Osterburg l Die Eröffnung ging gleich mit einer Premiere los. Lothar Jaehn, der sonst als Vertreter der Städtefreundschaft zwischen Oerlinghausen und Osterburg traditionell mit seiner humorvollen Rede den Abend auflockert, musste passen. Aus Vorsicht. Aus demselben Grund fehlte die gesamte Delegation aus Lippe, damit ein Kita-Besuch und der Programmpunkt in Krevese. Damit nicht genug.

Festredner Landrat Patrick Puhlmann (SPD) meldete sich Mittag krank und überließ seine Ansprache Bürgermeister Nico Schulz (Freie Wähler), der zugegeben in der kurzen Zeit keine hätte aus der Erde stampfen können. Musste er auch nicht. Der Landrat sendete beste Grüße und seine Rede. Entgegen der Tradition der Festredner, sich in das Buch der Stadt einzutragen, verkündete Schulz augenzwinkernd, so weit würde er dann doch nicht gehen.

In eigener Sache bat er zunächst einmal um Verständnis dafür, dass er nur die Hälfte der sonstigen Gäste einladen konnte und begrüßte besonders herzlich die früheren Bürgermeister Siegfried Dießner und Alexander Gronner. Sein Dank galt vor allem dem OLITA-Team, das die Organisation der 40 Veranstaltungen mit Auflagen bewältigt hatte, den Sponsoren und natürlich den Kindern aus Osterburg für die herbstliche Tischdekoration.

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Anerkennende Worte hatte auch Patrick Puhlmann dafür gefunden, dass die Literatur in diesem Jahr wieder ihren festen Platz in Osterburg hat, wo ihr Zuhause ist, Missstände aufdeckt und die Phantasie anregt. Literatur kommt eben doch nicht von amazon. Schließlich werde sie erst durch lebhafte Lesungen, eigene Erfahrungen und Gedanken mehr als Druckerschwärze auf dem Papier. „Sie kann die Welt darstellen, wie sie ist und wie sein könnte“, schloss Puhlmann. „Osterburg ist das altmärkische Zuhause der Literatur.“

Was Theater kann, zeigten wenig später Kathrin Berg und Niclas Randhor. Von wegen „Im Theater ist nichts los“! Georg Kreisler gilt nicht umsonst als der österreichische Vertreter des Chansons mit schwarzem Humor. Eingebettet in die Geschichte, der musikalische Leiter des Theaters und die Schauspielerin wären über Monate vergessen worden, zogen sie alle Register. Sie sangen und erzählten von Liebe, Ehe und Weltuntergang“, „wobei die Reihenfolge nicht als Steigerung verstanden werden muss“, wie Schulz anschließend trocken bemerkte. Ihre musikalische Reise führte von Paris über Wien nach „Balin“ und Bratislava und nahm mit schmissigem Rhythmus ordentlich Fahrt auf. „Man sagt immer: Das mach‘ ich nicht mehr lange mit und dann macht man es doch“, sang Kathrin Berg Berg leidenschaftlich und traf den Nagel sichtlich auf den Kopf ihrer Zuhörer, die sich herrlich amüsierten. Den Knaller ersang sie sich mit der schweißtreibenden Extra-Vorstellung durch sämtliche Hauptstädte und Dialekte für den Herrn Direktor, um die Hauptrolle zu ergattern. Kein Wunder, dass es zum Schluss tosenden Applaus gab. „Ich ziehe Vergleiche mit dem Publikum im Haus. Ich kann mir nicht helfen, der Vergleich fällt stets zu meinen Gunsten aus.“ Sprach’s und beendete damit einen wunderbar unterhaltsamen Liederabend.