Arneburg l Am Freitag nach 10 Uhr am Pavillon nahe dem Rathaus in der Breiten Straße Arneburg. Zwei Männer unterhalten sich und lassen ihre Aufmerksamkeit gerne auf das neue Gerät lenken. Es blitzt und blinkt, der so bezeichnete Medaillenpräger wurde erst am Donnerstag aufgestellt. Dort, wo sich gerne Radfahrer aufhalten.

Medaillenpräger? Gemeinsam mit der Volksstimme soll das Gerät getestet werden. Zuerst das Motiv aussuchen. Zur Wahl stehen der Gänselieselbrunnen, die Statue der beiden Elbfischer auf dem Alten Markt oder die St. Georgkirche. Die Wahl der Volksstimme fällt auf das Gänseliesel, alles weitere erklärt sich von selbst. Zuerst die Kurbel bis zum gewünschten Motiv drehen, dann 1 Euro und 5  Cent in die passenden Schlitze stecken, die Vorrichtung reinschieben und nochmal ungefähr zehn Mal drehen. Beim fünften, sechsten Mal wirds schwerer – und dann spuckt der Automat auch schon die „Medaille“ aus. Hübsch! Und schnell ins Portemonnaie damit, zu den anderen Medaillen aus anderen Städten.

Zu DDR-Zeiten stand oben ein Münz-Fernrohr

Das kleine Vergnügen mit Erinnerungswert ist quasi eine Zugabe. In erster Linie ging es dem Stadtrat Arneburg darum, auf der Plattform wieder ein Aussichtsfernrohr zu installieren. Wie sich Initiator Ronny Hertel erinnert, gab es zu DDR-Zeiten oben schon mal ein Münzfernrohr. „Und als Stadtratsmitglied macht man sich ja Gedanken, wie man die Stadt noch attraktiver machen kann“, so Hertel, der Angebote einholte. Ein vor Jahren eingeholtes über ein Münz-Aussichtsfernrohr war der Stadt zu teuer. „Da wäre das Fernrohr aber auch in unserem Besitz gewesen.“ Anders als jetzt. Die auserwählte Firma, die der Stadt den Medaillenpräger gleich noch mit anbot, zahlt eine jährliche Standmiete über 350 Euro an die Stadt, die selbst also keine Kosten hat. Die Geräte bleiben im Besitz der Firma. Wer durch das Fernrohr schauen möchte, zahlt 50 Cent oder 1 Euro für längeres Sehen.

Bilder

Ein stechend scharfes Bild

Eine Reisegruppe hat das Fernrohr gestern gleich mal ausprobiert, 50 Cent in den Schlitz geworfen. Vorgeschickt wurde Sabine Wimmer aus Wien, „die Kleinste wieder“, wie sie scherzte. Und gleich lobend erwähnte, dass das Fernrohr auch für Menschen ihrer Größe gut zu bedienen ist. Der Havelberger Dom war gut zu sehen, „aber mich interessieren die Vögel mehr“, sagte sie und erspähte gleich ein paar Gänse. In stechend scharfem Bild, die Wienerin hat das Fernrohr für gut befunden. Der Rest der Gruppe, die sich 2016 in Afrika kennenlernte und nun zu Besuch bei Stendalern aus ihren Reihen ist, lobte die Plattform an sich. „Hier oben wird man entschleunigt.“

Ronny Hertel findet, dass so ein Fernrohr sogar besser nach Arneburg passt als irgendwo ans Meer. „Da sieht man ja nur Wasser, hier ist Landschaft.“ Und Schiffe gibt es auch.