Salzwedel l „Mann, was bist du für eine perverse Pottsau.“ Nein, nett gehen die „Arschkrampen“ in ihrem Programm „Das Leben ist eine Deponie“ nicht miteinander um. Vielmehr lieben es Oliver Kalkofe und Dietmar Wischmeyer derb und fäkal. Doch das überwiegend männliche Publikum war begeistert. Sie gelten als Deutschlands ältestes Hardcore-Team: Oliver Kalkofe und Dietmar Wischmeyer, kurz, die „Arschkrampen“. Seit 25 Jahren spalten sie die Nation, weil sie weniger Vertreter der filigranen Hochkultur sind, sondern sich vielmehr als Kämpfer für den schlechten Geschmack sehen. Diesem – seinem selbst formulierten – Anspruch, wurde das Duo im ausverkauften Kulturhaus mehr als gerecht. Freunde der gehobenen Unterhaltung hätten sich dagegen entsetzt die Hände vors Gesicht geschlagen oder wären schreiend aus dem Saal gerannt. Aber vermutlich sind die erst gar nicht gekommen.

Das überwiegend männliche Publikum war jedenfalls vom Programm „Das Leben ist eine Deponie“ und ihren Helden Jürgen „Gürgen“ Ferkulat (meist Ferkel oder Ferkelwämser genannt) in Gestalt von Kalkofe und Kurt (Wischmeyer) begeistert. Die beiden boten sich einen derben Schlagabtausch, in dem die Fäkalsprache im Mittelpunkt stand.

Dabei begann alles ganz harmlos: Sie sitzen auf der Bühne am Pult, plaudern von früher, erzählen, wie sie die Arschkrampen erfunden haben, ohne dabei mit beißender Medienkritik – vor allem aber am öffentlich-rechtlichen Radio – zu sparen. Sie erklären die Charaktere der Figuren, geben Details preis, ohne dabei so wichtige Themen wie „Lümmelfäule“ oder das Verhältnis zu Frauen zu vergessen. Kurt: „Die Kiste Bier ist auch weiblich, aber sie hält das Maul.“ Doch wegen solcher Sprüche, von denen massenhaft präsentiert werden, liegt Kalkofe und Wischmeyer das Publikum zu Füßen, das schreit, klatscht, tobt und pfeift. Vor allem Kurt, das alkoholabhängige Pendant zu Ferkel, nutzt die gesamte Palette der an Geschmacklosigkeiten offenen Richterskala voll aus. Das Duo sitzt in der fiktiven dörflichen Schankwirtschaft „Bei Gertrud“ und trinkt täglich Bier oder Alster mit verschiedenen unüblichen Zusätzen wie Tsatsiki (Ballerbrühe, von Kurt auch liebevoll „griechisches Göttersperma“ genannt) oder Erdbeerjoghurt (Alster-E).

Der Humor der Arschkrampen ist manchmal unterirdisch, rau, derb und auch sehr geschmacklos. Und irgendwann hat man die Themen Monstertitten, Spaghetti-Pim- mel oder die Geräte (Frauen) nageln satt. Und doch: Wenn Wischmeyer davon erzählt, dass sich „schon morgens im Dämmerlicht mein Burnout-Syndrom meldet“, dann hofft das Publikum inständig, dass er es mit ein paar Kisten Bier wieder los wird.