Kannenberg l Es sieht so aus, als ob sich der Storch in sich selbst einkuschelt. Verlassen sitzt er auf seinem Horst in Kannenberg und vor Ort fragen sich die Leute: Was will der noch hier? Alle anderen Störche haben längst gen Süden abgehoben, der Kannenberger macht keine Anstalten. Und das hat sich auch bis zu Torsten Friedrichs herumgesprochen. Der Weißstorchbetreuer aus dem Landkreis Stendal fuhr in den Ortsteil der Gemeinde Iden, versuchte dem Vogel näher zu kommen. „Aber er kann schneller fliegen, als ich laufen kann“, sagt er. Und das sei doch schon mal ein gutes Zeichen, der Hiergebliebene scheint nicht verletzt zu sein. Andererseits könne man dem Vogel aber nicht helfen, wenn man ihn nicht erwischt. „Ich hätte ihn zum Storchenhof Loburg gebracht“, sagt Friedrichs. Dort hätte man den Vogel untersucht, ihn womöglich noch auswildern können in der Nähe anderer Störche, aber selbst die Bummelletzen sind mittlerweile weg. So müsse der Vogel nun alleine klar kommen. „Das regelt die Natur.“

Und das soll nicht heißen, dass der Storch keine Überlebenschancen hat. Im Landkreis Stendal verbrachte zuletzt vor mehr als 30 Jahren ein Storch den ganzen Winter, er hatte eine Futterquelle im Tierpark ausgemacht und kam so über die Runden. Und darauf komme es an: „Der Storch hat mit der Kälte keine Probleme, es geht ums Futter“, sagt auch Thoralf Schaffer, ehrenamtlicher Weißstorchbetreuer im Altkreis Osterburg. Sind die Gewässer zugefroren, Fische, Frösche und auch Mäuse und Insekten nicht erreichbar, sehe es schlecht aus. „Der Storch frisst im Gegensatz zum Kranich ausschließlich tierisches Eiweiß, er ist hochspezialisiert“, so Schaffer. So würde es dem Zurückgebliebenen in die Karten spielen, wenn der Winter mild wird. Aber Schaffer vermutet, und das sei nur ein Bauchgefühl, dass der Storch doch noch wenigstens ein Stück weiter gen Süden zieht. Zum Beispiel überwintern im Mannheimer Luisenpark regelmäßig etliche Störche.

Warum der Kannenberger Storch nicht weggeflogen ist, bleibt fraglich. „Vielleicht hatte er kurzzeitig ein Problem, es muss ja gar nichts Gesundheitliches sein“, so Schaffer. Irgendwann sei dann eben die Phase des großen Zugtriebes passé.

Der Storch müsse die Saison gar nicht in Kannenberg verbracht haben. Auch ist nicht klar, ob es sich um einen Jung- oder Altvogel handelt. Ganz sicher indes ist, dass er gestern noch hier war. Bleibt er hier, spricht laut Schaffer nichts dagegen, ihn etwas zu füttern. „Die Frage ist, ob das funktionieren würde.“