Seehausen l Obwohl die letzte Jahrhundertflut an der Elbe inzwischen fünf Jahre her ist, ist sie noch immer allgegenwärtig. In den betroffenen Kommunen der Verbandsgemeinde Seehausen werden nach wie vor geförderte Sanierungsmaßnahmen vergeben, weil nicht alle Schäden beseitigt sind, die die Fluten direkt oder indirekt durch ihre Bekämpfung an Hochwasserschutzanlagen selbst, aber auch an Straßen, Brücken und Durchlässen im Einzugsbereich von Elbe und Aland angerichtet haben. Außerdem ist die Verbandsgemeinde dabei, die Wasserwehr aus den Erkenntnissen der jüngsten Schadensereignisse technisch aufzurüsten.

Nachdem die Verantwortlichen aus den Fachämtern um Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth und den Pollitzer Wasserwehrleiter Horst Sandmann zusammen mit den Fördermittelgebern von der Landesverwaltung gründlich geplant haben, sind inzwischen gut 200.000 Euro der ersten von zwei Jahresscheiben investiert. Das Splitten war notwendig geworden, weil Seehausen sonst den 20-prozentigen Eigenanteil des 500.000 Euro-Paketes nicht hätte stemmen können.

Zur neuen Einsatztechnik, die die vorhanden Mittel ergänzt, gehören bislang unter anderem zwei Transporter, die Mensch und Material an Schwerpunkte bringen können und eine leistungsfähige Propellerpumpe. Wichtigstes und teuerstes Stück ist ein Landungsboot, mit dem auch im Flachwasser und bei Flutszenarien direkt am Deich agiert werden kann. Im kommenden Jahr sollen laut Kloth zum Beispiel noch eine weitere Sandsackfüllmaschine, ein Teleskoplader, Transporttechnik, eine Beleuchtungsanlage und viele Kleinteile folgen.

Horst Sandmann nutzte die Sitzung im Rathaussaal, um die Abgeordneten und Bürgermeister noch einmal über die Wasserwehr, mögliche Einsatzszenarien, kritische Stände bei den Pegeln sowie die Aufgaben der Kommunen und ihrer Bürger zu informieren.

110 Kilometer Deich

Mit inzwischen 110 Kilometer Deichen (ohne die Qualmdeiche mitzurechnen) im Einzugsgebiet von Elbe, Aland und Zehrental hat die Verbandsgemeinde Seehausen im Ernstfall mehr Hochwasserschutzanlagen zu betreuen als jede andere Kommune im Land. Neue beziehungsweise ertüchtige Deiche, Überleitungs- und Sperrwerke, die unter der Regie des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) entstanden, sind ein großer Fortschritt, unter dem die Wachsamkeit indes nicht leiden darf. Und so nutzte Sandmann auch die Gelegenheit, um für Mitglieder zu werben, die sich vorzugsweise nicht aus den Reihen der Feuerwehren rekrutieren sollen, um keine Konkurrenz zu den Brandbekämpfern zu sein. Die Schnittmengen sind auch so noch groß genug, was die Blauröcke neben Technischem Hilfswerk, Bundeswehr im Ernstfall ohnehin zu einem der wichtigsten Partner von Wasserwehr, LHW und Kommune macht. Nicht zu vergessen, die vielen Freiwilligen, die insbesondere zum Bereitstellen von Sandsäcken gebraucht werden.

Was den personellen Kraftakt betrifft, rechnete Sandmann vor, dass allein für die Kontrolle der Deiche ab der Hochwasserwarnstufe III (Pegel Wittenberge ab 6,30 Meter) in 24 Stunden rund 250 Beobachter benötigt werden. Dazu kommen 300 bis 400 Leute, die die Sandsäcke füllen, transportieren und an kritischen Stellen am Deich verbauen müssen.

Auch wenn es bislang offenbar noch nicht zum Äußersten gekommen ist, erinnerte der Wasserwehrleiter daran, das Hochwasserschutz Bürgerpflicht ist. Und Horst Sandmann schloss seinen Vortrag mit der Mahnung, dass nach dem Hochwasser immer auch vor dem Hochwasser ist.

Der aktuelle Stand bei der technischen Ausrüstung der Wasserwehr fand allgemein Anklang. Aber Hochwasser erprobte Feuerwehrleute wie Peter Brandt mahnten an, die Technik perspektivisch an einem Standort zu konzentrieren. Womit er bei der Verwaltung offene Türen einrannte. Im Rathaus ist man bereits auf der Suche nach einer bezahlbaren Lösung.