Hilmsen l „Ich bin sehr aufgeregt, weil ich gespannt bin, wie die Arbeiten im Kunsthaus wirken“: Das sagte am Freitagnachmittag der Kunstsammler Gus Kopriva aus Houston (Texas) kurz nach seiner Ankunft in Hilmsen. 79 Kunstwerke von deutschen Expressionisten werden zu sehen sein, entstanden zwischen 1894 und 1945. „Das ist für mich die größte Kunst der Welt“, sagt der 67-Jährige und fügt hinzu: „Sie ist heute noch genauso bedeutsam wie damals in der Kaiserzeit.“ Sein persönlicher Liebling sei Lyonel Feininger.

Es sei wohl einem glücklicher Zufall zu verdanken, dass seine Sammlung in Salzwedel gezeigt werde. Gus Kopriva, der die ersten sechs Lebensjahre in Deutschland verbrachte („Ich bin ein Deutsch-Amerikaner“, merkt er schmunzelnd an), lernte Salzwedel im Jahr 2002 kennen. Damals stellte seine Frau, die Künstlerin Sharon Kopriva, ihre Arbeiten in der Salzwedeler Mönchskirche aus. Der Hilmsener Künstler Hans Molzberger interessierte sich für diese Schau und kam mit Gus Kopriva ins Gespräch. „Ich habe ihn in mein Atelier eingeladen, damit er sich mein Schaffen anschaut. Er war so angetan, dass er mir sofort eine Ausstellung in Houston anbot“, erinnert sich der Altmärker.

Es entwickelte sich eine intensive Zusammenarbeit. Im Jahr 2010 wurde die deutsche Kunst von der Kaiserzeit bis zu Hitler im Salzwedeler Gerlachspeicher gezeigt. Bei einem Spaziergang hat Gus Kopriva die einstige Mädchenschule an der Neuperverstraße entdeckt und laut gedacht, dass es wundervoll wäre, diese als Kunsthaus zu nutzen. Die damalige Bürgermeisterin Sabine Danicke habe die Frage beantwortet, wem das Gebäude gehöre, erinnert sich Hans Molzberger. „Wir durften uns darin umschauen – es erschien wie geschaffen für die Idee“, blickt er zurück.

Seit dem ersten Besuch begeistert

Nun ist es soweit: Ab dem morgigen Sonntag ist die Ausstellung „Broken Brushes“ offiziell geöffnet. „Ein bisschen aufgeregt bin ich schon“, sagt Gus Kopriva, der seit 40 Jahren Kunst sammelt. Er sei nach Salzwedel gekommen, weil er erleben wolle, wie die Werke in diesem Haus wirken. „Ich bin sehr glücklich darüber, dass die großartige deutsche Kunst wieder in ihr Heimatland kommt“, fügt der Galerist hinzu.

Salzwedel habe ihn gleich beim ersten Besuch begeistert. Der Weinbergaltar, geschaffen von Lucas Cranach dem Jüngeren, sei auch in Houston bekannt. „Jeder Amerikaner, der sich mit Kunst auskennt, kennt diese Arbeit“, sagt er. Die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern, das Jenny-Marx-Haus, die einstige Zugehörigkeit zur Hanse, all das habe ihn sehr beeindruckt. „Das Kunsthaus würde ich gern mit nach Houston nehmen“, erzählt er lächelnd. Die Arbeiten stellt er als Dauerleihgabe für zehn Jahre zur Verfügung. Auch darüber hinaus? „Alles ist möglich“, merkt Gus Kopriva an.

Er wird auch für den nächsten Höhepunkt im Kunsthaus sorgen. Irene Guenther, die Tochter des Bauhaus-Lehrers Peter Guenther in Houston, wird eine Postkartensammlung zur Verfügung stellen. Diese stammt vom Dresdner Künstler Otto Schubert, geschrieben während der Zeit des Ersten Weltkrieges und mit Aquarellen versehen.