Arendsee l Die nicht öffentliche Stadtratssitzung am Dienstagabend hatte nur einen einzigen Tagesordnungspunkt: eine Liquiditätshilfe für die angeschlagene Luftkurort Arendsee GmbH. Geschäftsführer Michael Meyer hatte 20 000 Euro beantragt, um die Finanzlücke zu überbrücken. Für die Entscheidung war Eile geboten, weil Rechnungen zu begleichen und Löhne auszuzahlen sind. „Der Beschluss fiel sogar einstimmig aus – alle 21 Stadtratsmitglieder waren anwesend und stimmten dafür“, erklärte Bürgermeister Noman Klebe im Pressegespräch.

Schlechtes Wetter im Frühjahr

Der Wirtschaftsprüfer habe die finanzielle Lage der GmbH eingeschätzt und dargestellt, dass es unter anderem wegen der ausstehenden Pachteinnahmen vom Campingplatz zu einer Budgetlücke im GmbH-Haushalt gekommen sei. „Das ist aber für uns keine unerwartete Situation, denn das Problem war auch schon im vergangenen Jahr aufgetreten“, kommentierte Klebe die Lage.

„Der Betrieb ist äußerst witterungsabhängig“, so Klebe weiter. In diesem Jahr seien die im Mai und Juni ausgebliebenen Einnahmen Ursache der Misere. „Das konnte auch durch die hohen Einnahmen im Juli und August nicht herausgewirtschaftet werden.“

Die benötigten und zur Verfügung gestellten 20 000 Euro stammen vom Eigenbetrieb, in dem das Anlagevermögen der Firma verwaltet sowie Abschreibungen sowie Verlustausgleiche aus den Vorjahren ausgewiesen werden. „Wir müssen dieses Geld natürlich zurückzahlen“, betonte Meyer. „Wir sparen und setzten zum Beispiel bei der Nachtsicherung auf dem Campingplatz den Einsatz einer Fremdfirma aus“, fügte er hinzu. Dafür seien Nachtwächter eingestellt worden, was sich allerdings wiederum auf die Personalkosten auswirke. „Die sind insgesamt gesehen jedoch nicht weiter angestiegen, stellen aber die Hauptbelastung dar“, so Meyer.

Positive Veränderung

Er leitet seit 2004 die GmbH, zu der die Bereiche Strandbad, Campingplatz, „Queen Arendsee“ und die Tourist-Information gehören. „Der Wirtschaftsprüfer schätzte ein, dass seit dem Geschäftsführerwechselsel sich der Arbeitsstil stark zum Positiven entwickelt hat“, hob Klebe hervor.

Aber selbst das sparsamste Wirtschaften und zusätzliche Einsparungen können nicht sämtliche Defizite ausgleichen. Allen Stadträten sei klar, dass das nicht ausreiche.

„Aber auch in anderen Tourismusstädten ist das Geschäft wegen der Wetterabhängigkeit defiztär und muss durch Zuschüsse der Städte selbst, der Kreise oder gar vom Land unterstützt werden“, so Klebe. Der städtische Haushalt in Arendsee ist bekanntlich im Minus. Der Versuch, vom Altmarkkreis Salzwedel einen Zuschuss von 100 000 Euro zu bekommen, sei zwar gescheitert (die Volksstimme berichtete). „Aber wir werden nicht locker lassen und es wieder versuchen.“

Optimierung erforderlich

Bei der Diskussion um die Zukunft der Luftkurort GmbH sei einhelliger Tenor unter den Räten, dass an der GmbH festgehalten werden solle. „Aber wir sind uns auch einig, dass nach einer Optimierung gesucht und eine neue Struktur gefunden werden muss“, machte Klebe klar.

Darüber solle aber erst 2016 beraten und entschieden werden. Eine mögliche Variante sei die Ausgliederung der Tourist-Information, die dann zusammen mit der Bibliothek bei der Stadt angesiedelt werden könne.