Rossau l „Ohne Lutz Bornemann würde es den Verein so wie heute nicht geben.“ Das steht nicht nur für den Trainer der ersten Männermannschaft des Rossauer SV fest. Christian Schulze weiß, wovon er redet. Zwar gab es vor der Wende schon mal eine Fußballabteilung bei BSG Traktor Rossau, aber die war spurlos verschwunden. Neben seiner Mannschaft, mit der Lutz Bornemann nach der Zeit beim SV Blau-Weiß Gladigau auf dem Spielfeld der Gladigauer kickte, entstanden in Rossau Ende der 1995er Fußballplatz mit Flutlicht und modernisiertes Sportlerheim. Bornemann war treibende Kraft, bis heute ist er Ansprechpartner für jedermann.

Etwas Neues aufbauen

„Anfangs hatte ich vor allem als Spieler Interesse daran. Warum in Gladigau spielen, wenn wir doch für den Rossauer SV antreten können?“ Das war Bornemanns Motivation, den Fußball in Rossau wieder aufleben zu lassen. Er wollte etwas Neues aufbauen. Viele Rossauer spielten für Gladigau, andere Dorfbewohner sagten: „Wenn Rossau eine eigene Mannschaft hätte, würden wir auch wieder Fußball spielen.“ Gemeinsam mit Mario Meyer zählte Bornemann durch, alles sprach für Fußball in Rossau. Während der Platz hergerichtet wurde, trugen die C- und D-Jugend des Dorfes die Punktspiele noch in Gladigau aus. Unter Karl Kaufmann formierte sich indess die 1. Männermannschaft, die zuerst in Flessau trainierte. Die ersten Punktspiele folgten 1996 auf dem eigenen Fußballfeld. Jörg Lindstedt trat in die Fußstapfen von Kaufmann.

Auf das Konto von Christian Schulze, besser bekannt als „Klippe“, gehen ebenfalls Erfolge des Vereins. Führte er doch die Mannschaft von der E-Jugend bis zur 1. Männermannschaft und zum Kreismeistertitel 2019. Dabei landete er eher durch Zufall beim Rossauer SV.

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Dorfkind oder Stadtkind

„Ich bin von Hamburg geheilt“, gibt er zu und denkt dabei an seine Zeit als Abwehrspieler für den Verein Komet Blankenese. Das erklärt auch seinen Spitznamen „Klippe“. „Den hat er bekommen, weil er mal ein paar Tage in Hamburg gelebt hat“, bemerkt Lutz Bornemann schmunzelnd.

Die Bande zu den Großeltern in Lückstedt war für den heute 37-Jährigen einfach stärker. „Du bist entweder Stadtmensch oder Dorfkind“, sagt „Klippe“. In seinem Nachbarn Marcus Hedermann fand er mit 19 gleich Anschluss an das Rossauer Fußballteam, stieg als Spieler ein und lernte Lutz Bornemann kennen. Gemeinsam mit Hedermann ging es zum Training. Acht Jahre lang. Nebenbei fing er an, den Nachwuchs unter seine Fittiche zu nehmen und löste 2007 schließlich Daniel Rathmann und Wolfgang Hedermann als Trainer ab, baute von E- bis B-Jugend auf. Mit einem starken Ergebnis: Zwei Jahre war die B-Jugend für Rossau sogar das Aushängeschild in der Landesliga.

Aufstieg in die Landesklasse

2011 wurde Christian Schulze nach Ricardo Wiesner Coach der 1. Männermannschaft und nahm einen Großteil aus der Jugend mit. Parallel dazu betreute er in der Saison 2010/11 noch die 2. Männermannschaft, bis Daniel Köppe kam. „Wir haben ihn natürlich beim Erwerb der Trainerscheine unterstützt, aber man muss schon sagen, dass er mit seiner ruhigen Art als Trainer extrem gut ankommt. Den Aufstieg in die Landesklasse hat er jahrelang akribisch vorbereitet“, so Bornemann. Unter Coach Torsten Garz, der zwölf Jahre die Männer trainierte, war Schulze als Spieler 2010 schon knapp am Kreismeistertitel vorbeigeschrammt. Die Rechnung war für ihn noch lange nicht beglichen. Bis 2019.

Vor sechs Jahren stieß als Spieler Robert Vorlop vom SV Eintracht Walsleben dazu. Noch einer, der für den Fußball lebt. Durch seine Mutter Kerstin Vorlop, jahrelang Vorsitzende des SV Eintracht, eindeutig vorbelastet. Auf dem Fußballfeld hat er Christian Feger an seiner Seite, der jede Etappe des Vereins, von der E-Jugend 1996 bis zum Kreismeistertitel, in Rossau mitgemacht hat, ja sogar nach wie vor in der 1.  Männermannschaft mitspielt. 25 Jahre.

Noch Luft nach oben

Vor wenigen Wochen begann wieder das Training. Anfang August machte die Mannschaft mit einem 5:0 gegen Rot-Blau Sanne im Testspiel klar, dass sie sich den Kreismeistertitel verdient hat. Gegen den TuS  Wahrburg hätte sich Bornemann allerdings zumindest ein Unentschieden gewünscht. „Es ist noch Luft nach oben“, sagt Christian Schulz und fügt hinzu: „Da fällt mir auf, ich bin länger Trainer in Rossau als ich Spieler war.

Indes läuft der 49-jährige Bornemann dem runden Leder mit den Alten Herren immer noch hinterher, half bis letztes Jahr auf dem Platz in der 2. Männermannschaft aus. Trotz der vielen Jungen, er könne vom Fußball halt nicht lassen.

Um die Zukunft des Vereins ist ihm nicht bange. Seit 15 Jahren steht er an der Spitze des Rossauer SV. „Wir machen gute Nachwuchsarbeit und haben die zwischenzeitliche Flaute der Jugend durch den Wechsel zu den Männern überwunden. Angefangen haben wir 1995 mit zwei Jugendmannschaften. Heute sind von 170 Vereinsmitgliedern etwa 20 in der Abteilung Tischtennis. Der Rest spielt Fußball. Und das bei 360 Einwohnern“, zählt Borneman stolz zusammen.

„Beim nächsten Heimspiel am 6. September gegen Uchtspringe kommt endlich unsere neue Lautsprecheranlage zum Einsatz, die wir Anfang des Jahres montiert haben“, kündigt der Vereinschef an. Ansonsten hält Platzwart Rüdiger Voigt alles gut in Schuss. Und Christian Schulze bleibt seiner Männermannschaft treu, auch wenn er inzwischen in Haldensleben arbeitet. Er habe schließlich noch einen Koffer in Lückstedt.