Rohrbeck l Peter Kunze ist eigentlich durch mit der Nummer. „Wenn du zehn Jahre Energie in etwas steckst und nichts bei rauskommt, macht das was mit dir.“ So spricht sein erster Satz im jüngsten Schreiben an Landrat Carsten Wulfänger (CDU) Bände: „Sie brauchen keine Angst zu haben, dies wird der letzte Brief sein, den ich Ihnen in Bezug auf unsere Straße schreiben werde.“ In zehn Jahren „Bitten und Betteln“ sei nichts passiert, außer dass die Schäden an den Häusern immer mehr wurden.

In Kunzes Fall lösen sich durch die Vibrationen der Fahrzeuge in Folge der maroden Fahrbahn unter anderem Granitplatten vom Boden, reißen Fliesen, die Wände gar und zur Krönung habe nun auch das Dach erheblichen Schaden genommen. Es war ein Dachdecker, der Kunze jüngst darauf aufmerksam machte, dass da oben etwas nicht stimme. Die Bleiummantelung des Schornsteins, die einmal zehn Zentimeter über den Ziegeln lag, schloss mit selbigen nicht mal mehr ab. „So etwas passiert nur, wenn sich das Dach senkt“, zitierte Kunze den Dachdecker und ist entsprechend wütend. „Das liegt 100-prozentig an den Vibrationen.“

Laster lassen Fenster vibirieren

Diese seien nämlich gewaltig. Die Rohrbecker Ortsdurchfahrt (K1062) wurde laut Kunze zur Zeit der Wische-Aktion gebaut. Betonplatten auf Sand, „damals war das toll und ausreichend“. Heute aber, „da die Lkw im 40-Tonner-Bereich sind“, verhält es sich anders. Die Erntefahrzeuge, Lkw hoch und teils „mit Berg“ mit Holz beladen, außerdem Deichbau-Fahrzeuge machen den Rohrbeckern das Leben schwer. Durch jedes km/h zu viel werde es noch unerträglicher. „Am schlimmsten sind die Lkw, die Container drauf haben.“ Nachbarn müssen die in Folge der Stöße wandernden Gläser in ihrem Schrank immer wieder zurechtrücken, Kunzes zucken regelmäßig zusammen, wenn sie hinterm Haus sitzen und die große Scheibe gen Garten bei LkW-Durchfahrten heftig vibriert. Ein mulmiges Gefühl.

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Aber jetzt soll es werden. Der Landkreis, der die Straße zuletzt über Stark-V-Fördermittel sanieren wollte, was abgelehnt wurde, will die Sanierung laut Auskunft von Kreissprecherin Angela Vogel nun „aus Mitteln der laufenden Straßenunterhaltung“ stemmen. Dies habe Landrat Wulfänger aufgrund der Dringlichkeit so entschieden. Die Ausschreibung sei im Oktober 2017 erfolgt. „Da die Arbeiten unter Vollsperrung durchgeführt werden müsse, war der Sperrzeitraum langfristig zu planen und mit anderen Baumaßnahmen in der Region abzustimmen“, so Angela Vogel. Dies vermutlich auch in Bezug auf Kunzes Kritik im Brief, dass die Straße im vierten Quartal 2017 saniert werden sollte, wie er es seinerzeit von Bürgermeister Norbert Kuhlmann signalisiert bekommen habe.

571 Meter werden erneuert

Die Straße wird nun laut Landkreis vom 14. bis 25. Mai saniert. Die Umleitung erfolgt über die L 14 und L 16 über Hindenburg, Busch nach Iden und zurück. Die Baustrecke hat eine Länge von 571 Metern und wird 6,60 breit ausgebaut. Geplant ist, den oberen Teil der Asphaltfahrbahn abzufräsen und zweischichtig stattdessen Asphalt einzubauen. Zwischen beide Asphaltschichten wird eine Asphaltarmierung verlegt.

Der „Straßenmarathon“ begann bereits bei Landrat Jörg Hellmuth. Ob Kunze seinem Nachfolger Wulfänger nach erfolgter Sanierung immer noch einen ausgeben möchte, müsse er sich nochmal überlegen. Geplant war mal ein gutes Bier mit heiß geräucherter Knacker im warmen Brötchen mit Krautsalat, „das hat er so noch nicht erlebt“.