Werben l Wie vom Nabu erbeten, hat Inga Haase die tote Blaumeise in dieser Woche in eine Tüte gesteckt und als Paket an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin nach Hamburg geschickt. Bis das Ergebnis da ist, werde die „hochfrequentierte Wasserstelle“ der Werbenerin geschlossen bleiben. Sicher ist sicher.

Für das in vielen Teilen Deutschlands grassierende Blaumeisensterben, von dem Inga Haase gelesen hatte, konnte der Nabu in dieser Woche die Ursache vermelden. Danach handelt es sich um das Bakterium Suttonella ornithocola, das bei betroffenen Vögeln eine Lungenentzündung verursacht. Die Identität des Erregers sei am Dienstag von mehreren Landesuntersuchungsämtern vermeldet worden. „Damit bestätigt sich der Verdacht, den Nabu-Experten bereits seit einiger Zeit hegten“, heißt es von der Organisation. Das Bakterium ist seit 1996 bekannt und wurde erstmals in Großbritannien beschrieben, seit 2018 wurden zunächst in geringem Umfang auch Infektionen in Deutschland gemeldet. Seit März dieses Jahres indes werden aus vielen Gärten Deutschlands vermehrt Blaumeisen gemeldet, die krank wirken und schnell sterben. Sie reagieren nicht mehr auf ihre Umwelt, sind aufgeplustert, mitunter mit verklebten Augen und ausgefallenem Kopfgefieder. „Sie wirken, als hätten sie Atemprobleme, manche als hätten sie unstillbaren Durst“, schreibt der Nabu. Seit Anfang April ruft er dazu auf, Verdachtsfälle dieses Phänomens über ein Online-Formular mitzuteilen. Bis Dienstag seien innerhalb von nur zwölf Tagen fast 14 000 Fälle gemeldet worden, die etwa 26 000 Vögel betreffen. Es gibt eine deutliche Häufung vom Saarland bis Rheinland-Pfalz über das südliche Nordrhein-Westfalen und Hessen bis nach Thüringen sowie im westlichen Niedersachsen und und im Norden von Nordrhein-Westfalen. Auch in Brandenburg wurde ein Fall bestätigt, für Sachsen-Anhalt gibt der Landesverband eine Hand voll Anrufe an, die sich auf krank wirkende Blaumeisen beziehungsweise Totfunde beziehen. Doch nicht immer müsse es sich dabei um den genannten Erreger handeln. „Auch in Sutonella-Zeiten versterben Vögel selbstverständlich auch an anderen Krankheiten.“

Von der Krankheit betroffen sind vor allem Blaumeisen, in einzelnen Fällen auch Kohlmeisen und andere kleine Singvögel. Was wiederum zur Erfahrung von Inga Haase passen würde. Denn zwei tote Spatzen und eine Blaumeise an selber Stelle in kurzer Zeit – das hatte sie so vorher nicht erlebt.

Bilder

Für die Fotografin war klar, dass sie die Erforschung des Phänomens unterstützen möchte. So folgte sie der Empfehlung des Nabu, den Vogel einzuschicken. „Ich hoffe, dass die Einsendung weitere Aufschlüsse über die Krankheiten geben kann.“ Wenn es sich nicht um den Virus handelt, werde Inga Haase sofort die Vogeltränken wieder herausstellen. Weil auch die Vögel bei dieser Trockenheit durstig sind und es einfach zu schön sei, das Treiben zu beobachten.