Düsedau l Bärbel Kiesewetter häkelte gleich los. Sie kennt Thomsens durch das Projekt „Leben mit der Natur und den Tieren“, bei dem Constanze Thomsen und ihr Mann Jochen Menschen von der Lebenshilfe Osterburg das landwirtschaftliche Leben in allen Facetten näherbringen, und freute sich über die neue Aufgabe, war ganz hin und weg von der Idee. „Biene Maja“ kommt nun mit zur Messe und zu Märkten. Das Häkelwerk der Osterburgerin kam so gut an, dass Rando Hanske, dessen Bienen sich auf der Blühwiese zwischen Erxleben und Düsedau tummeln, gleich noch eine Biene für sich bestellte. „Meine Schwiegermutter möchte auch noch eine für die Urenkelin. Man sieht richtig, wie viel Spaß Bärbel daran hat“, erzählt Thomsen.

Paten finanzieren gut 5500 Quadratmeter

Das Maskottchen hat offenbar schon Glück gebracht: Für seinen – ersten – Blühwiesenzeitraum Frühjahr 2020 bis Frühjahr 2022 konnte der Landwirtschaftsbetrieb insgesamt 45 Paten gewinnen. Das entspricht 5522 Quadratmetern. Die Aufteilung zwischen Wildbienen- und Imkerfläche entschieden die Paten dabei selbst und ist in etwa gleich. „Unabhängig von den Patenschaftsverträgen haben wir knapp zwei Hektar, also 20 000 Quadratmeter, als Blühwiesenpatenschaftsflächen angelegt. Zusätzlich zu den verpflichtenden Greening-Flächen, das heißt, fünf Prozent Fläche, die als Grünstreifen aus der landwirtschaftlichen Ackerfläche aus der Produktion laut EU-Bestimmung genommen werden müssen“, bemerkt die Landwirtin, „das war uns wichtig, um das Projekt in Gang zu bringen und weitere Menschen zu motivieren, sich an unseren Blühwiesen zu beteiligen.“

Jutta Seidel (Apotheke Bismark) übernahm nach Veröffentlichung des Artikels in der Volksstimme gleich eine Patenschaft über 400 Quadratmeter, Robert Genzel von der Nicolai-Apotheke in Osterburg ist ebenfalls Blühwiesenpate. „Uns helfen aber genauso Menschen, die sich mit kleinen Beträgen beteiligen, wie zum Beispiel Jürgen Fabel und Familie Erhard Lühe aus Erxleben. Jörn Vinnen aus Hamburg wurde durch seine Jagdpacht in der Altmark auf das Projekt aufmerksam und war von der Idee so begeistert, dass er nach seinem Rundgang beschloss, nicht nur selbst Pate zu werden, sondern auch unter Freunden und Bekannten in Hamburg zu sammeln.“

Seit dem 1. Juli kommt jede weitere Unterstützung bereits den Blühwiesenflächen für das Anbaujahr 2021 bis 2023 zugute. Die anfängliche Trockenheit im April und Mai hatte viele schlaflose Nächte bereitet, besorgt sah die ganze Familie auf Ackerflächen und Blühwiesen, „denn wir wollen dem entgegengebrachten Vertrauen auch gerecht werden“. Der Regen kam gerade noch rechtzeitig, so dass die Blühpflanzen gut „auflaufen“ konnten, wie es Landwirte gern ausdrücken. „Nach der Phacelia, Mohn und Kornblume blühen auf den Wiesen jetzt Wilde Malve und vor allem Sonnenblumen“, erzählt die Düsedauerin. „Das Niederwild fühlt sich mitten in dem Mais gut geschützt, wie auf einer Insel, und hält sich dort gern auf. Buchweizen, Klee, Breitwegerich und eine ganz besondere Distel finden sich ebenfalls in dem grünen Streifen.“

Bereits im Herbst ausdrillen

„Um den Witterungseinflüssen, wie der Frühjahrstrockenheit, in den Folgejahren etwas entgegenzuwirken, werden wir die neue Fläche für den Blühpatenschaftszeitraum 2021 bis 2023 bereits in diesem Herbst ausdrillen“, kündigt Constanze Thomsen an. „Die Pflanzen kommen damit besser in Gang und haben eventuellen Hitzewellen mehr Wurzelsubstanz entgegenzusetzen.“ Bleibt nur noch, das entsprechende Saatgut bei einer regionalen Firma auszuwählen und sich in Vorbereitung mit dem Imker Rando Hanske zusammenzusetzen.

Die Bienen sammeln Nektar, egal, wer Blühwiesenpate wird. Oder ob der MDR mit einem Filmteam vorbeischaut, um einen Eindruck von dem Projekt zu gewinnen, wie im Juni geschehen. Zeitnah will der Sender das Thema Insekten und Umweltschutz beleuchten und in diesem Zusammenhang das Blühwiesenprojekt aus Düsedau vorstellen.

Drei Mal war Constanze Thomsen schon zum Schleudern bei Rando Hanske. Auf ihrem Hof hat sie ebenfalls zwei Blühwiesen und Bienen zu stehen. Schließlich will sie nicht nur das Blühwiesenprojekt vorantreiben und etwas für die Umwelt tun, sondern auch selbst Imkerin werden.

Wer möchte Blühwiesenpate werden? 100 Hektar, angelegt für zwei Jahre, kosten 50 Euro. Willkommen sind aber auch kleinere Beträge. Kontakt unter www.bluehwiesenlandwirt.de und per Telefon 03937/8 48 95.