Nach Veto der Stadt

Landkreis Stendal hilft: Hühnerhalter aus Osterburg darf nun doch neuen Stall bauen

Auf dem Gartengrundstück von Uwe Rix aus Osterburg knallen die Sektkorken. Der 64-Jährige darf sein marodes, altes Hühnerhaus durch ein neues, tiergerechteres ersetzen. Die Bauaufsichtsbehörde des Landkreises hebelte das Veto der Stadt Osterburg aus.

Von Karina Hoppe
Uwe Rix mit Enkel Georg bei den Pittchen. Wenn sie groß sind, geht’s den älteren Fleisch- und Legehühnern nebenan an den Kragen.
Uwe Rix mit Enkel Georg bei den Pittchen. Wenn sie groß sind, geht’s den älteren Fleisch- und Legehühnern nebenan an den Kragen. Foto: Karina Hoppe

Osterburg - Georg wusste noch nicht, warum Opa und Oma sich gestern so freuten. Der Junge ist erst zehn Monate alt, gerade zu Besuch aus Berlin und nur damit beschäftigt gewesen, den Hühnern hinterher zu schauen. Sie sind auch der Grund für die Ausgelassenheit von Uwe und Heike Rix. Oder besser ein Brief vom Landkreis Stendal mit froher Botschaft: Uwe Rix darf sein neues Hühnerhaus bauen! Doch bauen, muss man sagen, denn die Stadt Osterburg hatte dem Hühnerhalter dies zuvor verwehrt. Laut Landkreis befindet sich der Standort des beantragten Bauvorhabens im bauplanrechtlichen Außenbereich. Qua Gesetz handele es sich um ein „sonstiges Vorhaben“. Und diese „können danach im Einzelfall zugelassen werden, wenn ihre Ausführung oder Benutzung öffentliche Belange nicht beeinträchtigt und ihre Erschließung gesichert ist“. Das Bauordnungsamt sei zu dem Ergebnis gekommen, „dass keine planungsrechtlichen Bedenken gegen den Ersatzneubau bestehen. Das verweigerte Einvernehmen der Gemeinde war daher zu ersetzen“, teilt Kreissprecherin Angela Vogel mit. Uwe Rix ist froh. Sehr froh. Er hatte sich das 1200 Quadratmeter große Grundstück in Nachbarschaft des Alten- und Pflegeheims erst vor drei Jahren gekauft, wollte dort im Rentenalter auch ein paar Hühner halten. Zum Essen und für die Eier. Rix übernahm die Hühner vom elterlichen Hof, erschloss das Areal mit Wasser und Strom – und wollte die auch vor seiner Zeit als Hühnerstall genutzte alte Garage durch einen neuen, lichtdurchfluteten und doch massiven Hühnerstall ersetzen.

Viele Reaktionen nach Zeitungsartikel

Die Stadt Osterburg lehnte dies ab. Mit Verweis auf den Außenbereich und Befürchtungen, dass die Hühnerhaltung dem gleich im Anschluss geplanten neuen Wohngebiet „Osterburg Nord“ nicht zuträglich sein könnte. Stichwort lautes Krähen. Rix sah das Problem nicht. Man könne doch miteinander reden, wenn es wirklich mal einen Problem-Hahn gibt. Davon ab wolle er weiterhin nur ein Dutzend Hühner halten, was er ja laut Bestandsrecht auch darf, ohne Baugenehmigung nur eben weiter mit einem dunklen und nicht winterfesten „Stall“. Vor diesem Hintergrund habe Rix nach den Volksstimme-Beiträgen über sein Hühnerhaus zig Reaktionen erhalten. „Die Leuten kamen hier her. Einer rief von Weitem, du bekommst die Genehmigung von mir.“ Rix sei sehr dankbar, wie es jetzt gekommen ist. „Aber ich möchte auch der Stadt nichts Böses, ich will hier niemanden anschwärzen. Ich wollte ja nur ein besseres Hühnerhaus.“

Die Stadt Osterburg bestätigte gestern, dass sie vom Landkreis über dessen Entscheidung in Kenntnis gesetzt wurde. Währenddessen weiß Uwe Rix gar nicht, was er zuerst machen soll. Hühnerhaus bauen, Spielplatz herrichten, Platten verlegen vorm Gartenhaus. „Wir haben viel vor. Wir machen’s uns schön.“ Und den Hühnern.

Diese alte Garage dient aktuell als Hühnerstall. Uwe Rix darf sie nun wegreißen und  ein modernes, tiergerechteres Hühnerhaus bauen.
Diese alte Garage dient aktuell als Hühnerstall. Uwe Rix darf sie nun wegreißen und ein modernes, tiergerechteres Hühnerhaus bauen.
Foto: Karina Hoppe