Seehausen l Mit einem Kernbohrgerät und einem Radargerät rückte ein Duo am Sonnabendvormittag im Seehäuser Waldbad an. Katrin Hupfer und Andy Grey wollten im Auftrag des Bad-Fördervereins herausfinden, in welchem Zustand sich der Beton, der für das Becken der Freizeitstätte verbaut wurde, befindet. Dafür werden Proben benötigt, die in einem Labor ausgewertet werden.

„Heutzutage werden derartige Objekte für rund 50 Jahre gebaut“, sagt Katrin Hupfer, eine gebürtige Seehäuserin. Das Waldbad wird in diesen Tagen allerdings schon 80 Jahre alt. Auch wenn das Becken marode ist und ganz offensichtlich einer Sanierung bedarf, konnte insbesondere der Zustand der Bodenplatte bislang nicht eingeschätzt werden.

„Wir haben zuerst ein Raster angelegt“, erzählt die Inhaberin eines Ingenieurbüros für Bauwerksuntersuchungen im Hamburger Stadtteil Wandsbek. Mit Hilfe des Radargerätes wurden anschließend Stellen sichtbar, die eine stählerne Bewehrung aufweisen. Oder eben nicht. Proben beider Arten gelangten mit dem Kernbohrgerät und der Bohrkrone ans Tageslicht. Die komplette Sohle misst demnach 27 Zentimeter und besteht aus verschiedenen Schichten. 30 Zentimeter wären für heutige Standards normal, sagt die Fachfrau.

Die zweite Probe

Mit Spannung erwartete sie die zweite Probe des Tages. Jene aus dem verstärkten Beton. Stahlstäbe dienen als Bewehrung. Und noch fast rostfrei hinterließen diese bei Katrin Hupfer auf den ersten Blick keinen schlechten Eindruck.

Mehrere Stunden werkelten Katrin Hupfer und Andy Grey am Sonnabend im Bad. Sonnencreme war neben den notwendigen Gerätschaften unverzichtbar. Die Proben nahmen sie nach Feierabend mit nach Hamburg, wo sie sich auch dem Härtetest in einer Druckpresse unterziehen müssen. Mit dem Ergebnis der Laboruntersuchung ist voraussichtlich im Juni zu rechnen.

Mit einer Rechnung müssen Kommune und Badförderer indes nicht rechnen. Die aufwändige Spezialuntersuchung sponsert die Fachfima. Was einem Wert von rund 7500 Euro entspricht, wofür sich Walter Fiedler als Vorsitzender das Badfördervereins und in dessen Namen sowie als stellvertretender Bürgermeister der Hansestadt für die Kommune ausdrücklich bedankte. Fiedler hatte in der jüngsten Stadtratssitzung in der vergangenen Woche noch einmal mit Blick auf den dringenden Sanierungsbedarf ein recht düsteres Bild vom Zustand des Beckens insbesondere dessen Bodens gezeichnet und darauf verwiesen, dass die Anstrengungen in diesem Jahr besonders groß seien, um den geplanten Start in die Jubiläumssaison am Sonnabend, 2. Juni, nicht zu gefährden.

Im Haushalt der Hansestadt spiegelt sich das Dilemma mit einem Defizit wieder, für das die Verantwortlichen im laufenden Jahr 70.000 Euro einplanen. Was doppelt bitter ist, weil im Umfeld des Beckes in den vergangen Jahren mit Hilfe des Vereins, von Sponsoren und dem Einsatz von Fördermitteln viel unternommen wurde, um den Gästen des Waldbades einen erholsamen sowie kurzweiligen Aufenthalt zu ermöglichen und dem Personal gute Arbeitsbedingungen zu bieten.