Seehausen l Für den Wischeverein eine der größten Aufregungen gleich am Anfang. Wie wird das funktionieren mit der amerikanischen Versteigerung? Gut! Am Freitag während der Auftaktveranstaltung zur „Kultourspur“ in der Salzkirche Seehausen. Der Mann, der anfangs sagte, er fühle sich geehrt, weil die Spur in Seehausen ihren Anfang nimmt, durfte das Acrylbild von Michaela Herbst aus Goldbeck an sich nehmen: Detlef Neumann. Der Bürgermeister von Seehausen hatte zum Mitbieten die Nummer 30 und der Wischeverein in persona von Horst Blum und Kerstin Sasse viel Fantasie, um den Preis in die Höhe zu treiben. Oder möchte irgendjemand, dass das Schaf auf der Wiese länger alleine ist? Kurzum: Es wird sich entweder bei Neumann zu Hause oder in seinem Büro vergesellschaften. „Das wird noch mit meiner Frau verhandelt.“

Neumann hob zehnmal das Bieterkärtchen hoch, bezahlte bei 5-Euro-Schritten also 50 Euro für das Bild. Durch alle weiteren Gebote kamen bei der amerikanischen Versteigerung (viele zahlen, einer bekommt‘s) 320 Euro zusammen. Sie dienen dazu, dass die „Kultourspur“, die der Wischeverein in zweiter Auflage durchführt, auch finanziert werden kann.

Mehr als 30 Veranstaltungen

Der Dank des Vereins richtete sich diesbezüglich auch an die VR Plus Altmark-Wendland eG, an die Kreissparkasse Stendal und die Bürgerstiftung Stendal, von denen teils Vertreter mit anwesend waren. Und die wie die anderen Gäste der Band „Carpenter and bacon“ alias Hajo Zimmermann, Nicole Speck und Fritz Speck lauschten, wobei letzterer als Sohnemann zum kleinen Star des Abends avancierte. Jedenfalls fragte sich Horst Blum laut, ob er dem Schüler den Stimmbruch wirklich wünschen soll.

Bilder

Aber die Auftaktveranstaltung war ja nur eine von mehr als 30. Die Qual der Wahl also, doch wie sagte Katrin Kaluza am Sonnabend so schön in der Werbener Salzkirche: „Kultur ist da, um sich treiben zu lassen. Und zum Abschalten.“ Die Osterburgerin kam zur Vernissage des Fotoclubs Stendal, weil sie einen der Fotografen kennt und weil sie die Band „Ooceeyaan“ aus Berlin unbedingt hören wollte. „Sie spielen heute Abend auch im Kavaliershaus, aber da kann ich leider nicht.“

Route selber legen

Der eine kennt wen, der wen kennt. Andere schnappten sich wirklich das Programm der „Kultourspur“ und bastelten sich eine Tour zusammen. So wie Elisabeth Mai und Erwin Bidrich aus Schorstedt. Im Anglerheim Neukirchen sitzend, waren sie immer noch begeistert von ihrem Besuch bei „Marcus Golz Naturstein“. „Da fährt man jahrelang vorbei und dann mit Programm geht‘s plötzlich“, so Elisabeth Mai, die ihrem Partner auch gerne dabei zusah, wie er sich im Garten von Bohlander-Piehl in Steinfelde im Kreistanz unterrichten ließ. „Am Ende waren bestimmt 15 Leute da.“

Mal war das Publikum am Wochenende größer, mal kleiner. Beides kann gut sein. So schwärmte Rainhard Rex aus Rosenhof vom Besuch eines älteren Ehepaars. „Es hat sich noch nie jemand so sehr für meine Kunst interessiert. Das hab ich in Magdeburg noch nicht erlebt“, so der Maler, Grafiker und Bildhauer.

Kulturspur soll wachsen

Auf dem Hof von Anne Rose Bekker (Kunstscheune Wanzer) wurde darüber fabuliert, ob es gut ist, die „Kultourspur“ durch die Wische auf dasselbe Wochenende wie die Kulturelle Landpartie im Wendland zu legen. Aber hin wie her: „Man muss die Kultourspur erstmal wachsen lassen“, befand Künstler Gerd Bekker.

Das sieht auch der Wischevereins-Vorsitzende Helmut Sasse so. „Ich habe ein gutes Gefühl. Da entsteht etwas ganz, ganz Tolles.“ Viele Teilnehmer hätten diese Win-win-Situation gut verinnerlicht, wenngleich sich natürlich auch jeder selbst noch um Beachtung kümmern müsse. „Wir machen ja Werbung für lau, aber das heißt nicht, dass bei jedem gleich die Bude voll ist.“ An mehreren Orten war sie es. Und manchmal beeindruckte auch ein einziges Gespräch.