Landwirtschaft

140 Rehkitze auf Flächen der Einheitsgemeinde Salzwedel vor dem Mähtod gerettet

Nach Schätzung der Deutschen Wildtier-Stiftung fallen jedes Jahr ungefähr 90.000 Rehkitze der Grünlandbewirtschaftung zum Opfer. In der Einheitsgemeinde Salzwedel haben es sich Jäger und Landwirte zur Aufgabe gemacht, die Jungtiere zu retten.

Von Malte Schmidt
Ein Rehkitz, welches sich im hohen Gras versteckt: Ohne Hilfe wäre es bei Mäharbeiten entweder schwer verletzt oder getötet worden.
Ein Rehkitz, welches sich im hohen Gras versteckt: Ohne Hilfe wäre es bei Mäharbeiten entweder schwer verletzt oder getötet worden. Foto: Heiko Genthe

Salzwedel - Wenn Heiko Genthe davon erzählt, dass in diesem Jahr 140 Rehkitze vor dem Mähtod gerettet werden konnten, dann merkt man dem Landwirt und Jäger an, dass es ihm eine Herzensangelegenheit ist. Als Produktionsleiter der Tier- und Saatzucht GmbH Mahlsdorf kennt er die jährliche Problematik. 

Rehkitze werden zwischen Ende April und Anfang Juli geboren. In dieser Zeit mähen die Landwirte auch ihre Flächen. Erbarmungslos schneiden sich die Mähwerke durch das hohe Gras der grünen Wiesen. Rehkitze, die im hohen Gras liegen, sind dem sicheren Tod geweiht oder werden durch das Mähwerk verstümmelt.

Chris Hensel, Karsten Plönnigs, Fritz Köppen, Christian Schappler, Florian Fritzsche und Lutz Kufahl waren bei der Aktion dabei.
Chris Hensel, Karsten Plönnigs, Fritz Köppen, Christian Schappler, Florian Fritzsche und Lutz Kufahl waren bei der Aktion dabei.
Foto: Heiko Genthe

Eigentlich will die Mutter, die Ricke, ihren Nachwuchs bevorzugt im schützenden, hohen Gras ablegen. „Hintergrund ist der natürliche Drückreflex, der das Neugeborene vor Fressfeinden schützen soll“, weiß Heiko Genthe. 

Aber genau das wird den Kitzen zum Verhängnis. Denn ein Landwirt kann die Tiere beim Mähen unmöglich vom Traktor aus erkennen. Nach Schätzung der Deutschen Wildtier-Stiftung fallen jedes Jahr ungefähr 90 000 Rehkitze der Grünlandbewirtschaftung zum Opfer. Um den Kitzen diese Qual zu ersparen, haben sich Jäger in diesem Jahr zusammengeschlossen. Rund 500 Hektar Land konnten mit einer Drohne, die mit einer Wärmebildkamera ausgestattet ist, nach Rehkitzen abgesucht werden.

Einsatz erstmalig

Dafür war der in Cheinitz wohnende Jäger Karsten Plönnigs im Einsatz. Unterstützt wurde er von den Waidmännern Chris Hensel, Fritz Köppen, Christian Schappler, Florian Fritzsche, Lutz Kufahl und Heiko Genthe. „Der Einsatz mit der Technik und dem Team war in diesem Jahr erstmalig“, berichtet Genthe.

Doch wie läuft eine Rettungsaktion ab und in welchem Zeitraum?  Heiko Genthe erzählte, dass die anderen Jäger und er für zwei Wochen täglich um 3 Uhr auf den zuvor abgesprochenen Feldern gestanden hätten. „Wir waren dann immer mit vier bis sieben Leuten unterwegs”, so Genthe.

Während Karsten Plönnigs die Drohne über das Grünland flog, begaben sich die anderen Helfer in das Feld. „Mit einem Handy hat er uns an den Ort navigiert, an dem er mit Hilfe der Wärmebildkamera ein Rehkitz entdeckt hat”„ schildert Heiko Genthe. Dann musste alles schnell gehen. Zunächst wurde ein luftdurchlässiger Wäschekorb über das Jungtier gelegt. Dieser wurde mit Weidepfählen befestigt. Auf einen der Pfähle wurde ein blauer Gummihandschuh gestülpt: „Damit die Mitarbeiter bei den Mäharbeiten die Stellen sehen”, erklärt Genthe. Um diese wurde dann einfach herumgeschnitten.

Drohnenbilder nicht immer eindeutig

Dabei kam auch ein Kescher zum Einsatz. „Wir können anhand der Drohnenbilder nicht immer gleich erkennen, ob es ein frisch geborenes Rehkitz ist oder ob es schon etwas älter ist“, merkt Genthe an. Denn etwas ältere Rehkitze würden auch weglaufen. Mit dem Kescher konnte das verhindert werden.

Nach den Mäharbeiten wurden die Utensilien einfach wieder abgebaut und die Rehkitze freigelassen. Die Ricken hätten dann oft schon am Waldrand gestanden und darauf gewartet, ihre Jungtiere abholen zu können. In erster Linie war die Aktion für den Reh-Nachwuchs ein voller Erfolg. Aber auch für die Jäger, wie Heiko Genthe einschätzte. Auch im kommenden Jahr wollen sie Rehe mit dieser Art und Weise retten.

Die Wäschekörbe wurden mit Weidepfählen am Boden befestigt. Ziel war es, dass die Rehkitze für die Zeit der Mahd in Sicherheit sind.
Die Wäschekörbe wurden mit Weidepfählen am Boden befestigt. Ziel war es, dass die Rehkitze für die Zeit der Mahd in Sicherheit sind.
Foto: Heiko Genthe