Seehausen l Das neue Jahr fängt für die in Seehausen als „Katzen- oma“ bekannte Margot Schulze nicht schlecht an. Gestern Vormittag bekam die Seniorin zur Unterstützung ihres Engagements eine Spende über 350 Euro. Das Geld stammt von Bürgern aus Seehausen sowie der Umgebung und wurde von Susanne Bohlander und Katrin Baier akquiriert, die im Rat der Hansestadt Kommunalpolitik für die Fraktion Grüne/Linke machen. Einiges kam in der Spendenbox zusammen, die im Seehäuser Weihnachtsladen aufgestellt war. 50 Euro steuerte die Stendaler Kreisgruppe des BUND noch dazu.

Es ist mittlerweile die dritte Aktion dieser Art, die die beiden Frauen angeschoben haben, um der Seniorin unter die Arme zu greifen. Bislang nimmt sich offenbar nur die 79-Jährige des Problems an, die die Tiere als Mittel zum Zweck füttert und zutraulich macht, um diese mit Medikamenten bei Krankheiten oder gegen Parasiten zu versorgen beziehungsweise sie der Kastration zuzuführen, sofern das Geld dafür vorhanden ist.

Im Sommer hatte ein Seehäuser Bürger 1000 Euro für die tierärztliche Kastration von streunenden Katzen zur Verfügung gestellt. Das reichte laut Margot Schulze dafür, dass neun Katzen und fünf Kater nicht mehr unkontrolliert Nachwuchs in die Welt setzen.

Bilder

Laut Bohlander und Baier sei die momentane Situation vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Verbandsgemeinde Seehausen aus Kostengründen seit fünf Jahren nicht mehr mit dem Tierschutzverein Stendal, sondern mit der Stadt Wittenberge kooperiert, deren Partner Kastration von Katzen wiederum nicht im Portfolio hat.

Beide Damen haben sich schon mehrfach, aber erfolglos darum bemüht, ihre Mitstreiter im Stadtrat davon zu überzeugen, eine feste Summe in den Jahreshaushalt einzustellen, um die Vermehrung der Streuner einzudämmen. Dem Antrag stimmten am Ende nur die beiden Stadträtinnen bei zwei Enthaltungen zu.

Ähnlich unglücklich verlief auch der erste Versuch, die streunenden Katzen über die Links-Fraktion im Bau- und Ordnungsausschuss des Verbandsgemeinderates zu thematisieren und im Etat für 2021 vorerst ein Budget von 1000 Euro für die Kastration von Katzen einzustellen (wir berichteten).

Allerdings ließ der Ausschussvorsitzende Dieter Bolle (parteilos) bei der Gelegenheit auch durchblicken, dass sich das Fachgremium und damit vielleicht auch der Verbandsgemeinderat noch einmal tiefgründiger mit der Sache beschäftigen wollen.

Das lässt Susanne Boh­lander und Katrin Baier ebenso hoffen wie eine Verordnung des Landes Sachsen-Anhalt, die es den Gemeinden erlaubt, eine Kastrationspflicht für Katzen festzulegen. Einige Städte hätten das auch schon in die Tat umgesetzt. Wofür sich vielleicht auch in Seehausen eine Mehrheit finden lassen könnte. Schließlich sind die gleichen Kommunalpolitiker, die das Füttern der Katzen für kontra­produktiv halten, meist aber auch dafür, die Tierhalter mehr in die Pflicht zu nehmen.

Außerdem setzen Bohlander und Baier auf Zuschüsse, die es für Fang- und Kastrationseinsätze geben soll, die allerdings nur über Tierschutzvereine wie Stendal ausgereicht würden.

Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth (Frei Wähler) muss den Optimismus der beiden Damen als Verwaltungsbeamter indes etwas bremsen, weil die angekündigten Mittel auf alle Tierschutzvereine verteilt nur der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein wären. Überdies erinnert er daran, dass die Verbandsgemeinde mit dem Wechsel nach Wittenberge rund 10 000 Euro pro Jahr spare und die Versorgung von Fundtieren auf keinen Fall schlechter geworden sei. Und Fundtiere seien letztlich auch das, wofür die Kommunen eigentlich in der Pflicht stünden.