Klötze/Salzwedel l Die Enttäuschung bei allen Beteiligten ist groß: Das Verkehrsministerium des Landes Sachsen-Anhalt untersagt die für das Wochenende geplanten Sonderfahrten mit Triebwagen von Salzwedel zum Martinimarkt nach Klötze und zurück. Mit Mängeln an der Strecke wird die Absage begründet.

Enttäuscht von dieser Weisung zeigte sich Thorsten Hensel, Vorsitzender des Fördervereins Jeetze(l)talbahn: „Das ist eine Katastrophe. Wir haben so viel Arbeit reingestreckt in das Projekt“, bedauerte er auf Anfrage der Volksstimme.

Vereinschef verärgert

Das Schreiben aus dem Ministerium ging an die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) als Pächter der Bahnstrecke zwischen Salzwedel und Klötze. Abgeschickt erst am Dienstag. Angeblich hätten die zuständigen Mitarbeiter erst durch ein Interview in der Volksstimme am 12. Oktober von den beabsichtigten Sonderfahrten erfahren. „Deshalb können wir die angeführten Mängel nicht bis zum Wochenende beseitigen“, kritisierte Hensel, hob aber hervor: „Die Bahnfahrten waren dem Land bereits seit drei Monaten durch unseren Förderantrag bei der Nahverkehrsservice GmbH (NASA) bekannt. Es ist völlig unverständlich, dass das Verkehrsministerium erst wenige Tage vor dem Fahrtermin den Betrieb untersagt“, machte Hensel seinem Ärger Luft. „Das geht mir nicht in den Kopf.“

Zum Zustand der Bahnstrecke gibt es allerdings unterschiedliche Auffassungen. Die Bahnbetriebsleitung der DRE hält die Bahnstrecke für betriebs- und fahrfähig – mit Geschwindigkeitsbeschränkungen auf einzelnen Abschnitten. Ob die Kritik aus Magdeburg berechtigt sei oder nicht, lasse sich aus Zeitgründen rechtlich nicht mehr bis zum Wochenende prüfen, betonte Hensel. Deshalb erfolge jetzt die generelle Absage der Fahrten.

Aussage steht gegen Aussage

Eine Enttäuschung ist diese Entscheidung auch für alle Eisenbahnfreunde, die bei den Sonderfahrten immer zahlreich an die Strecke pilgerten. „Wir entschuldigen uns bei allen Menschen, die sich auf die Fahrten gefreut hatten“, hob deshalb der Vereinschef hervor.

Doch offenbar steht hier Aussage gegen Aussage. Eine Anfrage an die Landesbehörde ergab: Tatsächlich habe das Verkehrsministerium „als zuständige Aufsichts- und Genehmigungsbehörde für nicht bundeseigene Eisenbahnen in Sachsen-Anhalt von dem Sachverhalt aus der Zeitung erfahren“, informierte Pressesprecher Andreas Tempelhof. Damit bezieht er sich auf das Interview in der Klötzer Volksstimme. „Nach unserem Kenntnisstand ist die Strecke aber nicht betriebssicher. Daher wurden die Fahrten untersagt“, erläuterte Tempelhof.

Marode Gleise

Seit August 2012 sei die DRE als Betreiber vom Ministerium aufgefordert, die Strecke in einen betriebsfähigen und den Vorschriften entsprechenden technischen Zustand zu versetzen. „Dies ist bis heute nicht passiert“, resümierte der Sprecher. Bei einer stichprobenartigen Begehung der Strecke von Klötze nach Salzwedel im vergangenen Jahr sei festgestellt worden, dass diese Strecke durch starken Pflanzenwuchs gekennzeichnet sei, teilweise durch fehlenden Schotter, Gleislagefehler sowie durch zum Teil marode Gleis- und Weichenschwellen aus Holz, wodurch eine erhöhte Entgleisungsgefahr bestehe. Tempelhof: „Seitens der DRE wurde aber bisher keine Mangelbeseitigung angezeigt.“

Doch die Bahnfreunde geben nicht auf. Hensel: „Die DRE arbeitet weiter zügig an der Beseitigung der vom Land genannten Mängel.“ Nach einer erneuten Prüfung durch das Ministerium und positivem Ergebnis „sollen die Fahrten schnellstmöglich nachgeholt werden“. Ziel bleibe die Reaktivierung der Bahnstrecke Dannenberg – Oebisfelde.

Mit der Absage der Fahrten fällt die Verlosung der Freikarten weg. Bereits gekaufte Tickets werden von der Volksstimme zurückgenommen.