Osterburg l Das Anliegen, eine Erinnerung an die Familie Less und ihr Schicksal in der Nazizeit zu schaffen, hat sich am Dienstag erfüllt. Durch Gunter Demnig. Der Bildhauer rückte Granitsteinen im Osterburger Gehweg-Pflaster mit Flex sowie Stemmhammer zu Leibe und schuf Platz für fünf Stolpersteine. Die mit Messingplatten versehenen Steine, auf denen die biografischen Daten von Moritz Less, seiner Ehefrau Rosa sowie den drei Töchtern Ruth, Lieselotte und Hildegard eingraviert sind, fanden ihren Platz an der Breiten Straße 54. Und damit vor dem Wohn- und Geschäftshaus, in dem die Familie bis zu ihrer Flucht aus Osterburg lebte.

Demnig wurde von Osterburger Gymnasiasten in die Biesestadt gelotst. Diese haben sich seit Frühjahr 2015 mit der Familie Less beschäftigt. Und die Aktion mit den Stolpersteinen initiiert. Steine, die nicht die Beine von Passanten ins Straucheln bringen sollen, sondern sie gedanklich über das Schicksal der Osterburger Familie „stolpern“ lassen und so die Erinnerung an die Nazizeit wachhalten.

Das wünscht sich auch Jacqueline Näbsch. Sie gehörte zu der Schülergruppe, die innerhalb des Projektes „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ auf Spurensuche ging. Die Seehäuserin hat das Gymnasium zwar im Sommer mit dem Abitur in der Tasche verlassen, übernahm am Dienstag aber gern noch einmal einen aktiven Part. Näbsch berichtete aus dem Leben der Familienangehörigen.

Nickend verfolgte Erhard Heising ihre Ausführungen. Der Senior war eigens aus seinem Wohnort Köln gekommen, um beim Verlegen der Stolpersteine dabei zu sein. Er reiste dabei ein Stück weit in die eigene Vergangenheit. Heising ist gebürtiger Osterburger und im Haus der Familie Less aufgewachsen. „Das waren hochanständige, sehr geachtete Leute“, blickte er zurück. Heising war von den Stolpersteinen berührt. „Eine tolle Aktion.“ Das empfanden auch Bürgermeister Nico Schulz und Ortsbürgermeister Klaus-Peter Gose so. Beide lobten die Initiative des Gymnasiums. Lehrer Fabian Kröhnert dankte im Gegenzug der Kommune und nannte weitere Unterstützer. Wie Tiefbauer Daniel Köhler, Frank Hoche vom Kreismuseum und den Polkauer Verein „Die Schmiede“.

Ein Präsent erhielt auch Gunter Demnig. Der schwang sich danach schnell wieder in sein Fahrzeug. Die nächsten Stolpersteine verlegte der Bildhauer nur kurze Zeit später in Wolmirstedt.