Geestgottberg l Das Ganze hat etwas mit Ritualen zu tun. „Wir kommen schon, ach, seit Ewigkeiten her“, sagte Christa Schetki. Gerade hatte Karl-Heinz Kallmeter ihr einen kleinen Karpfen herausgesucht, geschlachtet, gesäubert, gewogen. 2,2 Kilogramm zeigte die Waage an, „passt genau für zwei Personen“. Christa Schetki sah beim Schlachten zu, „nee, da haben wir kein Problem mit, wir kommen vom Land“. Etwas Rehgulasch nahm die Seniorin aus Wittenberge gleich noch mit. „Für später mal.“ Heute Mittag soll es ‚Karpfen blau‘ geben, Christa Schetkin will etwas Wurzelgemüse mit ins Wasser geben. „Das schmeckt mir so gut.“

Es ist Finale der Fischhochsaison auf dem Hof Kallmeter, der seinen Umsatz vor allem mit der Landwirtschaft macht. 600 Hektar bewirtschaftet das Familienunternehmen, die Hälfte davon gehört dem Betrieb. Und zu selbigem seit der Wiedereinrichtung im Jahr 1990 als kleine Standbeine auch die Fischerei und die Jagd. In den Tiefkühltruhen des Verkaufsraumes wartet Wildschwein- und Rehfleisch auf seine Käufer. Karl-Heinz Kallmeter und Sohn Nils Kallmeter haben die Tiere auf ihrem Land erlegt, es zerlegt und portioniert – bei den Fischen können die Kunden dabei noch zusehen. Dabei gilt es erstmal eines festzuhalten, „wir verkaufen fast doppelt so viele Weihnachts- wie Silvesterkarpfen“, sagt Karl-Heinz Kallmeter, der Senior des Hofes, der derzeit dem Angestellten Bastian Lücke mit unter die Arme greift, da sein Sohn erkrankt ist. „Jedenfalls hat sich da etwas gewandelt, die meisten Karpfen gibt‘s Heiligabend.“

Insgesamt gehen in der Saison rund 300 Karpfen (eine halbe Tonne) über den Ladentisch, dazu kommen nochmal rund 250 Forellen. Während Kallmeters die (Bach-)Forellen direkt schlachtfertig von einem Teichwirtschafter aus der Lewitz (Neustadt-Glewe) für den Weiterverkauf erwerben, kommen die Karpfen von selbigem Unternehmen vor allem zweijährig, also als Satzfische zu den Kallmeters. Zwei Jahre tummeln sie sich dann noch in Grundwasserteichen des Betriebs, um schließlich – gemeinsam mit eigenem Nachwuchs aus den Teichen - abgefischt und geschlachtet zu werden. „In diesem Jahr mussten wir aber auch schlachtfertige Karpfen dazukaufen“, sagt Karl-Heinz Kallmeter. Es war einfach zu trocken, das Wasser zu niedrig. Dazu komme, dass der Kormoran sich mehr und mehr der Fische des Betriebs bedient. „Die Hälfte geht bestimmt weg.“ Auf mehr als 500 Tiere schätzt Kallmeter den Kormoranbestand, die Vögel dürfen in den geschützten Gebieten weder gejagt noch gestört werden.

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In jedem Fall schwimmen die Karpfen vorm Verkauf nochmal in Grundwasserbehältern, wobei das Wasser alle zwei Tage gewechselt wird. „Gefüttet werden müssen sie in der Zeit nicht, sie stellen das Fressen bei der Wassertemperatur ein“, erläutert Kallmeter. „So werden sie geklärt.“

Das wüssten viele Kunden zu schätzen. Auch der Geflügel-Preisrichter Wilfried Lattorf, der bei Kallmeters immer sein Getreide holt und gestern fragte, wie es denn dem Junior gehe – man kennt sich. „Wir essen den Karpfen auch blau, schön mit Salzkartoffeln, Butter, Meerrettich und Senf“, verriet Lattorf. Auch ein Wittenberger. „Unsere meisten Kunden kommen aus Wittenberge“, sagt Kallmeter, der selbst für sein Leben gerne Fische esse. „Und Karpfen blau geht immer.“

Beim Rausgehen kam von Christa Schetki nochmal einer dieser bei Kallmeters viel gesagten Sätze: „Bis nächstes Jahr, wenn wir da noch leben.“