Osterburg l 27,4 Prozent ihrer insgesamt 624 Wohnungen stehen leer – 2021 investiert die Wohnungsgesellschaft dennoch in neue Appartements. An der Wallpromenade 23 nimmt sich die kommunale Tochtergesellschaft ein aktuell leerstehendes Wohnhaus vor. In dem gegenüber der Volkssolidarität gelegenen Gebäude sollen vier Wohnungen hergerichtet werden, zwei davon altengerecht.

Diese Investition, auf die perspektivisch eine Wohnbebauung auf dem früheren Kino-Grundstück folgen könnte, steht für den Wohnungsgesellschafts-Geschäftsführer Rüdiger Mallohn nicht im Widerspruch zu den unvermieteten Appartements, über die die Wohnungsverwalterin hauptsächlich in den Quartieren An der Golle sowie Altneubaugebiet verfügt. Es gebe in der Biesestadt eben Bedarf an anderem, individuellem Wohnraum „abseits der Platte, ohne letzteren damit schlechtmachen zu wollen“, begründete Mallohn jüngst vor den Osterburger Stadträten. Und diese Marktnische müsse eben auch die Wohnungsgesellschaft besetzen, fügte er hinzu.

Investitionen wie in neuen Wohnraum wären für das Unternehmen, das neben den eigenen Appartements auch 228 Wohnungen im Auftrag anderer Besitzer verwaltet, aber nur per Darlehen machbar. Denn der finanzielle Spielraum der Gesellschaft sei derzeit auf rund 400 000 Euro begrenzt, die für laufende Instandsetzungen und Sanierungen ausgegeben werden.

Abgesehen davon, dass die Wohnungsverwalterin nach wie vor sogenannte Altschulden begleichen muss, habe auch der hohe Leerstand finanzielle Konsequenzen. Weil 27,4 Prozent ihrer Wohnungen nicht vermietet seien, werde der Erlös der Gesellschaft um rund eine halbe Million Euro geschmälert, so Mallohn.

Der Geschäftsführer macht den hohen Bestand an leerstehenden Wohnungen an Gründen wie den nach seiner Einschätzung immer noch unzureichenden Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten in der Region fest. Einwohner würden deshalb in Ballungsgebiete abwandern, die Bevölkerungszahl schrumpfe stetig weiter.

Mit Blick auf die schwierigen Rahmenbedingungen sei klar, „wir müssen den Wohnungsbestand verringern“. Einen Rückbau könne die Gesellschaft aus eigener fi­nanzieller Kraft aber nicht bewerkstelligen. Voraussetzung wäre ein entsprechendes Förderprogramm des Landes, das den Abriss unterstützt, äußerte Rüdiger Mallohn. Vorerst will die Wohnungsverwalterin aber eine kostengünstigere Alternative zur Wohnraum-Reduzierung in die Tat umsetzen. Im Block Fröbelstraße 10-12 legt die Gesellschaft Anfang 2021 die beiden obersten Etagen still. So dürften ein paar Wohnungen vom Markt genommen werden.

Abseits der Bestrebungen, den Bestand zu verringern, unternimmt die Gesellschaft aber auch Anstrengungen, um ihren Wohnungsbestand aufzuwerten. An den Eingängen 2 und 3 der Werner-Seelenbinder-Straße lässt sie beispielsweise zwei neue Aufzüge errichten. Mit dieser Investition erhofft sich die Vermieterin, Appartements in den oberen Etagen für Senioren besser erreichbar und damit attraktiver zu machen, zumal die Fahrstühle auf den Wohnungsetagen halten. Die Arbeiten an den Aufzügen stehen kurz vor dem Abschluss.

Jahr für Jahr investiert die Gesellschaft zudem in die Sanierung ihrer Appartements. Seit 1991 hat sie insgesamt 25,5 Millionen Euro für Modernisierung und Instandsetzungsvorhaben ausgegeben. „Die enorme finanzielle Kraftanstrengung“, wie der Geschäftsführer äußerte, liest sich am Zustand der Wohnungen ab. 542 der insgesamt 624 Appartements sind vollsaniert.

Dennoch stellt sich Rüdiger Mallohn darauf ein, dass eine neue „Sanierungswelle“ auf die Gesellschaft zukommt. Die großen Komplettsanierungen habe die Wohnungsverwalterin schließlich bereits seit Mitte der 90er Jahre in die Tat umgesetzt. Und das sei nun auch schon 20 Jahre und länger her, machte der Geschäftsführer deutlich.