Heiligenfelde l An den Tag der Währungsunion vor 30 Jahren hat jeder seine ganz persönliche Erinnerung. Die von Bernd Prange ist besonders. Am 1. Juli 1989 hat der Heiligenfelder nämlich als 21-Jähriger seine eigene Firma gegründet.

Nachdem er das 20-jährige Unternehmensjubiläum groß gefeiert hatte, ging die „25“ ein bisschen unter. Das Fest zum 30. wurde jetzt ein Opfer der Corona-Pandemie. Ob es die Kies- und Transportfirma nach 40 Jahren in der Form noch geben wird, steht derzeit in den Sternen. Nicht etwa, weil die Geschäfte schlecht laufen, sondern weil Prange dann straff auf das Alter zusteuert, wo man intensiv den Ruhestand plant. Dass eines der beiden Kinder in der Firma einsteigen wird, scheint bisher eher unwahrscheinlich zu sein.

Da der gelernte Agro-Chemiker für sein Geschäft kein großes Anlagevermögen in Form einer Firmen-Immobilie oder Spezialtechnik schaffen musste, sieht er das relativ locker. Wichtiger scheint dem gebürtigen Altmärker zu sein, dass seine drei Fahrer, die alle nur ein paar Schritte bis zur Firmenzentrale gehen müssen, auch weiter rund ums Jahr ihr Auskommen haben – im Idealfall bis zur Rente. Neben Klaus-Dieter Rodenbeck, der das Ziel schon etwas dichter vor Augen hat, sind das die Brüder Mario und Guido Muschke, die von der ersten Stunde an dabei und treu geblieben sind.

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Start mit DDR-Technik

Sie können sich noch bestens an die erste Investition Pranges in einen Lkw W 50 und einen Bagger vom Typ T 174 erinnern. Mit der DDR-Technik wurden Abrissarbeiten erledigt, Bankette geräumt, Erdarbeiten und Transporte erledigt. Nicht zu vergessen Winterdienst auf Landes- und Kommunalstraßen, der von Anfang an zum Angebot der Firma gehörte. Dass die kalte Jahreszeit in Zeiten des Klimawandels immer öfter ausfällt, ist zumindest aus unternehmerischer Sicht das kleinere Übel. Denn wenn die Winter mild sind, legen die Baufirmen, für die der Heiligenfelder als Subunternehmer tätig ist, weniger Pausen ein.

Ein Selbstläufer sei das Geschäft bei aller Kontinuität allerdings nie gewesen, erinnert sich Prange. Mit den Transportfirmen sei es nach der Wende in Ostdeutschland ein bischen wie mit den Schnellimbissen gewesen. Die schossen wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden. Erst mit den Jahren sortierte sich der Markt.

Wobei er immer bodenständig bleiben wollte. Was die überschaubare Größe seiner Firma und deren Wirkungskreis ebenso betraf wie sein persönliches Auftreten. Während andere schon auf Nobelkarossen setzten, fuhr der Jungunternehmer bei potenziellen Auftraggebern noch mit dem Trabbi vor.

Zeit für Ehrenämter

Für kleine Touren zwischendurch, für den Winterdienst und nicht zuletzt für Sponsoren-Fahrten setzt sich Prange auch heute noch gern hinters Lkw-Lenkrad. Meist kümmert er sich aber ums Geschäft und ist froh, dass ihm das genug Zeit für seine Ehrenämter lässt. So ist er seit 26 Jahren Bürgermeister – erst von Heiligenfelde, seit 2010 der „Altmärkischen Höhe“. Er saß von Anfang an im Verbandsgemeinderat – davor im Ausschuss der Verwaltungsgemeinschaft Seehausen und engagiert sich im Stendaler Kreistag. Seine politische Heimat ist seit 1992 die CDU. Die Reihen der Heiligenfelder Feuerwehr verstärkte er schon als Halbwüchsiger.

Obwohl das 30-jährige Firmenbestehen nicht besonders gefeiert wird, konnte er sich am Tag vor dem Jubiläum über ein großes Geschenk freuen. Seine Tochter brachte ein Mädchen zur Welt und macht Bernd Prange damit zum Opa.