Goldbeck l Vor einem guten Jahr hat die Gemeinde Goldbeck die Fachhochschule Stendal-Magdeburg damit beauftragt, ein Nutzungskonzept für die Zuckerhalle zu erstellen. Für 9500 Euro, zu 80 Prozent gefördert durch das Programm „Land(auf)Schwung“. Im Rückblick kommt diese Maßnahme einer Initialzündung gleich. Denn dank weiterer Förderbescheide vom Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) und wiederum von „Land(auf)Schwung“ kann die Kommune aktuell Investitio­nen von rund 275.000 Euro umsetzen, wovon gut 60 000 Euro Eigenmittel sind.

Die Gewerke arbeiten derzeit im Akkord: Das rund 1800 Quadratmeter große Dach wird mit neuen Teerschweißbahnen samt Dachrinnen versehen (rund 140.000 Euro). Etliche Fenster werden saniert oder erneuert (35.000 Euro), unter der Empore in der Mittelhalle entsteht eine Toilettenanlage (65.000 Euro), die Halle wird elektrifiziert und mit Lampen versehen (knapp 40.000 Euro), der Fußboden in der Haupthalle ausgeglichen und neu gemacht (25.000 Euro). Auch die Boulderanlage auf der Empore für rund 40.000 Euro wurde bereits vergeben, die Umsetzung erfolgt aber erst 2018. Für alle anderen Maßnahmen gilt bis dato der Fertigstellungstermin 16. Dezember, „aber das werden wir wohl nicht 100-prozentig schaffen“, sagt Dobberkau.

Plötzlich fliegen dem Gemeinderat also große Zahlen um die Ohren. Natürlich, die Kommune hat sich mit der Vision von der Zuckerhalle als einem überregionalen Veranstaltungs- und Begegnungsort um die Förderungen beworben, „aber ich frage mich trotzdem manchmal, wie das alles gekommen ist“, so Dobberkau erfreut. Wegen weitaus größerer Auflagen als erwartet und weil sich bei alten Bauten immer Überraschungen auftun – so ist etwa die Traufe beschädigter als gedacht – werden die einst veranschlagten rund 400.000 Euro für die Komplettsanierung nicht reichen. Dobb­erkau geht vorsichtig von 750.000 Euro aus. „Aber wirklich für die Maximalvariante.“ Der Bürgermeister betont, dass niemand Angst zu haben braucht, dass der Gemeinde das Objekt über den Kopf wächst. „Alles, was wir jetzt investieren und auch in überschaubarer Zeit, können wir sicher stemmen. Goldbeck ist gut aufgestellt.“ Und: Das besonders Reizvolle an dem Projekt Zuckerhalle sei ja, dass man auch auf verschiedenen Sanierungsstufen stehen bleiben kann. „Man muss begreifen, dass die Zuckerhalle ein Großprojekt ist, angelegt über Jahre.“ Wie und ob weitersaniert wird, werde der Rat von Jahr zu Jahr entscheiden. Je weiter saniert wird, desto mehr Nutzungsmöglichkeiten ergeben sich natürlich. Allein durch die Toiletten, durch Licht und dadurch, dass es durch das neue Dach nicht mehr reinregnen wird, sei für Veranstaltungen wie den Weihnachtlichen Nachmittag aber schon viel gewonnen. „Wir müssen dann sehen, wie sich das mit der Nutzung weiterentwickelt. Großes Interesse ist auf jeden Fall da.“

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Zuckerhallen-Verein soll Zuckerhalle betreuen

Ganz sicher komme Goldbeck nicht drumherum, „einen starken Verein“ zu gründen. „Das wird uns nächstes Jahr viel beschäftigen.“ Der Wischeverein habe bereits Unterstützung zugesagt. Und das sei schon ganz im Sinne des Gemeinderats: Der Zuckerhallen-Verein soll die Zuckerhalle betreuen, verwalten, aber nicht „besitzen“. „Egal welcher Verein darin eine Veranstaltung organisiert, sie ist ja für unsere Bürger“, so Dobberkau.

Und: „Wir wollen keine Konkurrenz für andere sein.“ Zum Beispiel die Stadthalle Arneburg. Die Orte seien gar nicht miteinander vergleichbar. „Wenn in der Zuckerhalle bei einer Hundeausstellung ein Hund in die Ecke macht, dann ist das nicht schlimm“, spielt Dobberkau nochmal darauf an, dass die Zuckerhalle eine Kalthalle bleibt und ohnehin eher „für alternative Geschichten“ gedacht sei. Siehe Balladenabend mit Netschajew. Der sei ganz explizit wegen des morbiden Charmes der Zucker­halle in Goldbeck zustande gekommen.

Ein Stück weit morbide werde die Halle auch immer bleiben. Aber manches müsse oder sollte eben heile sein, so auch Türen und Tore. Hierfür hat das Leader-Management gerade eine Förderung über 77.000 Euro in Aussicht gestellt. Der Eigenanteil für die insgesamt 103.500 Euro teure Maßnahme ist bereits in den Haushalt 2018 eingearbeitet.