Arneburg l Es sei natürlich alles noch vage, sagt Gerd Lamberts als Vorsitzender des Freundeskreises der Kirchenorgel Arneburg angesichts der Pandemie-Lage. Aber ohne Planung gehe es ja auch nicht. Also: Anlässlich des 200. Geburtstages der Zabel-Orgel in diesem Jahr plant der Freundeskreis eine Festwoche. Statt des jährlichen Orgelschmauses im Dezember soll diese im Juli stattfinden. „Es ist dann einfach leichter, an Organisten heranzukommen“, weiß Lamberts aus Erfahrung. Zwei Organisten, die schon öfter auf der Arneburger Kirchenorgel gespielt haben, sagten dem Freundeskreis jedenfalls bereits zu, dass sie gerne kommen, wenn es sich einrichten lässt: der aus Ungarn stammende Márton Borsányi und Professorin Irene Ruth-Halter aus der Schweiz. „Sie spielt sogar barfuß“, so Lamberts, „dann könne sie die Orgel besser fühlen, sagt sie.“

In die Festwoche sollen auch kirchliche Veranstaltungen mit eingebettet sein. Sobald sich die Corona-Lage etwas entspannt, mache sich der Freundeskreis gemeinsam mit Pfarrerin Janette Obara an die Feinplanung. 25 Mitglieder hat der Freundeskreis aktuell, da der Gründungszweck des Vereins quasi erfüllt ist, die Orgel 2011 nach Restaurierung wieder eingeweiht werden konnte, gibt’s jetzt auch keinen weiteren Zulauf mehr.

Hätte Lamberts gewusst, wie empfindlich dieses Instrument ist, hätte er damals vielleicht gesagt, ach, lassen wir das. „Es ist eine Konzertorgel, ein Grad Unterschied in der Kirche und sie muss neu gestimmt werden.“ Und dann ist da ja auch noch die Sache mit dem Format der alten Dame. „Als ich zum ersten Mal hier war, hab’ ich gedacht, wie soll ich dieses Ding bloß spielen“, sagte der Organist Johannes Richter während des Orgelschmauses 2018 an der Feuerschale gegenüber Lamberts und Vorstandsmitglied Matthias Schlase. „Kleine müssen sich strecken und ein großer Mensch wie ich sich zusammenfalten“, sagte Richter lachend. „Alles, was ich an Theorie über das Orgelspielen gelernt habe, kann ich hier nicht anwenden. Diese Orgel ist definitiv anders als alle anderen Orgeln im Umkreis.“ Das liege daran, dass das Orgelbauen seinerzeit noch nicht „genormt“ war. Der Tangermünder Orgelbaumeister August Zabel erbaute das Instrument von 1818 bis 1821 – überspitzt gesagt – nach seinem Gutdünken. Zumindest, was die Ausmaße, die Bespielbarkeit betrifft.

Aber der Klang – Richter wiederholte es mehrmals – entschädige für alles. Auch Richter honorierte damals noch einmal, was der Freundeskreis Tolles auf die Beine gestellt habe: Trotz negativen ersten Gutachtens oder vielmehr eines Zettels, der in der Orgel lag und ihr kein gutes Zeugnis ausstellte, ist er die Restaurierung der Zabel-Orgel angegangen. Hat sich gegründet, selbst 56 000 Euro an Spenden gesammelt, um so insgesamt 165 000  Euro in die Restaurierung stecken zu können.

Wenn also die Zabel-Orgel in diesem Jahr Geburtstag feiert, ist das auch ein Fest zu Ehren des Freundeskreises selbst.