Volksstimme: Was war aus Ihrer Sicht das wichtigste Ereignis in der Verbandsgemeinde in diesem Jahr?

Christiane Lüdemann: Der Beschluss des Verbandsgemeinderates zum Vertrag mit der Firma Storengy am 26. August. Das Unternehmen stellt uns künftig Feuerwehrtechnik zur Verfügung, die wir nutzen dürfen. Bis zur Unterschrift war es ein langer Weg. Die Gewerbesteuer kommt der Gemeinde Wallstawe zugute. Aber wir als Verbandsgemeinde sind für den Brandschutz und die technische Hilfeleistung zuständig. Im November 2014 bei einer Großübung haben wir den Methan-Einsatz geprobt und festgestellt, dass wir dafür nicht ausreichend ausgerüstet sind. Ein Verantwortlicher der Firma hat uns zugearbeitet, was wir eigentlich dafür alles brauchen.

Daraus entwickelte sich aus einer Idee ein Vertrag...

Ja. Seit Februar 2015 haben wir an diesem gearbeitet, das Landesamt für Geologie und Bergwesen, das Landesverwaltungsamt, den Landkreis und besonders unsere Feuerwehrleitung mit ins Boot geholt. Im Verbandsgemeinderat fand der Entwurf Zustimmung. In der Firma Storengy hat das Papier auch alle Hürden geschafft und ist unbürokratisch bestätigt worden.

Was ist der Inhalt dieser Vereinbarung?

Die Firma Storengy stellt nicht nur ein Feuerwehrfahrzeug zur Verfügung, das von den Wallstawer Kameraden genutzt werden soll, sondern auch zwei Mehrzweckanhänger, Rollcontainer, Handfunksprechgeräte sowie zusätzliche Ausrüstung und Ausstattung, die nicht zu unserer Grundausstattung gehören. Die Technik wird dezentral untergebracht. Storengy bleibt Eigentümer, unsere Kameraden dürfen mit allem arbeiten. Die Firma übernimmt anteilig die Kosten der Unterhaltung. Es war ein schwieriger Weg bis zur Unterschrift. Aber es ist auch schön, dass es jetzt geklappt hat. Wir rechnen damit, dass das Fahrzeug im September geliefert wird.

Bilder

Und was hat Ihnen schlaflose Nächte bereitet?

Die Kinderbetreuung. Sie ist ein sensibler Bereich. Da geht es zum einen um die Jüngsten, zum anderen aber auch um die Eltern mit ihren Erwartungen. Wir müssen schauen, dass alles einvernehmlich läuft. Wir sind froh, dass die Elternvertretung der Verbandsgemeinde gewählt wurde, mit der wir gut zusammen arbeiten. Richtig schlaflose Nächte habe ich übrigens dann, wenn meine Enkelkinder zu Besuch sind (lacht).

Eine Prognose besagte, dass die Belegung von Kindertagesstätten und Horten zurückgeht. Wie sieht es in der Verbandsgemeinde aus?

Wir haben eine gute Belegung und spüren noch nichts vom Rückgang. Wir haben in diesem Jahr 18 Erzieher neu eingestellt. Diese zu finden, war gar nicht so einfach. 13 Erzieher sind gegangen, davon 6 in Altersteilzeit, die anderen in die Altersrente oder auf eigenen Wunsch. Derzeit kümmern sich 107 Erzieher um 875 Kinder in unseren Kitas und Horten.

Wie die Tarifverhandlungen der Erzieher finanziell zu Buche schlagen, ist noch nicht planbar, hört man.

Das stimmt. Uns liegen noch keine Tabellen vor, wie die Mitarbeiter eingruppiert werden sollen. Deshalb können wir noch nicht einschätzen, um welche Beträge es geht. Das erschwert das Erarbeiten des Haushaltes für 2016. Wir hoffen jedoch, zeitnah eine vernünftige Information zu erhalten und werden Anfang des nächsten Jahres massiv beim Arbeitgeberverband nachfragen. Solch ein Unsicherheitsfaktor macht eine vernünftige Planung kaum möglich.

Wie sieht es haushaltsmäßig in der Verbandsgemeinde aus?

Wir hatten Ende 2014 eine Rücklage in Höhe von 700  000 Euro. Wir rechnen damit, auch wenn es jetzt den doppischen Haushalt gibt, dass wir eine ähnlich hohe Summe in der Hinterhand haben, wenn das Haushaltsjahr 2015 beendet ist. Wir denken, dass wir auch 2016 mit einer Verbandsgemeinde-Umlage in Höhe von 46,62 Prozent rechnen werden. Unsere Mitgliedsgemeinden hatten gute Gewerbesteuer-Einnahmen. Das würde sich auf die Umlage auswirken und könnte 180  000 Euro Mehreinnahmen bringen. Trotzdem bleiben die Personalkosten für die Erzieher noch ein Unsicherheitsfaktor. Entlastend könnten sich die Förderprogramm Stark III und V auswirken.

Welches war die wichtigste Baumaßnahme im Jahr 2015?

Das war ohne Zweifel der Umbau der Diesdorfer Grundschule, um dort weitere Klassenräume zu schaffen. Die Schule ist gefragt und beliebt. Nächstes Ziel ist es, dort einen multifunktionalen Raum, der barrierefrei zugänglich ist, anzubauen, in dem alle Schüler Platz haben. Wir hoffen, dass wir über das Stark-V-Förderprogramm dafür Gelder erhalten. Das Projekt wird in einer Prioritätenliste mit aufgelistet, die wir in den Gremien diskutieren werden.

Die 824 Aktiven der 41 freiwilligen Feuerwehren waren in diesem Jahr enorm gefordert. Sie absolvierten bislang mehr als 200 Einsätze, während es im Vorjahr nur 78 waren. Was ist die Ursache dafür?

Sehr oft werden die Kameraden zur Beseitigung von Windbruch angefordert, bisher schon weit über 100-mal in diesem Jahr. Häufig ist es nur ein Ast, der auf der Straße liegt und durchaus von einem Vorbeifahrenden zur Seite geräumt werden kann. Wir haben den Eindruck, dass die Feuerwehr immer mehr als Hausmeister verstanden wird, der für Ordnung sorgen muss. Das sollte jedoch nur bei Schadenslagen so sein.

Die Feuerwehrleute sind gut für die Einsätze ausgerüstet. Im nächsten Jahr sollen die Kuhfelder ein Tanklöschfahrzeug und die Diesdorfer ein Löschfahrzeug erhalten. Wie ist es um die Gerätehäuser bestellt?

Wir haben mit dem Dährer und dem Diesdorfer nur zwei DIN-gerechte Gerätehäuser in der Verbandsgemeinde. In den sechs Jahren des Bestehens unserer VG haben wir viel Geld in die Unterhaltung, Ausrüstung und Ausstattung der Einsatzkräfte gesteckt. Das war uns erst einmal wichtig. Deshalb haben wir die Gerätehäuser noch nicht genauer betrachtet und keines von ihnen grundlegend angefasst. Anfang des nächsten Jahres werden wir uns mit diesen Gebäuden beschäftigen und eine Liste aufstellen, wo zuerst Handlungsbedarf besteht. Aktiv geworden sind wir bereits in den Wehren, die rund um die Uhr ihren Dienst leisten, und haben dort Absauganlagen nachgerüstet, beispielsweise in Wallstawe, Beetzen- dorf und Winterfeld.

Wie ist der Erarbeitungsstand des integrativen ländlichen Entwicklungskonzeptes, das Grundlage für die Zukunft sein soll?

Das Gesetz dazu ist noch nicht verabschiedet. Es ist klar, was wir machen wollen, aber wir können nicht starten und treten auf der Stelle. Wenn wir die Grundlage haben, dann wird sich der Planungsausschuss damit beschäftigen. Festgeschrieben werden soll in dem Konzept, wie wir uns als Verbandsgemeinde mit den acht Mitgliedsgemeinden entwickeln wollen und welche Pläne wir für die Zukunft haben.

Inwieweit ist die Verbandsgemeinde mit ihren Mitarbeitern für die Zukunft aufgestellt?

In der Kernverwaltung arbeiten 37 Mitarbeiter. Davon sind sieben unter 30 Jahren, sechs unter 40 Jahren, drei unter 50 Jahren und 15 unter 60 Jahren. Das Durchschnittsalter liegt jetzt bei 46 Jahren, vor einiger Zeit waren es noch 54 Jahre. Die Einarbeitung neuer Mitarbeiter benötigt allerdings Zeit, weil wir ein großes Gebiet betreuen, in dem viele Maßnahmen laufen. Derzeit suchen wir einen Bauingenieur oder einen Verwaltungsfachangestellten, der Erfahrung im Baubereich hat.

Wie ist die Verbandsgemeinde in Kitas und Schulen auf die Aufnahme von Flüchtlingskindern vorbereitet?

Wir haben Kapazitäten, um zu helfen, wenn Hilfe nötig ist. In der Kuhfelder Kita werden jetzt zwei Flüchtlingskinder betreut. Wir stellen auch Räume für den Deutschunterricht der Eltern zur Verfügung, wenn dies gewünscht wird.

Im September 2016 steht die Neuwahl des Verbandsgemeinde-Bürgermeisters an. Werden Sie erneut antreten?

Ich habe mich noch nicht endgültig entschieden. Es sind noch ein paar Monate Zeit bis dahin, so dass ich in Ruhe darüber nachdenken werde.