Priemern l Auch bei den in der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Priemern organisierten Waldbauern warfen die Herbststürme „Xavier“ und „Herwart“ im Herbst 2017 nahezu alle Planungen über den Haufen. Bis dahin war das Jahr 2017 normal verlaufen. Seitdem bestimmt das Aufarbeiten der Sturmschäden das Geschehen, so der FBG-Vorsitzende Kay Richard Landwers, als er über 120 Mitglieder und Gäste bei der Mitgliederversammlung im Saal der Gaststätte Bretsch begrüßen konnte.

Die unverzüglich angelaufene Aufarbeitung der Schadholzflächen wird seither kontinuierlich fortgeführt. Ein noch schnelleres Vorgehen wäre wünschenswert, aber den vielen Schadflächen stehen Menschen und Maschinen nur begrenzt zur Verfügung.

Bislang 12.000 Festmeter

Bislang sind schon über 12.000 Festmeter auf den über 4500 Hektar der FBG Priemern abgearbeitet. Das entspricht rund 3,1 Festmeter Schadholz pro Hektar und somit etwa 80 Prozent eines normalen Jahreseinschlages, erläuterte die Leiterin des Forstamtes „Nordöstliche Altmark“, Katja Döge.

Die ergiebigen und vor allem lang anhaltenden Niederschläge im Sommer 2017 hatten die Böden aufgeweicht, so dass die Standfestigkeit der Bäume eingeschränkt war und die Schadensereignisse noch begünstigt wurden. Waldböden und Wege sind aufgeweicht, schwere Maschinen und Lkw sinken ein und ziehen weitere Schäden nach sich. Auch dieses verzögert die Aufarbeitung.

Das Sturmtief „Friedericke“ richte in der Altmark zwar weniger Schäden an, sorgte aber im Süden für umgestürzte Bäume, was den Holzmarkt zusätzlich stark belastet. Die zügige Aufarbeitung, insbesondere der durch Schädlingsbefall gefährdeten Baumarten wie Fichte und Lärche wird mit Hochdruck betrieben. Dieses belastet noch einmal den Markt und führt die Forstdienstleister mit ihren Maschinen aber auch die weiterverarbeitende Industrie an ihre Grenzen. Verschiedene Sortimente und Güteklassen werden derzeit teilweise nur schleppend aufgenommen.

Sorge vor Klimawandel

Nur mir Ruhe, Geduld und unter Einbinden aller Beteiligter kann eine sinnvolle Aufarbeitung der Sturmschäden und ein Verkauf der Holzmengen zu angemessenen Preisen erreicht werden, fügte Kay Richard Landwers hinzu.

Neben der Schadholzaufarbeitung, die dafür sorgt, dass die meisten der geplanten Einschläge warten müssen, treibt die FBG konsequent viele Waldbaumaßnahmen, Walderneuerungen und Aufforstungen voran. Neben Kulturpflegemaßnahmen wurde 2017 mit 25 Hektar Wiederaufforstung und Walderneuerung schon viel auf den Weg gebracht, aber da kann mehr erreicht werden, ermutigte Katja Döge die Waldbesitzer.

Waldschutz und Schädlingsbekämpfung, zum Beispiel gegen den Eichenprozessionsspinner, waren weitere Schwerpunkte im vergangenen Jahr. Die Winterbodensuche und Pheromon-Fallen zeigen leicht erhöhte Werte beim Kiefernspanner und Warnschwellenüberschreitungen bei der Forleule. Mit Sorge betrachten die Waldbauern auch die Klimaerwärmung und die zunehmenden Trockenperioden (von 2017 mal abgesehen), die insbesondere großen Kiefernkomplexen in der Altmark stark zusetzen.

Die wirtschaftliche Lage der FBG Priemern erlaubt indes auch im siebenten Jahr in Folge stabile Beiträge für die Mitglieder, verkündete Geschäftsführerin Yvonne Hänsel bei der Präsentation des Jahresabschlusses.

Dank ans Forstamt

Der FBG-Vorsitzende dankte den Revierleitern und dem Team des Betreuungsforstamtes im Namen der Mitglieder für die gute Unterstützung gerade in dieser angespannten Situation. Allerdings bemängelte er, dass die aktuelle Forstpolitik wenig verständnisvoll insbesondere mit dem Kleinprivatwaldbesitz umgehe. Öffentliche Abgaben, angemessene Beiträge und Umlagen seien für den Privatwaldbesitz existenzentscheidend. Nur durch vereinte und abgestimmte Maßnahmen bei Waldbau und Wiederaufforstung, können Nachteile des kleinstrukturierten Waldbesitzes ausgeglichen und eine nachhaltige Forstwirtschaft betrieben werden.