpfige Jury Janice als Kita-Gänseliesel aus. Ihr zur Seite gesellte sich Janne (6). Schul-Gänselieselpaar dürfen sich für ein Jahr Niklas (7) und Johanna (6) nennen. Bis auf Johanna, die in Altenzaun wohnt, bestiegen damit „nur“ Arneburger den Gänseliesel- und Gänsehirtenthron. Ein Erlebnis, vielleicht DAS Erlebnis, wie die Kinder sich mit Namen und Wohnort vorstellten. „So süß“ und „Ach Gottchen“ raunten die Erwachsenen. An dieser Stelle ging das Gänselieselfest echt ans Herz.

Feste Größe der bereits 27. Auflage ist die Ausstellung des Rassegeflügelzuchtvereins Arneburg und Umgebung, wobei das noch untertrieben ist. Schließlich hatte der Verein gar die Idee zum Fest im Namen der Gans. Oder besser im Namen des Brauches, dass Kinder früher die Gänse zum Weiden auf die Elbwiesen hinaus- und wieder zurück trieben. Dieses Jahr ist jedenfalls ein besonderes im Kalender der Rassegeflügelzüchter. Nicht nur, dass der Verein seit genau 50 Jahren besteht, er hatte auch seine 50. Ausstellung, hatte dabei noch mehr Ausstellungsfläche als sonst und setzte ein paar nigelnagelneue Schaukäfige ein. Mit von der Partie waren 30 Aussteller mit 226 Tieren. Darunter neun Gänse, 16 Enten, 16 Hühner, 45 Zwerghühner sowie 140 Tauben. Zuchtwart Klaus Berger hatte die Zahlen fast alle im Kopf. Und was er nicht auf Anhieb sagen konnte, wusste der Vorsitzende Kurt Tannhäuser, das Protokoll oder „Hübi“ alias Mario Hübner, der unter anderem den Wanderpokal und den Arneburger Stadtpokal abräumte. 30 Mitglieder hat der Verein, „wir sind gut aufgestellt“, sagte Klaus Berger, der noch das einzige Gründungsmitglied in Reihen des Vereins ist und sich über einen Aufnahmeantrag freut, der am Wochenende einging. Von einem Arneburger, Baujahr 2009. Das passt doch. Am 30. November will der Verein sein Jubiläum in Eichstedt ordentlich feiern.

Das Gänselieselfest bestimmten auch Buden draußen vor der Stadthalle. Von Selbstgebasteltem über Gipsfiguren zum Anmalen bis zu mehreren Ständen mit Taschen, Jacken, Leuchtspielzeug, Portemonnaies, Staubsauger-Zubehör oder gar Scheibenwischern. Bernd Birmuske aus Paray, der schon zig Jahre als Händler zum Gänselieselfest kommt, fand das Marktgeschehen „früher besser“. Aber er kommt trotzdem noch, ein bisschen was gehe ja immer. Und sei es Murmeltiersalbe, ein Parfum – „gerade aus Berlin geholt“ – oder eine Heizkörperbürste.

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DJ Kotte, der am Samstagabend einer überschaubaren Zahl von Gästen eingeheizt hatte, übernahm gestern mit Stadtratsmitglied Carsten Sommer die Moderation der Hauptveranstaltung. Mit dem Festumzug wurde die Stadthalle auf einen Schlag proppenvoll, genauso schnell nach der Gänselieselpaar-Kürung aber wieder überschaubar. Dabei war ja noch die Stadtwette zu verkünden: Der Stadtrat wettete, dass es die Arneburger nicht schaffen, „das Wappen der Stadt mit entsprechenden farbigen Schildern, wie bei den Fantribünen, darzustellen“. Die Größe sollte mindestens 2,50 mal 3 Meter sein. Die Wette ging an den Stadtrat, was erst das zweite Mal in der Stadtwetten-Geschichte der Fall war. Hätten die Arneburger gewonnen, hätte der Stadtrat seine Aufwandsentschädigung von einem Monat (zusammen rund 500 Euro) für den Jugend- und Seniorenclub gespendet.

Zur Kaffeezeit mit Live-Musik des Shantychors Magdeburg füllte sich die Stadthalle wieder. Gänseliesel und Gänsehirten tobten bestimmt lieber draußen in der Sonne.