Osterburg l Was mittlerweile unter der nüchternen Bezeichnung „Sachbeschädigung“ in Form verschiedener Anzeigen bei der Polizei anhängig ist, hat sich in trauriger Regelmäßigkeit durch das Jahr 2019 gezogen: Immer wieder wurden Einwohner im Osterburger Stadtgebiet mit zerstörten oder beschädigten Bäumen konfrontiert. Im April nahmen Unbekannte einem jungen Trompetenbäumchen auf der Wallpromenade seine Rinde. Nur wenige Wochen später wurden drei Eschen-Ahorn-Bäume, die im Frühjahr entlang des „schwarzen Weges“ auf den Werderwiesen angepflanzt wurden, massiv beschädigt.

Mitte Dezember tobten sich Baumfrevler erneut an den Werderwiesen aus. Insgesamt elf Bäumchen habe es nach der jüngsten Nachpflanzung getroffen, zählt Fabian Rieger auf. Doch der Osterburger weiß um noch mehr zerstörte Bäume. Beispielsweise eine Linde, die nahe der alten Villa und unweit des Bahnhofs ihren Platz hat. „Dieser Baum ist im Sommer durch mehrmaliges Hacken massiv beschädigt worden“, sagt Rieger. Zu einem weiteren Opfer mutwilliger Zerstörer avancierte schließlich ein Kugelahorn, der Ende November im Rahmen einer Aktion des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) angepflanzt wurde. Das an der Ernt-Thälmann-Straße Richtung Bahnübergang stehende Bäumchen wurde vor wenigen Tagen abgebrochen.

BUND-Mitglied Fabian Rieger vermutet „blinde Zerstörungswut“, nimmt diese nicht einfach so hin und ist im Fall der kaputten Bäumchen an den Werderwiesen sowie der Ernst-Thälmann-Straße bei der Polizei vorstellig geworden. Dirk Marscheider aus der Pressestelle der Polizei bestätigt allein für 2019 vier Anzeigen, die wegen der Zerstörung oder Beschädigung von elf verschiedenen Bäumen in Osterburg erstattet wurden. Die Verursacher ausfindig zu machen, dürfte sich aber alles andere als einfach gestalten. Bei derartigen Fällen sei die Polizei schon sehr auf Augenzeugen oder Beo­bachtungen angewiesen, macht dann auch Polizeisprecher Marscheider deutlich.

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Keine Zeugen

Insbesondere am „Tatort“ Werderwiesen sei die Wahrscheinlichkeit von Zeugen aber sehr gering, weiß Ortsbürgermeister Klaus-Peter Gose (CDU-Fraktion). Das weitläufige Areal an der Biese sei vermutlich auch deshalb ein bevorzugtes Ziel, „weil sich die Zerstörer dort unbeobachtet fühlen“, vermutet Gose. Das bekamen dort im Übrigen nicht nur Bäume zu spüren. Einer auf Initiative des Osterburger Ortschaftsrates aufgebauten und nahe der Biese gelegenen Sitzgelegenheit wurde in den zurückliegenden Monaten ebenfalls in unschöner Regelmäßigkeit übel mitgespielt.

Während der Ortschaftsratssitzung in dieser Woche im Osterburger Feuerwehrgerätehaus brachte David Elsholz (Grüne/FDP) den jüngsten Baumfrevel zur Sprache. „Wir waren alle erschüttert“, kommentiert Gose die Stimmungslage der Räte. Was helfen könnte? Zeugen, die die Polizei über ihre Beobachtungen informieren, glaubt der Ortsbürgermeister. Und sollte man so Verursacher ermitteln, müsste beim Strafmaß ausgeschöpft werden, was die Gesetze hergeben, legt er sich fest.

Abseits davon lassen Naturfreunde wie Fabian Rieger auch in ihrem Einsatz für das Grün in der Biesestadt nicht nach. Der zerstörte Kugelahorn an der Thälmann-Straße wird jedenfalls bald ersetzt. „Im März pflanzen wir dort einen neuen Baum an.“