Salzwedel l Ob denn nicht ein Ärztemodell nach Osterburger Vorbild möglich sei, wollte Salzwedels Stadtrat Martin Schulz (Grüne) kürzlich im Salzwedeler Finanzausschuss wissen. Schließlich lockt Osterburg mit einem Stipendium, finanziert zur Hälfte von der Stadt und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), angehende Mediziner in die Biesestadt. Auch in Stendal möchten die Verantwortlichen den Ärztemangel auf diesem Weg bekämpfen.

Innovative Ideen, um dem Problem in und um Salzwedel zu begegnen, sucht man in der Baumkuchenstadt derzeit vergebens. Und das, obwohl sich die Situation mehr und mehr zuspitzt.

Anfrage an Stadt unbeantwortet

Die Grünen-Stadträtin Cathleen Hoffmann hatte schon am 17. Juli eine Anfrage zur allgemeinen und zur fachärztlichen Versorgung in Salzwedel an die Stadtverwaltung gestellt. Explizit hat sie Bürgermeisterin Sabine Blümel und Hauptamtsleiter Matthias Holz angesprochen. Eine Antwort erhielt sie bisher nicht, wie sie im Volksstimme-Gespräch erklärte. Unter anderem wollte sie wissen, welche Bemühungen es seitens der Stadtverwaltung gibt, die Situation in Salzwedel zu verbessern. Und sie fragte nach Konzepten, um Ärzten den Zuzug nach Salzwedel oder Medizinstudenten aus der Region die Rückkehr in ihre Heimat attraktiver zu machen. Ob die Verwaltung mit der Kassenärztlichen Vereinigung zum Ärztemangel in Salzwedel und Umgebung in Kontakt stehe, war eine weitere Frage der Stadträtin.

Weil eine Reaktion ausblieb, ihr und weiteren Ratsmitgliedern das Thema aber unter den Nägeln brennt, haben Mitglieder ihrer Fraktion, der Freien Liste und der Linken eine Arbeitsgruppe dazu gegründet. Sie erarbeiten ein Papier mit Handlungsvorschlägen, das sie den politischen Gremien zur Diskussion vorlegen wollen. „Ich freue mich sehr über diese interfraktionelle Zusammenarbeit“, sagt Cathleen Hoffnann.

Stipendium für Studenten

Im Gegensatz zur Stadt hat der Kreis auf die Anfragen der Grünen-Politikerin geantwortet, die auch im Kreistag sitzt. Landrat Michael Ziche hatte im Kreis-Sozialausschuss eine Strategie, die der Altmarkkreis verfolgen will, vorgestellt. So gebe es Pläne, einen finanziellen Anreiz mit einem Stipendium für Medizinstudenten zu setzen. Vorbilder dazu gibt es bereits in anderen Kommunen. Die Vorstellungen dazu sind schon ziemlich konkret: Ziche sprach von 800 Euro monatlich in der Regelstudienzeit und 200 Euro in der Facharztausbildung. Im Gegenzug sollen sich die angehenden Ärzte zu einer mehrjährigen Tätigkeit im Altmarkkreis verpflichten.

Die Idee eines Mediziners aus dem Salzwedeler Altmark-Klinikum, das Problem mit Ärztehäusern wie zu DDR-Zeiten die Polikliniken, anzugehen, um den jungen Medizinern durch gegenseitige Vertretungen mehr Flexibilität einzuräumen, fand politisch hingegen kein Gehör.

Dass der Altmarkkreis bei den Hausarztstellen unterversorgt ist, ist auch Bundestagsabgeordneter Eckhard Gnodtke in Berlin nicht entgangen. „Landesweit sind jetzt schon knapp 150 Hausarztstellen nicht besetzt; im Jahr 2030 werden es rund 300“, mahnt er. Für ihn ist das nur die Spitze des Eisberges. Denn auch Fachärzte und Mediziner in den Krankenhäusern seien Mangelware. Obendrein die fehlenden Ärzte im Gesundheitsdienst.

Bundesweit der niedrigste Wert

Gerade im Altmarkkreis Salzwedel ist die Situation nicht kleinzureden. Der Kreis gehört zu den Regionen mit dem dünnsten Hausärzte-Netz Deutschlands. Hier kamen zum Jahresende 2018 exakt 54,5 Hausärzte auf 100 000 Einwohner. Das war bundesweit der siebtniedrigste Wert.

Gnodtke geht die Landarzt-Quote der Landesregierung nicht weit genug. Die Quote sieht vor, dass fünf Prozent der Medizinstudienplätze für angehende Landärzte bereit gehalten werden. Das entspricht derzeit 20 Studenten von 400. Diese würden sich dann verpflichten, nach Abschluss des Studiums und der fachärztlichen Ausbildung zehn Jahre in der Fläche zu praktizieren. Und genau da liegt für Gnodtke das Problem. Denn auch zehn Prozent seien möglich, erklärt er. Sprich 40 von 400 Studenten. Obendrein ist der Christdemokrat darüber verärgert, dass die Landesregierung die Medizinstudenten nicht im kommenden Monat beginnen lassen möchte, sondern erst 2020. Nordrhein-Westfalen ge- he schon diesen Weg. Denn eine Fünf-Prozent-Beschränkung existiere dort nicht.

Gemeinnützige Gesellschaft

Ein weiterer Lösungsansatz könnten in seinen Augen die Gründung von gemeinnützigen Gesellschaften mit beschränkter Haftung (gGmbH) sein – sprich privatrechtlich ausgestaltet. Damit würden die Studierenden gebunden und gelenkt werden können. „Die einzige medizinische Hochschule im brandenburgischen Neuruppin ist nämlich eine gGmbH, die Kosten werden von kommunalen Trägern, Krankenhausgesellschaften und Sparkassen getragen“, erläutert Gnodtke. Wer wolle, dass Ärzte auch im Kreis ankommen, müsse 160.000 Euro pro Student zahlen. „So auch das Altmark-Klinikum, welches nach meinem Kenntnisstand zurzeit fünf Medizinstudenten dort studieren lässt. Dies könnte auch eine Lösung für die Altmark sein – wenn auch eine sehr kostenintensive.