Seehausen l Der Bibeltext „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht“ macht klar, welche zusätzliche Herausforderung die weltweite Corona-Krise mit ihren Kontaktbeschränkungen für Christen ist, die im Glauben vereint sind. Was insbesondere auch für Seelsorger zutrifft, die das Wort Gottes üblicherweise in der Gesellschaft Gleichgesinnter verkünden.

Wie es in den Kirchen und Glaubensgemeinden der Pfarrbereiche Seehausen, Beuster und Arendsee in den kommenden Wochen und vielleicht Monaten weitergeht, berieten am Mittwoch die Pastoren Almut Riemann, Christian Buro und Martin Goebel. Wobei die vorschriftsmäßige Sitzordnung im Seehäuser Gemeindehaus zur Kontaktvermeidung bildlich für die derzeitige Strategie sprach: Abstand halten und trotzdem zusammen sein.

Dass Gottesdienste per Erlass momentan ebenso nicht stattfinden dürfen wie alle anderen öffentlichen Termine, die viele Menschen zusammenführen und einer Ansteckung mit dem Erreger aussetzen, ist für alle Pfarrer eine neue Erfahrung, mit der es umzugehen gilt. Wobei Verbot eigentlich die falsche Wortwahl ist. Denn der Dienst an Gott, also das Gebet, kann ja nicht untersagt werden, sondern nur das Versammeln in den Kirchen.

Was sonst verbindet, ist ja immer noch da

„Was uns sonst verbindet, ist ja nicht weg. Wir sind trotzdem eine Gemeinschaft“, betont Almut Riemann, die wie ihre Amtsbrüder den Kontakt zu den Kirchengliedern eben vor allem einzeln per Telefon oder auf etwas moderneren Wegen über soziale Medien per Internet pflegt. Beten und Innenhalten könne man auch alleine. Vielleicht dann, wenn die Glocken im Ort zum Feierabend läuten. Oder zur sonntäglichen Andacht. Denn diese finden weiter wie im Gemeindebrief angekündigt statt. Nur dass die Pfarrer bei der Fürbitte dann alleine in dem jeweiligen Gotteshaus, aber im Geist bei ihren Gemeinden sind. So sehr das Glockengeläut sonst auch Einladung zum gemeinsamen Gebet ist, soll das in diesen Tagen aber niemand als Aufforderung verstehen, in die betreffende Kirche zu kommen, betont Christian Buro.

Den Segen via Livestream per Handy-Kamera zu erteilen, davon sind die hiesigen Pfarrer noch weit entfernt, aber sie ermuntern durchaus, an Fernsehgottesdiensten teilzunehmen oder sich im Internet unter dem Stichwort „Gottesdienst von Zuhause“ Anregungen für eine Andacht in den eigenen vier Wänden zu holen.

Dass die Beschränkungen durch das Coronavirus nicht nur eine empathische, sondern auch eine logistische Herausforderung ist, zeigt sich zum Beispiel bei den Bestattungen. Diese finden weiter statt, betonen die Seelsorger, aber eben nur im kleine Kreis. Und die Gäste müssen bereit sein, ihrer Pflicht auf namentliche Dokumentation nachzukommen.

Dass vielen Menschen das Abschiednehmen oder das Bekunden von Beileid genommen wird, gefällt den Pastoren auch nicht. Aber vielleicht rege das dazu an, es beim Griff zu Stift und Karte nicht nur bei einer Zeile zu belassen, sondern mehr Gedanken und (Mit)Gefühle zu Papier zu bringen. Was im Umkehrschluss auch für Glückwünsche zutreffe, so die Seehäuser Seelsorgerin.

Das Osterfest wird eine große Herausforderung

Wie es weiter geht, darüber wollen die Geistlichen jetzt noch nicht orakeln, dafür ändere sich täglich zu viel. Konzerte kann man verschieben. Hochzeiten und Taufen auch, zumal das Feiern derzeit ja nicht wirklich möglich ist. Aber es kommt auch die Zeit der Konfirmationen. Und nicht zu vergessen, Ostern, das wichtigste Fest des Christentums, das für die Kreuzigung Jesu ebenso steht wie für dessen Auferstehung.