Seehausen l Vor knapp zwei Jahren nahm im Stadtrat Seehausen die Idee von einer Schnellladesäule Formen an. Die etwas andere Tankstelle, die im Zentrum Am Markt 11 geplant war, wäre die erste ihrer Art in der Stadt gewesen und hätte zum Beispiel den elektromobilen Durchgangsverkehr von der Bundesstraße in die Alandmetropole locken können.

Das ist Geschichte.

Obwohl der Kommune ein positiver Fördermittelbescheid vorliegt, haben sich die Stadträte um Bürgermeister Detlef Neumann in ihrer letzten Sitzung für dieses Jahr am Donnerstagabend entschlossen, die Zuschüsse (50 Prozent der Nettokosten) rückabzuwickeln und das Projekt vorerst zu den Akten zu legen. Denn Kosten und Nutzen stehen offenbar in keinen Verhältnis zu einander.

Auf rund 40.000 Euro hatten Stadt und Verwaltung die Investition für die Schnellladesäule (ohne den 50-KW-Anschluss) in Zusammenarbeit mit Netzbetreiber Avacon geschätzt und mit diesen Angaben auch beim Bund einen Förderantrag zur „Verbesserung der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge“ gestellt.

Die Ernüchterung kam mit dem Ende der Ausschreibung. Die Säule hätte demnach 64.000 Euro kosten sollen. Wobei Wirtschaftsförderin Lisa Weigelt den gewählten Vertretern erklärte, dass nicht etwa die Hardware viel teurer als angenommen wurde, sondern dass die Installationskosten auf das Vierfache explodierten. In der jetzigen Zuschuss-Konstellation und mit der 20.000 Euro schweren Unterstützung eines Kooperationspartners, mit dem der Bewirtschafter künftige Einnahmen bei der Kommune sozusagen vorab abgelten würde, hätte die Stadt noch immer fast 17.000 Euro aus der eigenen und bekanntlich sehr klammen Kasse zahlen müssen.

Der Imagegewinn – viel mehr wäre die Ladesäule derzeit offenbar nicht – stehe in keinem Verhältnis zu den Aufgaben der Stadt, die mit viel kleineren Summen hadert, wenn es darum geht, ein paar Meter Gehweg instand zu setzen oder Straßenlaternen auf LED-Leuchtmittel umzustellen, machte unter anderem Bauausschussvorsitzender Willi Hahmann deutlich. Und Walter Fiedler merkte sarkastisch an, dass so die Zukunft der Verbrennungsmotoren auf deutschen Straßen noch bis 2050 gesichert sei.

Dass sich die Investition für die Stadt unter günstigeren Bedingungen und selbst mit Zugriff auf die Einnahmen gerechnet hätte, bezweifelte Marcus Golz. Der Unternehmer betreibt seit Februar 2017 eine E-Tanke bei Geestgottberg direkt an der B 189 und berichtete über eine Wettbewerbsverzerrung, die er mit seinem Start in das E-Tankstellen-Geschäft nicht auf dem Schirm gehabt habe. Viele Großmärkte bieten den Ladestrom für ihre Kunden während des Einkaufes kostenlos an. Und E-Mobilisten sollen sehr sparsam sein.