Seehausen l Bei der ersten Veranstaltung im Jahr 2020 zog es die Mitglieder und Unterstützer der Initiative „Seehausen links“ auf die Straße beziehungsweise auf den Postplatz der Hansestadt. Getreu dem Motto „sich interessieren und einmischen“ nutzten sie den Publikumsverkehr beim Wochenmarkt, um Unterschriften für ein Volksbegehren gegen Lehrermangel, Stundenausfälle und verkürzte Unterrichtstage zu sammeln.

Falls die erforderlichen rund 170.000 Unterschriften (neun Prozent aller Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt) zusammenkommen, müssen sich Regierung und Landtag mit dem Schulgesetz auseinandersetzen. Der Stadtelternrat Magdeburg hatte das Ziel jüngst kurz und knackig so formuliert: „Wir brauchen feste Personalschlüssel im Schulgesetz. Damit hinge die Anzahl an Pädagogen von der Menge an Schülern ab und nicht mehr von Koalitionsverhandlungen, der politischen Großwetterlage oder dem Goodwill des Finanzministers.“ Wovor wiederum Bildungsminister Marco Tullner (CDU) warnt, weil dann binnen kurzer Zeit Tausende Lehrer eingestellt werden müssen. Und da wäre die Forderung nach pädagogischen Mitarbeitern und Schulsozialarbeitern noch gar nicht berücksichtigt.

Für Seehausen kann Bernd Kloss, Kopf der Links-Initiative und Mitglied im Verbandsgemeinderat, die Forderung nur unterstützen. Konkrete Zahlen für die Grundschule Groß Garz oder die Grund- und Gemeinschaftsschule Seehausen konnte er indes nicht in Erfahrung bringen, weil die Lehrer bekanntlich einen Maulkorb verpasst bekommen hätten. Aber der Mangel sei auf jeden Fall greifbar. Und auch, wenn die vom Bildungsminister vor ein paar Tagen ins Spiel gebrachten neuen Mindestschülerzahlen vielleicht nur ein Versuchsballon waren und die Zukunft der Gemeinschaftsschule Seehausen vorerst doch noch nicht zur Debatte steht, fand er den Protest vom Stadt- und vom Verbandsgemeindebürgermeister in einem Volksstimme-Gespräch richtig, weil der ganz offensichtlich wahrgenommen werde, wie die postwendende Reaktion aus Magdeburg zeigte.

Mit der Resonanz auf die dreistündige Unterschriftenaktion zum Wochenmarkt waren Kloss und seine Mitstreiter ganz zufrieden. 130 Passanten folgten der Aufforderung oder steuerten selbst den Stand der Initiative an. Die neun Prozent auf die Wahlberechtigten der Verbandsgemeinde hochgerechnet, kommt Bernd Kloss auf etwa 850 Unterschriften. Die sollen bis Ende Juni gesammelt sein. Dafür liegen unter anderem in Geschäften und bei Vereinen weitere Listen aus. Wobei jeder potenzielle Unterstützer unbedingt beachten sollte, dass er nur einmal unterzeichnen darf und für diese Listen seinen Hauptwohnsitz in der Verbandsgemeinde Seehausen haben muss. Leserlich sollte der Name auch sein. Das Geburtstdatum sowie der Wohnort dürfen ebenfalls nicht fehlen, sonst wäre die Unterschrift umsonst.

In den kommenden Wochen werde es noch genügend Gelegenheiten geben, den Protest im wahrsten Sinn fortzuschreiben. Unter anderem bei einer Diskussions-Veranstaltung unter dem Titel „Den Mangel beenden! Kindern eine Zukunft geben“, die noch im Februar mit der ehemaligen Landtags-Vizepräsidentin Helga Paschke (Die Linke) geplant ist. Der Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben.