Beuster l Etliche Beusteraner erwarteten die Ankunft der neuen Glocke. Auf dem Pkw-Anhänger verzurrt, hatte diese die rund 400 Kilometer lange Reise in den Norden der Altmark gemacht. Sie kam am Mittwochabend am Ziel an. Die sogenannte Nikolaus-Glocke wird die größte in der altehrwürdigen Stiftskirche sein. Neben ihr befinden sich dann noch die Eickerhöfer- und die A-Glocke im Glockenstuhl.

Die St. Nikolaus-Kirche erhält ihr volles Geläut zurück. Wie auch in vielen Kirchen Deutschlands wurden in der Zeit des zweiten Weltkrieges Glocken zu Kanonenrohren umgegossen. So geschah es auch in St. Nikolaus, wo eine der Glocken im Jahre 1917 zerschlagen wurde und dem Schmelztiegel zum Opfer fiel. Den Gedanken nach einem Nachfolger für diese zerstörte Bronzeglocke gab es in Beuster schon lange.

Im vorigen Jahr nahm der Wunsch konkrete Formen an. Nachdem die Finanzierung geklärt war, wurde der Auftrag zur Herstellung der Glocke durch den Förderverein ausgelöst. Er ging an eine Glockengießerei in den Niederlanden. Der dortige Betrieb von Simon Laudy in Finsterwolde, gelegen in der Provinz Groningen unweit von Niedersachsen entfernt, wurde deshalb mit dem Auftrag betraut, weil er schon mehrfach für altmärkische Gotteshäuser, beispielsweise in Stendal und Salzwedel, Glocken zur vollsten Zufriedenheit gefertigt hat.

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Zusätzlich war auf dem Anhänger auch noch die Form für eine kleine Uhrschlagglocke, die beim Glockenfest in der Öffentlichkeit gegossen werden soll, verstaut. Nach der Begrüßung der weitgereisten Gäste ging es an das Abladen der beiden Gebilde. Dazu wurde in Hängernähe ein kräftiges Dreibein aufgebaut, mit dessen Hilfe und eines Kettenflaschenzuges ein Anheben möglich war. Mittels eines Hubwagens wurden dann die 828 Kilogramm schwere Glocke und die etwas leichtere Form in den Turmraum transportiert. Die Glockenbronze besteht zu 80 Prozent aus Kupfer und 20 Prozent aus Zinn. Die Gießtemperatur liegt bei etwa 1100 Grad Celsius, wie der Glockenbauer betonte.

Am Sonnabend und Sonntag sind Besucher auf das Areal um St. Nikolaus eingeladen, dem Glockenfest und dementsprechend den Guss der Uhrschlagglocke beizuwohnen. Aber auch gestern und heute sind die Fachleute mit vielen Arbeiten beschäftigt. „Voller Bewunderung“ ist Fördervereins-Vorsitzender Volker Stephan aufgrund der Akribie, die die ausführende Firma an den Tag legt und legen muss. Schließlich muss das Duo - die neu gegossene Nikolaus-Glocke und die bereits seit einigen Jahren in Beuster gelagerte Eickerhöfer Glocke – in den Glockenstuhl gezogen werden. Sie nehmen den Platz nehmen der einzigen vom ursprünglichen Geläut noch erhaltenen A-Glocke ein. So wie es vor 1917 war.

Am Sonnabend können die Gäste den Fachleuten beim Guss der Uhrschlag-Glocke (eine vierte Glocke) über die Schulter schauen. Ab 18 Uhr wird der Ofen (direkt vor der Kirche) angefeuert. Bereits ab 14 Uhr werden Getränke angeboten, ab 18 Uhr zusätzlich eine warme Suppe. Ein Festgottesdienst findet am Sonntag statt. „Mit Pfarrer Christian Buro und Superintendent Michael Kleemann werden wir das Geläut feierlich in Dienst stellen“, blickt Stephan freudig den Sonntag entgegen.

Dank der Unterstützung durch die Kreissparkasse Stendal ist es in Verbindung mit der Osterburger Sparkassenstiftung gelungen, der St. Nikolaus-Kirche ihr volles Geläut zurückzugeben.