Osterburg/Krumke l Die Inbetriebnahme des Ruheforstes rückt näher: Zwar kann der designierte Betreiber Adrian von Bernstorff erst nach der Zustimmung durch den Stadtrat einen Haken hinter den anvisierten Eröffnungstermin am Karfreitag (2. April) setzen. Doch das „grüne Licht“ aus dem Osterburger Rat scheint schon im Vorfeld der für den 16. Februar anberaumten Sitzung sicher. Das zeigte sich am Dienstagabend, als sich der Hauptausschuss mit großer Mehrheit (sechs Ja-, eine Nein-Stimme) dafür aussprach, dass die Kommune die Trägerschaft über den Begräbnisort übernimmt und mit von Bernstorff einen Vertrag zur Einrichtung und zum Betrieb des Ruheforstes abschließt.

Die Einheitsgemeinde ist im Boot, weil Begräbnisorte nach dem Bestattungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt ausschließlich in Trägerschaft von Kommunen, Kirchengemeinden oder Religionsgemeinschaften bestehen dürfen. Der Ausschuss empfahl zudem, die ausgewählte Waldfläche von 4,5 Hektar zum öffentlichen Waldfriedhof zu widmen und dem erarbeiteten Entwurf einer Friedhofssatzung zuzustimmen.

Kritisch äußerte sich Stadträtin Sandra Matzat (AfD) zu dem Ruheforst. Die Einheitsgemeinde habe selbst kommunale Friedhöfe zu tragen und zu bewirtschaften, „und hier schaffen wir uns Konkurrenz vor der eigenen Haustür“, sagte sie im Hauptausschuss. Dass der Betreiber des Ruheforstes im Gegenzug für die Übernahme der Trägerschaft durch die Kommune 2,5 Prozent der Nutzungsentgelte des Begräbnisortes an die Einheitsgemeinde überweist, empfand Matzat zudem als zu niedrig.

Bürgermeister Nico Schulz (Freie Wähler) warnte dagegen davor, das Ruheforst-Projekt mit Geld oder Gedanken um eine etwaige Konkurrenz zu verbinden. „Für mich geht es vor allem darum, ein in unserer Bevölkerung bestehendes Bedürfnis zu decken“, sagte er. Beim Bekanntwerden der Pläne sei er selbst davon überrascht worden, „wie groß unter unseren Einwohnern das Interesse an dem Ruheforst ist“, blickte Schulz zurück. Der Bedarf an diesem Begräbnisort lese sich im Übrigen auch daran ab, dass sich Osterburger in den zurückliegenden Jahren auf dem von der Familie von Bernstorff betriebenen Ruheforst in Gartow bestatten ließen, führte der Bürgermeister ns Feld.

Jürgen Emanuel (Die Linke) sprach sich unter anderem deshalb für das Projekt aus, „weil ich eine Vielfalt unter den Begräbnisorten als wichtig erachte“. Und für Mathias Fritze (FDP) stellt der Ruheforst eine „Win-Win-Situation“ für Betreiber und Kommune dar. Das sah die große Mehrheit im Hauptausschuss ähnlich. Stimmt am 16. Februar auch der Stadtrat zu, steht der Einrichtung des Begräbnisortes nichts mehr im Wege.

Bei der Gestaltung des insgesamt 4,5 Hektar großen Waldstückes zum Ruheforst will der Betreiber sehr zurückhaltend vorgehen. Die dort stehenden und zum Teil über 150 Jahre alten Eichen- und Buchenbestände seien durch die Einrichtung des Begräbnisortes gesichert, nicht zuletzt aufgrund der langen Vertragsbindung von 99 Jahren könne sich dieser Bereich zu einem Naturwald entwickeln. Forstlich seien dort lediglich Einzelmaßnahmen denkbar, und dann auch nur aus Gründen der Verkehrssicherung.

Klar ist zudem, dass der Anfahrtsweg in den Ruheforst nicht ausgebaut wird. Um vor Ort Parkgelegenheiten für bis zu 15 Fahrzeuge zu schaffen, soll der Randstreifen auf einer Länge von 60 Metern abgeschoben werden. Außerdem ist eine Wendemöglichkeit vorgesehen. Innerhalb des Ruheforstes sind insgesamt 450 Biotope mit jeweils bis zu zwölf Urnenplätzen geplant. Zudem soll auf einer bereits vorhandenen Lichtung ein Gedenkplatz mit einem dezenten Holzkreuz nebst einigen Holzbänken seinen Ort finden. Die Zuwegung zu diesem Gedenkplatz ist über die Ausbringung von Holzhackschnitzeln angedacht.