Gegen Spinnerraupen

Naturfreunde hängen zur Freude der Kinder Nistkästen in Osterburger Jenny-Marx-Kita auf

Von Karina Hoppe
Auf dem Gelände der Osterburger Jenny-Marx-Kita wurde Nistkästen für Vögel aufgehangen. Diese sollen bei dem Befall von Eichenprozessionsspinner Abhilfe schaffen.

Osterburg. Ohne Corona wär’s noch schöner, aber auch durchs Fenster haben Kinder der Osterburger Jenny-Marx-Kita am Dienstag gespannt das Treiben auf dem Kitagelände verfolgt: Stadtratsmitglied David Elsholz (Die Grünen), der sachkundige Einwohner Fabian Rieger und Helmut Sasse vom Wischeverein luden einen Nistkasten nach dem anderen aus dem Auto, um sie auf dem Kitagelände und daneben auf dem Parkplatz an Bäumen anzubringen. An stattlichen Bäumen, darunter vielen Eichen, die vom Eichenprozessionsspinner befallen sind. Weil das so ist, sollten sie oder zumindest ein Teil von ihnen abgeholzt werden – die Aktion jetzt ist eine Alternative dazu. Denn Vögel, allen voran wohl die Meise, sollen während ihres Brutgeschäftes den Spinnerraupen den Garaus machen, die Anzahl zumindest reduzieren. „Dazu gibt es einige vielversprechende Studien in den Niederlanden“, sagte Fabian Rieger. Die Wirkung zeige sich nach vier oder fünf Jahren. Wie Helmut Sasse mitteilte, wurden in Sachen Eichenprozessionsspinner bereits 130 Nistkästen im Bereich Berge/Räbel aufgehängt. „Sie waren zu 100 Prozent belegt.“ Daran erkenne man, wie groß die Not der Vögel ist. In der Jenny-Marx-Kita wird trotzdem erstmal weiter gegen die Raupen gespritzt.

Fledermäuse sollen die Falter fressen

Die drei Männer hängten gestern zehn farbenfrohe Wischehäuschen vom Wischeverein auf, dazu zehn BUND-Nistkästen und fünf Fledermauskästen, denn Fledermäuse rücken den nachtaktiven Faltern der Eichenprozessionsspinner zu Leibe, erklärte Sasse.

Für die Jenny-Marx-Kita soll die Aktion ein Anfang sein, für Herbst sind etwa Pflanzaktionen mit Nährgehölzen für Vögel und Insekten angedacht, Blühwiesen könnten entstehen. Die Vögel brauchen Insekten und Insekten brauchen Blühpflanzen, hieß es gestern. In puncto Sträucher und Blühwiesen sei die Finanzierung noch nicht gesichert, aber Elsholz informierte, dass das Umweltministerium gerade wieder derlei Projekte für Kitas und Schulen fördere. Die Kosten für die Nistkästen indes will die Stadt Osterburg tragen, zusammen rund 300 Euro. An der Aktion beteiligt sind der Wischeverein, die Grüne Gruppe Osterburg und der BUND Stendal.

Die Kinder sollen bei allen Aktionen mit eingebunden werden - so es die Pandemie zulässt. Denkbar seien Nistkästen-Patenschaften. Wie die stellvertretende Kitaleiterin Susanne Nikles beobachte, sind es oft die kleinen Dinge, die die Kinder faszinieren. „Sie sitzen zum Beispiel oft vor den alten Baumstümpfen und beobachten die Feuerkäfer.“ Insofern und überhaupt stehe die Kita den Natur-Vorhaben positiv gegenüber.