Salzwedel l Doch die Realität bei der Elternzeit zeigt: Zurück in den Job ist alles andere als einfach – auch nicht in Salzwedel.Über die Geburt eines Kindes freuen sich naturgemäß nicht nur die Eltern und deren Verwandten, sondern auch Politiker und Kommunen. Schließlich wird mit der Geburt eines neuen Erdenbürgers auch etwas gegen den demografischen Wandel getan. Denn die Menschen werden immer älter, es fehlt an qualifiziertem Nachwuchs in der Berufswelt. Und das ist auch in der Altmark und in Salzwedel so.

"Stille Reserve"

Doch was geschieht, wenn nach der Elternzeit der Wunsch oder die Notwendigkeit besteht, wieder arbeiten zu gehen und Geld zu verdienen? Vielfach erwartet die Mutter oder den Vater erst einmal Frust. Denn es gibt immer noch zu wenige Firmen, die sich auf die Bedürfnisse der Familien mit Kind einstellen. Sogenannte „Mutti-Schichten“ gibt es immer noch zu wenige, obwohl sie in vielen, allerdings nicht allen, Branchen verwirklicht werden könnten, weiß Jennifer Emmrich, Wiedereinstiegsberaterin und Projektkoordinatorin „Stille Reserve“ der Agentur für Arbeit Stendal. Sie betreut in Salzwedel Frauen und Männer, die nach der Elternzeit wieder in den Beruf wollen.

Stimmt der Markt, steigt die Hoffnung

Zur „Stillen Reserve“ gehören laut Arbeitsagentur Frauen und Männer, die momentan ohne Beschäftigung sind, aber generell dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Sie interessieren sich dafür, wieder zu arbeiten, sind aber bei der Arbeitsagentur nicht registriert – etwa weil sie bisher keine Leistungen beziehen. Es sind auch Menschen darunter, die die Arbeitssuche aus verschiedenen Gründen aufgegeben haben, aber bei guter Marktlage Arbeitsplätze nachfragen würden.

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Verena P. (Name geändert) aus Salzwedel ist 31 Jahre. Vor der Geburt ihrer inzwischen 14 Monate jungen Tochter arbeitete sie im Vertrieb/Verwaltung im Einzelhandel in Salzwedel. Alles passte. Dann der Einschnitt. Denn als die junge Mutter wieder arbeiten wollte, war ihre Filiale inzwischen verkauft worden, hatte einen anderen Besitzer. Und der war nicht bereit, auf die Wünsche der jungen Mutter einzugehen. Die Suche nach einer Alternative gestaltete sich schwierig. „Mit einem kleinen Kind sind Anfahrtswege von 45 Minuten pro Strecke einfach nicht zu machen“, sagt die junge Frau im Gespräch mit der Volksstimme. Ihr Mann, 37, ist selbstständig, hat unregelmäßige Arbeitszeiten und sucht selbst einen neuen Arbeitsplatz.

Umschulung ist eine Möglichkeit

Gemeinsam mit Verena P. sucht Jennifer Emmrich nach einer Strategie. Dabei geht es nicht nur um die Suche nach einem Arbeitgeber, sondern auch um die Möglichkeit einer eventuellen Umschulung. „Wir erarbeiten ein Profil und schauen dann, was in Frage kommen könnte“, erklärt Emmrich. Das könne eine Weiterbildung sein oder auch ein spezielles Coaching. Inzwischen hat die junge Mutter mit der Probearbeit in einem Immobilien-Büro nahe der zukünftigen Kita begonnen. Während dieser Zeit passt die Oma auf die Tochter auf. Ihr Mann hat unterdessen von Jennifer Emmrich eine E-Mail mit Veranstaltungen und Ansprechpartnern bekommen, die ihm Input für seine Unternehmung geben können.

„Außerdem haben wir bereits ein Unternehmen angeschrieben, das Bedarf signalisiert hat“, berichtet Emmrich. Zusätzlich erhielt er einen Termin bei der Weiterbildungsberaterin der Agentur für Arbeit. Dabei sollen beide Wege – Selbstständigkeit und Angestelltenverhältnis – noch einmal besprochen werden.

Sicher ist: Insgesamt gibt es noch Potenziale seitens der Unternehmen der Region, sich noch mehr auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmer einzustellen. Nur so könne dem Engpass bei den Fachkräften begegnet werden, ist Emmrich überzeugt. Unternehmen, die hier bereits die Vereinbarkeit von Familie und Beruf anbieten, hätten bei der Suche nach qualifizierten und engagierten Fachkräften weit weniger Probleme.

Dass die Wiedereingliederung trotz aller Probleme aber auch klappen kann, das zeigt das Beispiel von Verena P.. Denn sie hat mittlerweile einen neuen Arbeitsvertrag bekommen.