Nettgau l Für zweieinhalb Stunden ging Montagmittag im Nettgauer Glunz-Werk nichts mehr. Geschlossen folgte die Belegschaft dem Aufruf der IG Metall zum zweiten Warnstreik innerhalb von fünf Wochen, um ihrer Forderung nach Rückkehr zur Tarifbindung und Rücknahme der mit der angestrebten Haustarifvereinbarung verbundenen Verschlechterung der Arbeits- und Entgeltbedingungen Nachdruck zu verleihen.

IG-Metall-Verhandlungsführer Wilfried Hartmann kündigte an, dass dieser Warnstreik der letzte war. Er setzte der Glunz AG ein Ultimatum bis zum 4. Mai, 12 Uhr. Nimmt diese bis dahin die Tarifkündigung nicht zurück, will die Gewerkschaft eine Urabstimmung einleiten und zum unbefristeten Streik aufrufen. „Es wird keine Gehalts- und Urlaubskürzungen mit uns geben“, zeigte sich Hartmann kampfbereit. Seit dem letzten Warnstreik habe sich das Unternehmen nicht bewegt. „Es wird zwar Verhandlungsbereitschaft signalisiert, aber nur zu Verschlechterungen“, so Hartmann, der von einem Gespräch mit dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Glunz AG, Jan Bergmann, berichtete. Darin habe dieser „partout Vorleistungen der Belegschaft in Form von Lohnkürzungen verlangt“, um in der Konzernzentrale in Portugal etwas vorweisen zu können. „Das ist aber, egal in welchem Werk, mit uns nicht zu machen“, stellte Hartmann klar. Bergmanns Entgegnung, „dann müsse man sich wohl die Nase blutig schlagen“, konterte der Gewerkschafter mit der Feststellung, dass sich gestern Glunz eine blutige Nase geholt habe. Schließlich ruhte zeitgleich in allen fünf deutschen Werken die Arbeit.

Den Verweis des Unternehmens auf seine wirtschaftlich schlechte Lage ließ Gewerkschaftssekretär Dieter Pfeiffer nicht gelten. „Ich habe die Zahlen des ersten Quartals gesehen. Aus einem erwarteten negativen ist ein positives Ergebnis von mehreren Millionen Euro geworden“, erklärte er. Ein Lohnverzicht sei somit nicht mehr notwendig. Zudem sei es unanständig, von den Mitarbeitern Verzicht zu fordern, wenn sich gleichzeitig die Bezüge der drei Glunz-Vorstände erhöht haben, wie anhand der vorgeschriebenen Veröffentlichungen nachweisbar sei.

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