Werben l Nach der Schließung seines Rundfunkladens in der Seehäuser Innenstadt vor rund zwei Jahren setzte Rüdiger Haase die Idee von einem Museum mit Fernsehgeräten, Plattenspielern, Radios und anderen Geräten Marke „Made in GDR“ um. „Es macht mir viel Spaß“, sagt der 72-Jährige, dessen großer Ausstellungsraum von Monat zu Monat wächst.

Regelmäßig gebe es Anrufe, über die sich Rüdiger Haase freut. Besitzer von Kofferradios, Fernsehern & Co. melden sich und wissen ihre Technik beim Werbener besser aufgehoben als bei ihnen im Keller oder auf dem Boden. Erst vor einigen Tagen fuhr der Museumsinhaber in die Lutherstadt Eisleben, um einen Fernsehschrank abzuholen, der nun von den Besuchern in der alten Brillenfabrik begutachtet werden kann. Diese schloss 1990. 60 Frauen waren dort in Lohn und Brot, erzählt Haase. Das Gebäude war dann dem Verfall preisgegeben. Er konnte sich mit dem Besitzer einigen. Und bereichert mit dem markanten Haus und den darin enthaltenen Exponaten natürlich auch das kulturelle Angebot im Elbstädtchen.

Rüdiger Haase bewahrt einige Schätze aus vergangenen DDR-Produktionszeiten auf. Unter anderem den ersten in der DDR hergestellten Fernsehapparat. Einen „Rembrandt“ aus Anfang der 50er Jahre. Damals noch im Sachsenwerk in Radeberg produziert. Unweit von ihm steht in den Regalen, die allesamt aus seinem ehemaligen Geschäft stammen, ein neueres Modell, ein Colani aus dem Staßfurter Werk. Das war schon Mitte der 90er Jahre. Das Gros der Geräte ist jedoch älter. Und ein Teil stellt nicht nur aufgrund der eingestellten Produktion Besonderheiten dar, sondern auch wegen der produzierten Stückzahl. Zu diesen Dingen zählt die ehemalige Studio-Tonbandmaschine des Berliner Rundfunks. Haase weiß, dass sich die Hersteller auch zu DDR-Zeiten nicht versteckten mussten. Die Musiktruhe Lohengrin, mit Röhrenradio und Tonbandgerät, sei „unheimlich haltbar. Wir haben sie nie repariert, da sie kaum kauputt ging“, weiß der Rundfunkmechaniker. Der leidenschaftliche Sammler der Technik stellt auch einige Grammophone aus, die fast noch alle funktionieren. Auch eine Vielzahl von Kofferradios und Kassettenrecordern. Unter anderem ein in Serie gegangenes Koffergerät nach einem „Rundfunkauftrag“ Walter Ulbrichts. Ein anderes wiederum mit einem ausziehbarem Maßband als Teleskopantennenersatz. „Eine tolle Erfindung.“ Auf welches Stück Rüdiger Haase am stolzesten ist, könne er nicht beantworten – viele Geräte sind bewundernswert, einige seien kaum noch aufzutreiben.

Auch Telefone, Schreibmaschinen, darunter mit der „Mercedes“ die erste elektrifizierte Maschine, die es in Deutschland gab (1933), und Utensilien aus der ehemaligen Brillenfabrik der Rathenower Optischen Werke werden ab 1. Mai bis Oktober ausgestellt.